Sommerschenburg l Beim Pottburger Heimatverein und seinen Helfern sitzt der Stachel tief. Der resultierende Ärger richtet sich in erster Linie gegen offenbar unbelehrbare Mitmenschen, die sich auf Kosten anderer ihres unliebsamen Unrats entledigen. In der Causa Sommerschenburger Martinsfeuer hat das zu enormer Enttäuschung allenthalben geführt, womöglich auch dazu, dass derartiges Brauchtum im Dorf komplett eingestellt wird.

Ein Fest war geplant

Traditionell wollte man Mitte des Monats das Martinsfest am Himmelsteich ausrichten – mit Gegrilltem, Getränken und natürlich einem gemütlichen Feuer. Daraus wurde nichts. Die Veranstaltung wurde abgesagt, nachdem das Umweltamt des Landkreises und das Ordnungsamt Obere Aller auf eine anonym eingegangene Anzeige hin den avisierten Brennplatz inspiziert hatten. Zu groß sei der aufgeschichtete Haufen in unmittelbarer Nähe zu Bäumen und Wohnhäusern. Außerdem war – und ist – jede Menge Grünschnitt enthalten. Das darf nicht sein.

Zu viel Grünschnitt

Die frischen Gartenabfälle habe man nicht zu verantworten, beteuert der Heimatverein. Tino Herrmann als einer der tatkräftigen Organisatoren sagt: „Wir weisen immer wieder darauf hin, dass solche Dinge dort nichts zu suchen haben, aber die Leute karren das von sonstwo an, weil sie zuhause ja nicht mehr brennen dürfen. Sie nutzen aus, dass der Himmels-teich etwas abgelegen ist und der Brennplatz von der Straße aus nicht einsehbar, aber dennoch frei zugänglich ist.“ Auf diesem Weg gelangte nicht nur reichlich Grünschnitt ans Teichufer. Einige Zeitgenossen hatten auch Paletten, Zaunlatten und gar einen Schrank hierher entsorgt – alles brennbar zwar, aber behandeltes beziehungsweise beschichtetes und somit unerlaubtes Holz.

Für den Veranstalter ist das ein altbekanntes Problem, was auch aus dem Appell des Heimatvereins in der dieser Tage neu erschienenen Ausgabe des Gemeindehefts „Rund um Dorn und Born“ hervorgeht. Der Text ist noch vor den jetzt aktuell gewordenen Geschehnissen geschrieben worden. Darin heißt es auf die Vorjahre rückblickend: „Viele Bürger nutzten den Brennplatz am Himmelsteich leider, um Sachen abzuladen, die dort absolut nicht hingehören. Da müssen wir uns nicht wundern, wenn es keine Genehmigung mehr für das Traditionsfeuer gibt.“

Abbrennen mit Auflagen

Die Erlaubnis zum Abbrennen hätte das Ordnungsamt noch erteilt, wenn der Haufen vom Grünschnitt befreit, umgeschichtet und verkleinert worden wäre, versichert die für die Genehmigung von Brauchtumsfeuern zuständige Verwaltungsmitarbeiterin, Carola Ziesenitz. Sie betont auch: „Wir wollen den Orten ja keinesfalls ihre Veranstaltungen wegnehmen, aber in diesem Fall mussten wir dem Veranstalter bei der Besichtigung vor Ort mitteilen, dass das Feuer in diesem Umfang nicht durchgeführt werden kann.“ Fachdienstleiter Fabian Dilge bestätigt: „Auch zum Schutze des Wohls der Allgemeinheit gab es unsererseits Bedenken hinsichtlich der Nähe zu den Bäumen sowie zur Wohnbebauung. Es bestand die Möglichkeit, die Veranstaltung dennoch stattfinden zu lassen – unter Wahrung der genannten Voraussetzungen.“ Zu solchem Aufwand sah sich der Heimatverein – vom technischem Einsatz mal ganz abgesehen – auch aufgrund der Kürze der Zeit nicht mehr in der Lage, die für die Mitglieder und Helfer letztlich ehrenamtliche Freizeit bedeutet.

Kita indirekt betroffen

Dies ist ein Aspekt, den Eckehart Beichler, Kulturausschussvorsitzender der Gemeinde, besonders verletzt sieht: „Das Ganze ist ärgerlich, weil viel Mühe drin steckt, Mühe von Leuten, die sich kümmern und machen und tun. Und das wird dann von anderen aus Eigennutz einfach kaputtgemacht. Da werden nicht nur die Helfer um die Früchte ihrer Arbeit gebracht.“ Indirekt ist tatsächlich auch die Sommersdorfer Kita leidtragend vom abgesagten Martinsfest betroffen, an die der Erlös aus dem Imbiss- und Getränkeverkauf gespendet werden sollte. Tino Herrmann: „Da kamen bisher immer so um die 500 Euro zusammen, was für den Kindergarten gewiss hilfreich war.“

Feuer im kleineren Rahmen

Eventuell könne man „im kleineren Rahmen“ ein ordnungsgemäßes Feuer nachholen, stellen Herrmann und Eckehart Beichler unabhängig voneinander Überlegungen für die nähere Zukunft an. Derzeit seien aber Frust und Aufregung noch zu groß. Beichler befürchtet außerdem den Verlust von Veranstaltungen generell: „Angesichts solcher Probleme lassen Motivation und Bereitschaft irgendwann nach, das ist doch nur verständlich. Die Fortsetzung solcher Gemeinschaftsveranstaltungen ist dann offen, und so würde ein weiteres Stück Dorfleben verlorengehen.“ Tino Hermann plädiert dafür, „dass sich die Gemüter erstmal wieder abkühlen und wir dann in Ruhe schauen, ob und wie wir das hinbekommen.“

Ins selbe Horn stößt Heimatvereinsvorsitzende Hannelore Wölfer in ihrer gewohnt frohnatürlichen Art. Die nächste Aufgabe stehe kurz bevor – und möglicherweise trägt sie zur allgemeinen Beruhigung und Besinnung bei. Wölfer meint: „Nach der turbulenten Woche wegen des Feuers sehen wir nun ganz entspannt der Adventszeit entgegen. Diesen Sonnabend richten wir wieder einen kleinen Weihnachtsmarkt am Dorfgemeinschaftshaus aus. Beginn ist um 15 Uhr mit einem Programm des Kindergartens.“