Ummendorf l Trotz der reichlich vorhandenen Veranstaltungskonkurrenz in der Region habe das Burgfest noch mehr Besucher anlocken können als in den vergangenen Jahren, gab Mitarbeiterin Gesche Neumann für das Börde-Museum nach dem mittelalterlichen Wochenende Auskunft, ohne konkrete Zahlen zu nennen: „Es wurde gut angenommen, besonders am Sonntagnachmittag haben sich die Plätze in der Burg und auf der Festwiese gut gefüllt.“ Das in Einheit mit dem Sarazenenlager verfolgte Motto „Orient trifft Okzident“ hat also offenbar gefruchtet und Neugier hervorgerufen.

Diese wurde unter anderem gestillt von der Karawanengilde aus Berlin, deren Mitglieder sich der historischen Darstellung des Hochmittelalters verschrieben haben. „Dabei gehen wir näher auf die Thematik des Fernhandels der östlichen Routen im 13. Jahrhundert vom Rande des Heiligen Römischen Reiches über die Flüsse Polens und Russlands, bis in den vorderen Orient und Arabien ein“, erklärt Waffenmeister Romano Schneider. Er leitete die über beide Tage verteilten Schaukämpfe an, und mit ihm konnten die Besucher zwischendurch auch einfache Kampfübungen exerzieren. Nicht nur Kriegs-, sondern ebenso Kleinkunst, Handwerk sowie das Pilger- und Handelswesen sind der Karawanengilde angeschlossen.

Bauchtaunz, Märchen und Spiele

Dasselbe Hobby pflegen Gudrun und Alexander Flindt, die mit ihrem Zelt und der persisch geprägten Staffage aus Gifhorn angereist waren. Für sie steht nicht allein die Darstellung des Mittelalterlichen im Fokus, die Teilnahme an den Märkten und Burgfesten ist für das Paar stets auch ein willkommener Ausgleich zum Arbeitsalltag. Die Orientszene, in der Gudrun Aghnia (übersetzt: Lied) heißt, haben sie recht frisch für sich entdeckt. „In der Darstellung des europäischen Mittelalters geht der Trend der Gruppen gerade sehr ins Überrealistische, was teils bizarre Ausmaße annimmt, wenn sogar die Unterwäsche authentisch sein soll“, kritisiert Alexander Flindt, der für seine arabische Kriegerrolle den Namen Ramah al-Barqwas gewählt hat, was so viel wie Lanze des Blitzes bedeutet. „Oder es machen alle – in Anlehnung an die erfolgreiche TV-Serie ‚Vikings‘ – nur noch einen auf Wikinger.“ Sarazenenlager ermöglichten und böten da eine freiheitlichere Auslebung des Hobbys, sind sich die Flindts einig.

Bilder

Bauchtanzvorführungen, Märchen aus Tausenundeiner Nacht, Mokkabar und Brettspiele vervollkommneten den orientalischen Teil des Burgfestes. Für die zweitägige Großveranstaltung hatte das Börde-Museum in Kooperation mit der Gemeinde Ummendorf einen organisatorischen und auch finanziellen Aufwand betrieben wie selten zuvor. Erstmals etwa nutzte man eine Ackerfläche der örtlichen Agrargenossenschaft am Dorfrand Richtung Wormsdorf als Parkplatz, um die diffizile bis nervige Parksituation entlang der Hauptstraße zu entschärfen. „Dorf und Anwohner wurden dadurch gut entlastet“, schätzt Gesche Neumann ein. Dauerhaft könne man diese Option allerdings nicht ziehen: „Das ist zum einen ja sehr wetterabhängig, zum anderen wird das Feld auch noch bestellt, und nicht zuletzt kommt es auf die Art der Veranstaltung und die Besuchermasse an.“

Vereinzelt wurde Kritik wegen der im Vergleich zu den Vorjahren gestiegenen Eintrittskosten (sieben Euro für Vollzahler) geübt. Hierzu erklärt Gesche Neumann: „Wir hatten als Veranstalter selbst viele Zusatzkosten schon allein, weil das Festgelände um das Doppelte erweitert wurde. Ohne Sponsoren hätten wir das gar nicht stemmen können. Aber ich denke, dass es für das Geld jede Menge zu erleben gab.“ Alles in allem, das bestätigten auch die Schausteller, seien sieben Euro ein noch günstiger Eintrittspreis für derartige Spektakel.