Oschersleben l Altbauten haben Charme. Manchmal steht das „A“ aber auch für Abenteuer. Was alles zu tun ist, merken Eigentümer vor allem dann, wenn sie mit der Sanierung angefangen haben. Nicht zuletzt aus diesem Grund sind Neubauten bei jungen Familien beliebt. Trotzdem, oder gerade deshalb, gibt es in Oschersleben das kommunale Förderprogramm „Jung kauft Alt“.

Verstärkung für Ortskerne

Die Idee dahinter: Junge Paare oder Familien lassen sich nicht am Rand der Stadt oder eines Ortsteils nieder, um dort zu bauen. Stattdessen übernehmen sie ein Haus, das bereits steht. Aus Sicht einer Kommune ist das wichtig. Denn es wirkt dem Leerstand und der sogenannten Zersiedelung entgegen. Stattdessen wird die vorhandene Bebauung entwickelt. Das stärkt den Stadt- beziehungsweise Ortskern.

Steffen Czerwienski als Leiter des Fachbereiches Bauen und Umwelt erklärt, dass es das Förderprogramm als freiwillige Leistung der Stadt bereits seit 2017 gibt. Jedes Jahr stelle die Kommune dafür 30.000 Euro in den Haushalt ein. Die Nachfrage ist groß. Laut Doreen Apel, der Leiterin des Sachgebietes Planen, gab es allein im Jahr 2019 34 Anträge auf eine Förderung. In fast allen Fällen wurden Mittel auch bewilligt. Dabei ist zu beachten: Mit „Altbau“ im Sinne der Förderrichtlinien sind Gebäude gemeint, die älter als 40 Jahre sind. Der Denkmalbereich stehe nicht im Fokus. Dafür gebe es andere Förderprogramme.

Selbst genutzter Wohnraum

Darüber hinaus ist die Inanspruchnahme von „Jung kauft Alt“ an bestimmte Bedingungen geknüpft. Ganz wichtig: Der Antragsteller soll selbst in das betreffende Haus einziehen. Dementsprechend sind auch „ausschließlich natürliche Personen“ anspruchberechtigt. So steht es in den Förderrichtlinien. Firmen bleiben außen vor.

2019 wurden 34 Anträge gestellt

Im Wesentlichen gibt es drei Bereiche, die gefördert werden. Den Anfang bildet das sogenannte „Altbaugutachten“. Mit seiner Hilfe soll der Kaufinteressent erfahren, was an der entsprechenden Immobilie gemacht werden muss und welche Kosten dafür zu erwarten sind. Wie Doreen Apel verdeutlicht, soll der Antragsteller „nicht die Katze im Sack“ kaufen. Deshalb gibt es Zuschüsse.

Der Grundbetrag liegt bei 600 Euro. Für jedes Kind unter 16 Jahren kommen weitere 300 Euro hinzu. Allerdings darf die Fördersumme 1500 Euro nicht übersteigen. Zu beachten ist: Gezahlt wird nur, wenn es für das Gebäude noch kein entsprechendes Gutachten gibt und der Kaufvertrag noch nicht unterschrieben ist.

Förderung bis zu 1500 Euro

Als zweiten Baustein gibt es die laufende jährliche Förderung. Auch sie liegt zunächst bei 600 Euro pro Jahr und wird für jedes Kind unter 16 Jahren um 300 Euro erhöht. Der Zuschuss wird fünf Jahre lang gezahlt. Kommen in diesem Zeitraum weitere Kinder hinzu, erhöht sich die Förderung. Allerdings ist sie auch hier bei einer Summe von 1500 Euro gedeckelt.

Der dritte Baustein bezieht sich auf den Abbruch eines Altbaus und die Errichtung eines Neubaus an der gleichen Stelle. Auch dafür ist finanzielle Unterstützung möglich. Doch wie Steffen Czerwienski erklärt, wurde diese Option bislang noch nicht in Anspruch genommen.

Spezielle Schilder entwickelt

Die entsprechende Richtlinie gilt zunächst bis zum 31. Dezember 2022. Um das Förderprogramm noch bekannter zu machen, gibt es seit Kurzem spezielle Schilder. Sie tragen unter anderem die Aufschrift „... hier wird gefördert“ und sollen zumindest vom Erhalt des Bewilligungsbescheides bis zum Einzug an den entsprechenden Objekten zu sehen sein.

Darüber hinaus haben Steffen Czerwienski und Doreen Apel noch einen Vorschlag: Wer einen Altbau besitzt und ihn verkaufen möchte, kann sich unter planungsabteilung@oscherslebenbode.de bei der Stadt melden. Sobald Interessenten Kontakt aufnehmen, die das Förderprogramm nutzen möchten, kann die Verwaltung diese Objekte gezielt bewerben.

Weitere Infos zum Programm „Jung kauft Alt“ und die genauen Förderrichtlinien sind auf der Internetseite der Stadt unter www.oscherslebenbode.de zu finden.