Hornhausen l Alles war bereit: Business-Plan und Finanzierung standen, die Waren aus China waren eingetroffen. Eigentlich hätte Claus Pommerehne mit seiner Firma „Traktor & mehr“ in den letzten Wochen voll durchstarten können. Doch dann begann in Deutschland die Corona-Pandemie. Mit ihr kamen zahlreiche Beschränkungen. Dem fiel nicht nur die große Eröffnungsfeier zum Opfer. Auch sonst lief für Claus Pommerehne einiges anders als gedacht.

Der 50-Jährige hat lange in der Zuckerindustrie gearbeitet. Der Weg zum eigenen Betrieb führte über einen Umweg - nämlich über das Pferd der Tochter. Dadurch kam Claus Pommerehne zur Hobby-Landwirtschaft. Aus einem Pferd wurden drei, hinzu kamen fünf Bullen. Um die Tiere versorgen zu können, bewirtschaftete der Hornhäuser fünf Hektar Wiese und Ackerland. Dafür brauchte er natürlich die richtige Technik.

Claus Pommerehne begann, sich für kleine Traktoren und die entsprechenden Anbaugeräte zu interessieren. Heute will er mit ihnen handeln. Konkret geht es um die Marke Yto aus China. Dafür arbeitet der Hornhäuser mit einem Partner aus Dresden zusammen. Der kümmert sich um den Import. Zusätzlich zu den Traktoren und Anbaugeräten wie Mini-Bagger oder Mulcher bietet Claus Pommerehne Ersatzteile und Reparaturen an.

Aber es gibt ein Hindernis: Yto-Traktoren sind in Deutschland relativ selten. „Die Leute müssen sich die Geräte anschauen, sie begutachten und sich überzeugen lassen“, erklärt Claus Pommerehne. Viele wüssten noch gar nicht, dass es so etwas in der Region gebe. Doch alle geplanten Besuche potenzieller Kunden mussten abgesagt werden. Dabei betont der Inhaber, dass es ihm nicht darum gehe, das Kontaktverbot zu kritisieren. Es sei absolut sinnvoll. Und es sei gut, dass sich die Menschen daran halten. Allerdings macht es die Lage für seinen Betrieb nicht einfacher. „Ich hoffe, dass das soziale Leben irgendwann wieder in Gang kommt und sich auch meine Kundschaft wieder raus traut“, sagt Claus Pommerehne.

Als Zielgruppe hat der Hornhäuser keine professionellen Landwirte im Blick. Seine Traktoren haben maximal 50 PS. Stattdessen geht es ihm um Hobby-Landwirte in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen, Gartenbaubetriebe, Besitzer großer Grundstücke und Tierhalter. Eigentlich sei die Zeit gerade richtig. Das Frühjahr sei da, die Saison habe begonnen - der passende Moment, sich mit neuer Technik auszustatten oder Kaputtgegangenes zu ersetzen.

Aktuell hilft das Claus Pommerehne aber wenig. Im Gegenteil: Wegen der Lieferzeiten von 12 bis 14 Wochen hat er im Januar bereits neue Ware geordert. Schließlich sollte der Verkauf eigentlich in vollem Gang sein. „Es war alles schön eingetaktet und geplant“, berichtet der Geschäftsführer. Bald dürften die bestellten Artikel eintreffen. Und sie müssen bezahlt werden.

Technik vor Ort ansehen

„Ich habe die Soforthilfe des Staates in Anspruch genommen. Gott sei Dank gibt es so etwas“, sagt Claus Pommerehne. Schließlich gebe es laufende Kosten, die unabhängig davon entstehen, ob ein Betrieb Umsatz macht oder nicht. Derzeit bemühe er sich um einen Überbrückungskredit bei der Investitionsbank. Ob der bewilligt werde, sei noch unklar.

Laut Claus Pommerehne sind viele Menschen durch die Krise verunsichert, auch wirtschaftlich: „Es ist eine gewisse Zurückhaltung zu spüren. Keiner weiß, was kommt. Wenn jemand in Kurzarbeit gehen muss oder seinen Job verliert, hat er weniger Geld im Portemonnaie. Das spüre ich.“

Allgemein verlaufe die Startphase eines Unternehmens nie ganz geradlinig. „Aber durch Corona ist es doppelt schlimm“, sagt der Geschäftsführer. Trotzdem zeigt sich Claus Pommerehne optimistisch: „Jammern hat keinen Sinn. Man muss nach vorne sehen. Auch Corona ist irgendwann vorbei.“ Es sei seine Absicht, sein Hobby zum Beruf zu machen. Diesen Weg habe er selbst gewählt, und er werde dafür kämpfen, das Ziel zu erreichen. „Ich hoffe, dass es gelingt. Ob es gelungen ist, werden wir in einem Jahr sehen“, so Claus Pommerehne.