Oschersleben l Bei „Essen auf Rädern“ geht es nicht nur darum, eine warme Mahlzeit zu bekommen. Das Angebot gibt Menschen die Chance, möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu wohnen - und nicht in eine Einrichtung ziehen müssen, weil sie beispielsweise nicht mehr kochen oder einkaufen können.

Darüber hinaus ist das Angebot eng mit den Traditionen der Volkssolidarität verbunden. Die Hilfsorganisation feiert dieses Jahr ihren 75. Geburtstag. „Schon nach dem Krieg war die Versorgung der Menschen mit Essen eine wichtige Aufgabe der Volkssolidarität. Damals gab es zum Beispiel die Suppenküchen“, erinnert Gunnar Rieß. Er arbeitet im Oschersleber Büro des Regionalverbandes Ohre-Börde der Volkssolidarität. Dort kümmert er sich um die Abrechnung von „Essen auf Rädern“. Birgit Schmidt bearbeitet eingehende Bestellungen. Auch die Dienstpläne gehören zu ihren Aufgaben.

Zahl der Kunden erhöht

Gemeinsam betonen beide, dass die vergangenen Wochen eine Herausforderung waren. Zum einen habe sich die Zahl der Kunden durch Corona deutlich erhöht. Zum anderen würden viele Bestandskunden sonst eine Tagespflege besuchen und dort an einigen Tagen in der Woche mit Essen versorgt. Diese Möglichkeit fiel infolge der Beschränkungen weg. Das schraubte die Zahl der täglich benötigten Portionen noch einmal in die Höhe. Hinzu kommt: „Essen auf Rädern“ liefert nicht nur unter der Woche. Die Mitarbeiter stehen auch sonnabends, sonntags und an Feiertagen bereit. Für viele Kunden erfüllen sie eine wichtige Rolle als sozialer Kontakt und Ansprechpartner.

Einer der acht Fahrer in Oschersleben ist der 69-jährige Dieter Roland. Er hat sich den Job bewusst ausgesucht: „Ich wollte etwas Gutes tun und eine Arbeit haben, die mich in Kontakt mit Menschen bringt“, sagt er.

Wie Gunnar Rieß verrät, sind die Fahrer meist in Form von Mini-Jobs tätig. Viele gehören aufgrund ihres Alters selbst zur Risikogruppe. „Aber alle haben durchgehalten. Keiner hat gesagt, dass er wegen Corona Bedenken hat und seine Arbeit deshalb nicht mehr machen möchte“, lobt Birgit Schmidt.

Kommen weit herum

Auf ihren Fahrten kommen die Mitarbeiter weit herum. Das Essen wird vom Unternehmen Menüexpress in Magdeburg gekocht. Dabei handelt es sich um eine Tochterfirma des Landesverbandes der Volkssolidarität. Schon am Morgen trifft es in Oschersleben ein. Gegen 9 Uhr brechen die Fahrer zu Touren auf, die sie von Ort zu Ort führen. „Insgesamt gibt es vier Routen. Sie sind etwa 100 Kilometer lang“, erläutert Gunnar Rieß. Das Büro in Oschersleben ist für das Gebiet des ehemaligen Bördekreises zuständig. Zusätzlich gibt es ein Büro in Haldensleben, das sich um den alten Ohrekreis kümmert. Gemeinsam versorgen sie rund 280 Menschen.

Die Übergabe des Essens erfolgt in der Regel kontaktfrei. Ausgerüstet mit Handschuhen und Mund-Nase-Schutz stellen die Fahrer ihre Lieferung vor die Tür. Sollten sie dabei doch einmal den Kunden begegnet, wird ein Sicherheitsabstand eingehalten. Auch für die Reinigung und Desinfektion der Fahrzeuge gibt es einen Hygieneplan. Wie Gunnar Rieß ausführt, vermissen viele Kunden schon das Gespräch mit den Mitarbeitern. Aber aus Sicherheitsgründen sei die hauptsächlich kontaktfreie Belieferung wichtig. Darüber hinaus möchte er sich für das Engagement der Fahrer bedanken: „Gerade in den ersten Tagen der Pandemie wusste niemand, was genau auf uns zukommt, wie viele Erkrankungen es geben würde.“

Vor diesem Hintergrund sei es wichtig, dass das ganze Team durchgehalten habe. Birgit Schmidt ergänzt, dass auf diesem Wege keine Anfrage habe abgelehnt werden müssen.