Oschersleben l Vorsichtig chauffiert die Oschersleberin Ilona Rabe die mit Möhrensuppe gefüllte Schale über das Freigelände der Oschersleber Tafel. Auf dem Areal sind noch mehr Menschen zusammen gekommen. Sie haben sich gut verteilt, halten Abstand.

Suppe übers Fenster

Andreas Brade, beim DRK eigentlich im Rettungsdienst angestellt, hat an diesem Tag, sozusagen in seiner Freizeit, Möhrensuppe gekocht. Unterstützt hat ihn dabei die ehrenamtliche Helferin Katrin Nestler. Über ein Fenster werden die Suppenschalen ausgegeben. Vor dem Fenster wiederum steht ein Tisch, darauf werden die Schalen abgestellt. Abstand halten, lautet die wichtige Devise, bloß keine körperlichen Kontakte. Täglich werden 25 bis 30 Portionen gekocht.

Auch Helga Hamo holt sich ihre Portion Suppe ab, für eine weitere Portion hat sie einen Behälter mitgebracht.

Dass die Menschen an diesem Tag die Mittagsmahlzeit gleich an Ort und Stelle, wenn auch im Freien und im Regen, essen, hat mit dem Umstand zu tun, dass nach der Mittagsmahlzeit die Lebensmittelbeutel ausgegeben werden. Es lohnt nicht, noch einmal nach Hause zu gehen.

Handgriffe eintrainiert

Ein Krisenstab des DRK-Kreisverbandes Börde hat sich in den vergangenen Tagen, ja Wochen, damit beschäftigt, wie sich die Tafeln und Suppenküchen in Zeiten des Coronavirus weiter um die Menschen kümmern können, die dringend Hilfe benötigen. Es wurden Abläufe und Handgriffe regelrecht trainiert, besondere Maßnahmen ergriffen, ein Stufenplan erarbeitet. „Wir haben die Nutzer und Familien sensibilisiert und sie mit den neuen Maßnahmen vertraut gemacht“, berichtet Mandy Oelke, Leiterin Soziale Arbeit beim DRK Kreisverband Börde. Anderseits müsse auch das Personal und die Ehrenamtlichen geschützt werden. Helfer, die zum gefährdeten Personenkreis gehören, bleiben zu Hause. Das Personal wurde insgesamt auf ein Minimum reduziert. Und nur diese Personen haben Zutritt zu den Räumlichkeiten der Tafel. Die Essensportionen werden nur verpackt ausgegeben, können dann draußen in eigene Behälter umgefüllt werden.

Beutel mit Lebensmittel

Die Lebensmittelbeutel, sie werden dienstags und freitags ab 12.30 Uhr ausgegeben, werden vorgepackt. Werden genau wie das Mittagessen über ein Fenster nach draußen gereicht, auf dem Tisch abgestellt, erst dann darf nach den Beutel gegriffen werden. „Darauf müssen wir ganz streng achten“, so Mandy Oelke. Sie kann sich gut vorstellen, dass es aktuell Menschen gibt, die sich wegen des Coronavirus nicht aus dem Haus trauen, aber doch auf Hilfe angewiesen sind. Hier appelliert Mandy Oelke an die Hilfsbereitschaft der Menschen. Sie sollten auch an ihre Nachbarn denken, möglicherweise eine Essensportion mehr mitnehmen. Die Ausgabe der Tafelausweise ist aktuell ausgesetzt.

„Restaurants, die schließen mussten, haben uns Lebensmittel vorbei gebracht. Es haben sich Spender gemeldet, wir können uns glücklich schätzen, dass wir uns auf die großen Märkte verlassen können. Die Schulen und Kitas sind geschlossen, der Bedarf der Familien wird steigen, müssen sie doch zu Hause die Kinder versorgen, täglich kochen oder sie nehmen unsere Suppenküchen in Anspruch“, erzählt Oelke. Montags bis freitags gibt die Suppenküche ab 11.30 Uhr das Essen aus. Es empfiehlt sich am Vortag unter 0173/564 70 19 anzurufen und die gewünschten Portionen anzugeben, Behälter nicht vergessen.