Heimatgeschichte

Bürger spenden für das Freikreuz in Kroppenstedt

Rund 34.000 Euro müssen aufgebracht werden, um das historische Freikreuz in Kroppenstedt restaurieren zu lassen.

Von Yvonne Heyer 01.07.2021, 09:04 • Aktualisiert: 01.07.2021, 09:55
Ende März  2021 wurde das Freikreuz in Kroppenstedt abgebaut und ist seitdem in Quedlinburg eingelagert.
Ende März 2021 wurde das Freikreuz in Kroppenstedt abgebaut und ist seitdem in Quedlinburg eingelagert. Foto: Yvonne Heyer

Kroppenstedt - Nehmen wir die schlechte Nachricht vorweg: Auch in diesem Jahr wird es in Kroppenstedt kein Freikreuzfest geben. Das hat nichts damit zu tun, dass das Wahrzeichen der Stadt Ende März dieses Jahres für die Sanierung abgebaut wurde. Grund für die Absage ist, wie schon im vergangenen Jahr, die Corona-Pandemie.

Der Kultur- und Sozialausschuss der Reithufestadt hat jüngst zum Traditionsfest beraten und sich einhellig dazu bekannt, das Fest nicht stattfinden zu lassen. „Die Vorbereitungen, der Aufwand wären einfach zu umfassend, um dann, wenn die Zahlen möglicherweise im Herbst wieder steigen, dann doch absagen zu müssen. Heute kann niemand abschätzen, wie sich die Pandemielage Anfang Oktober darstellt. Erschwerend kommt hinzu, dass es bei einem derartigen Fest kaum möglich ist, ein Hygienekonzept umzusetzen“, sagt Heike Wolter vom Heimatmuseum Kroppenstedt.

Nun zur guten Nachricht: Die Werkstätten für Denkmalpflege Quedlinburg haben eine sehr detaillierte Kostenschätzung für die Sanierung des Kroppenstedter Freikreuzes geschickt. Diese Schätzung beläuft sich auf 34 000 Euro. Stadträte und Bürgermeister Joachim Willamowski haben mit deutlich mehr gerechnet. „Das schaffen wir, das Geld können wir mit Spenden aufbringen“, ist Willamowski überzeugt. Ursprünglich war ein Antrag an das europäische Förderprogramm Leader gestellt worden, doch der Antrag bekam auf der Prioritätenliste zu wenige Punkte, wurde abgeschmettert.

Bekanntlich wurde Ende März dieses Jahres das Kroppenstedter Freikreuz abgebaut und in den Werkstätten für Denkmalpflege eingelagert. Das Wahrzeichen der Stadt muss dringend saniert werden. Inzwischen habe sich während der Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses eine Arbeitsgruppe, bestehend aus fünf Personen, gebildet, die die Spendenaktion zur Sanierung und Restaurierung des Freikreuzes koordinieren wird. Diese Arbeitsgruppe hat bereits festgelegt, dass Großspender ab 1000 Euro auf einer Bronzetafel verewigt werden. Diese Tafeln sollen in Sichthöhe am Rathaus angebracht werden. „Die Namen aller anderen Spender finden sich im Flur des Rathauses wieder, wo eine große Tafel angebracht wird. Die Höhe der Spendensumme wird nicht genannt“, betonen Heike Wolter und Joachim Willamowski. Selbstverständlich werden Spendenquittungen ausgegeben.

Mit der Nennung der Spender soll nachfolgenden Generationen gezeigt werden, dass die Kroppenstedter zur Rettung ihres Freikreuzes zusammen gestanden haben. Die Stadt werde nun ein Unterkonto einrichten, auf dem die Spenden eingezahlt werden können. Die Kontonummer werde demnächst bekanntgegeben.

Bislang hat die Stadt Kroppenstedt 7600 Euro für den Abbau und die Einlagerung, für ein Jahr, bezahlt. Ist das Jahr um, kommen je Monat 150 Euro für die Einlagerung hinzu.

Seit rund 370 Jahren steht das steinerne Kreuz auf seinem Platz gegenüber des Rathauses. Vor dem aktuellen Kreuz, welches aus Sandstein besteht, gab es Vorgänger aus Holz. In historischen Unterlagen wird ein hölzernes Kreuz zum ersten Mal im Jahr 1248 erwähnt. In der Historie Kroppenstedts ist verbrieft, dass die Freikreuze seit 800 Jahren für Städtefreiheit und Privilegien stehen. Von einer Stätte der Richtbarkeit ist offiziell in einem Dokument aus dem Jahr 1322 die Rede.

Die Kroppenstedter durften am Freikreuz über vermeintlich geringere Strafdelikte selbst verhandeln und entscheiden.