Kleingarten

Corona lässt Oschersleber Kleingärten wachsen

Das Kleingartenwesen profitiert in der Pandemie. Landesweit gibt es wieder mehr Pächter. Das betrifft auch die Oschersleber Anlagen,

Von Josephine Schlüer
Peter Dirkes ist leidenschaftlicher Gärtner und Vorsitzender des KGV ?Am Diesterwegring? in Oschersleben.
Peter Dirkes ist leidenschaftlicher Gärtner und Vorsitzender des KGV ?Am Diesterwegring? in Oschersleben. Foto: Josephine Schlüer

Oschersleben

Noch sind Süd- und Ostsee für die Urlaubsplanung tabu, so dass der heimische Kleingarten zum Naherholungsgebiet wird. Zumindest kommt man dort unter Leute, wenn auch der Gartenzaun für Abstand sorgt. Das wird auch beim Kleingartenverein „Am Diesterwegring“ sichtbar. Die Pächter der Parzellen würden seit Beginn der Corona-Pandemie viel mehr Zeit in ihren Gärten verbringen als zuvor, so der Vorsitzende des Kleingartenvereins, Peter Dirkes. „Vor allem Familien mit Kindern wollen nicht in ihren Wohnungen sitzen und kommen lieber in den Garten“, so der Vorsitzende weiter.

Das bestätigen auch Patrick und Anika aus Oschersleben. Das junge Paar hat vor zwei Monaten eine Parzelle „Am Diesterwegring“ gepachtet. Mit ihren Söhnen Pepe und Aron verbringen sie dort viel Zeit. „Ohne die Pandemie wären wir wahrscheinlich nicht auf diese Idee gekommen“, sagt Papa Patrick.

Verbunden mit dem Bedürfnis nach Bewegung an frischer Luft und dem Anbau von gesundem Obst und Gemüse seien vor allem in städtischen Gebieten Kleingärten heiß begehrt, sagt Olaf Weber, der Vorsitzende des Verbands der Kleingärtner in der Region Börde-Ohre. Gerade junge Familien würden den Kleingarten in zunehmendem Maße für sich entdecken, weil sich dort den Kindern die Natur nahebringen und ein Teil des Urlaubs verbringen lasse, so Weber.

Unter dem Dach des Regionalverbandes sind in Oschersleben die Vereine „Am Bodestrand“, „Am Bürgerpark“, „Am Diesterwegring“, „Am Mühlenberg Ampfurth“, „Einheit Hadmersleben“, „Freundschaft“, „Süd-Ost“, „Vor dem Bruch“, „Waldblick Schermcke“, „Zukunft OC“ und „Zur Erholung“ organisiert. „In diesen Anlagen stehen 953 Parzellen zur Verfügung, von denen mit Stand Januar 2021 769 genutzt werden“, weiß Olaf Weber.

184 Gärten stehen noch frei

Das Kleingartenwesen in Sachsen-Anhalt entwickele sich insgesamt positiv. In den vergangenen Jahren stagniere der Abwärtstrend, der Ende der 1990er Jahre eingesetzt hatte, so Weber, der auch dem Landesverband der Kleingärtner Sachsen-Anhalt vorsitzt. Aktuelle Werte würden zeigen, dass die Zahl der Gartenfreunde zwar von 107 123 im Jahr 2013 auf 85 946 Anfang 2020 sank. Seit Beginn dieses Jahres habe sich die Zahl aber wieder auf 87000 erhöht. Insgesamt 1639 Vereine mit derzeit 106555 Parzellen im Bestand würden dem Landesverband angehören. Von den Kleingärten würden 89301 Parzellen gegenüber 87228 im vergangenen Jahr bewirtschaftet.

Die Anzahl der tatsächlich leerstehenden Gärten belaufe sich auf 17254, sagt der Vorsitzende weiter. Die 46- bis 60-Jährigen seien dabei die größte Altersgruppe in den Vereinen in Sachsen-Anhalt, gefolgt von den 26- bis 45-Jährigen.

Und wer schon auf Fernreisen verzichten muss, möchte offenbar im heimischen Kleingarten etwas Karibik-Atmosphäre schaffen. Einige Kleingärtner würden laut Weber ihre Parzelle buchstäblich in eine Urlaubsoase verwandeln wollen. „Eine Anfrage zur Anpflanzung einer Palme hat uns im letzten Jahr erreicht und ein wenig verwundert“, berichtet der Börde-Ohre-Vorsitzende. „Ungewöhnlich, aber die Palme verstößt nicht gegen die Auflagen, wenn ein Drittel des Gartens zum Anbau von Gartenbauerzeugnissen genutzt wird.“ Palmen stehe also nichts im Weg.

„Am Diesterwegring“ bewirtschaften Pächter im Alter von 25 bis 83 Jahren aus verschiedenen Ländern der Erde, wie aus Afghanistan, der Türkei, Syrien sowie Polen und Deutschland ihre Gärten. Es sei alles sehr friedlich dort, jedenfalls fast, sagt der Vorsitzende des Kleingartenvereins. Vereinzelt würden sich Pächter abfällig äußern, wenn Menschen mit Migrationshintergrund in der Kleingartenanlage hinzu kommen. Das findet Peter Dirkes sehr schade.