Hordorf l Ein Radweg von Hordorf nach Oschersleben – diese Idee treibt die Menschen im Dorf schon seit 2011 um. Nach einer Volksstimme-Umfrage zeigte sich, dass dieser Radweg das meist gewünschte Projekt der Menschen vor Ort ist. 600 gesammelte Unterschriften unterstreichen den Wunsch.

„Ich habe mich mit dem Lesen der Tagesordnung für den Bauausschuss gefreut, dass anscheinend Bewegung in die Sache kommt. Doch im Nachhinein muss ich sagen: Das Ergebnis des Bauausschusses und auch das Agieren der Stadtverwaltung in der Sache haben mich nicht befriedigt“, muss Norbert Kurzel in diesen Tagen feststellen. „Ohne Ortschaftsrat, ohne Ortskenntnisse werden hier so wichtige Dinge im Auftrag der Stadt geplant. Das, was das Planungsbüro im Bauausschuss vorgestellt hat, wissen wir selbst. Hätte man die Dinge besser hinterfragt, hätte man sie auch gleich richtig stellen können“, macht der Ortsbürgermeister deutlich.

Fest macht er seine Auffassung an der Variante 3. Diese sollte auf dem Sommerdeich östlich der Bode verlaufen. Dieser Deich liegt in der Zuständigkeit des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW). Der Baugrund gehöre auch dem LHW. „Der Landesbetrieb wird dieser Variante niemals zustimmen, erst recht wird das LHW diesen Deich nicht für einen Radweg ertüchtigen. Die Variante 3 kann also gleich verworfen werden, kann weg“, so Kurzel.

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Zahlen und Kosten kritisch hinterfragt

Er frage sich zugleich, woher das Planungsbüro bestimmte Zahlen hat. „Wie kommen die da drauf? Allein für die Baustelleneinrichtung sind 50.000 Euro angegeben, für eine Rasenansaat von 7000 Quadratmetern sind Kosten von 76.000 Euro veranschlagt. Und gerade die Baukosten hinterfragen die Hordorfer schon sehr kritisch. Ich zweifele die Zahlen an, zumal alle Varianten ohne Grunderwerb berechnet wurden“, muss Norbert Kurzel monieren.

Ohne Grunderwerb würde man allerdings nur in der Variante A auskommen, denn der Radweg könnte auf einem alten Feldweg, der sogar noch in den Katastern verzeichnet ist, verlaufen. „Es gibt drei Grundeigentümer, mit denen es bereits 2016 Gespräche gab. Sie alle würden einem Flächentausch zustimmen. Seit 2016 liegt der Stadt das Ergebnis dieser Gespräche vor. Außer Notarkosten würden keine weiteren Kosten, entstehen“, berichtet Hordorfs Ortsbürgermeister weiter.

Beginnen solle der Radweg in Höhe des Hordorfer Kindergartens. Von hier aus könnte man auf einem Zubringer zu einem alten Deich, diesen Weg will der LHW ertüchtigen, zum ehemaligen Feldweg fahren und damit sicher abseits der Landesstraße. Auf den Flächen von Land und Stadt müsste nur eine sinnvolle und sichere Überquerung der L 101 vor der Bodebrücke geschaffen werden. „Von dort könnten die Radler auf dem alten Bodedeich in Richtung Burg in Oschersleben hineinfahren. Eine Anbindung des Radweges am Ortsausgang von Oschersleben in Richtung Großalsleben und Günthersdorf würde die Sache wesentlich verkomplizieren und erheblich verzögern“, ist sich Norbert Kurzel sicher.

Mit einem Zollstock beweist er vor Ort, dass der alte Feldweg auch die nötige Breite für einen Radweg hätte.

Landkreis soll mithelfen

Kommune, Landkreis und Land sollten für das Projekt in einem Boot sitzen. „Wenn wir auf das Land warten und die Abarbeitung der Prioritätenliste, auf der unser Radweg auf Position 405 steht, werden viele Hordorfer den Radweg nicht mehr erleben. Warum kann der Landkreis nicht einen Zuschuss für den Radweg von Hordorf nach Oschersleben zahlen? Man muss nur darüber reden, das hat man bislang verpasst“, meint Kurzel.

Er sieht im Radweg auch kein Millionenprojekt. Laut Prioritätenliste des Landes hätte besagter Radweg eine Länge von 3176 Metern mit geschätzten Baukosten von 660.000 Euro. Das Planungsbüro sprach in der Bauausschusssitzung von 3520 Metern und Kosten von mehr als eine Millionen Euro. „Ich muss nochmals fragen: Wo sind diese Zahlen her? Bei der Variante A mit dem Verlauf auf dem alten Feldweg würde man sich auch das Anlegen der Bankette und damit weitere Kosten, beispielsweise für eine Rasenansaat ersparen“, so Kurzel.

Die Bauausschusssitzung endete vor einigen Wochen mit dem Auftrag an die Stadtverwaltung, in Sachen Radweg Gespräche mit dem LHW und der unteren Naturschutzbehörde zu führen.

„Ich hoffe, dass die Gespräche nicht all zu lange auf sich warten lassen, die Sache tatsächlich im Fluss bleibt. Denn über einen Radweg würden sich nicht nur die Hordorfer, sondern auch andere Bürger des Landkreises freuen. Aufgabe der Stadt müsse es auch sein, Fördertöpfe zu finden, die die Finanzierung des Weges erleichtern“, fasst Norbert Kurzel zusammen.

Ein Gespräch mit dem zuständigen Planungsbüro, um die Zahlen zu hinterfragen, kam gestern nicht zustande.