Oschersleben l Vassili Kress ist Investor der in den nächsten Jahren in Oschersleben zu errichtenden Templerbrauerei. Auf seinen Reisen in die Bodestadt, auch zu Gesprächen im Rathaus mit Bürgermeister Benjamin Kanngießer, „stolperte“ der Magdeburger über das denkmalgeschützte Gebäude in der Kornstraße 17. Es handelt sich hierbei um ein markantes dreigeschossiges Wohnhaus in prägnanter Ecklage. Der Bau, nachweislich 1701 errichtet, ist somit vermutlich das älteste Fachwerkhaus Oscherslebens.

Neuer Startpunkt für Stadtführungen?

Im Oktober 2019 kaufte Vassili Kress das Wohnhaus und das daneben liegende Gebäude (Untere Mauerstraße). Das letztgenannte Backsteinhaus solle einmal komplett für Wohnzwecke genutzt werden. Das Gebäude in der Kornstraße 17 hingegen, so der Vorschlag von Vassili Kress und Lutz Bittner, mit dem Kress eng zusammenarbeitet, könnte zumindest teilweise gewerblich und touristisch genutzt werden. „Beispielsweise als Ausgangspunkt für Stadtführungen“, so Bittner.

Aber das sei alles erst einmal Zukunftsmusik. Aktuell hat der 49-jährige Kress Fördermittel aus dem Förderprogramm „Stadtumbau Ost“ beantragt. Allein um am denkmalgeschützten Haus Kornstraße 17 Sicherungsmaßnahmen vornehmen zu können, müssen mehr als 534.000 Euro aufgebracht werden. Der förderfähige Anteil liegt bei knapp 454.000 Euro. Nach den Sicherungsmaßnahmen sollen Sanierungsarbeiten folgen, um das Haus wieder in Nutzung zu bringen.

Die Fassade weise Setzungsrisse auf, auch sei Nässe in das Mauerwerk eingedrungen. „Das Gebäude Kornstraße 17 in Oschersleben ist eines der ältesten Gebäude Oscherslebens und auch durch die wenigen Veränderungen die das Gebäude im 20. Jahrhundert erfahren hat, ein außergewöhnliches Zeugnis der regionalen Bautraditionen. Daher besitzt es auch einen besonderen denkmalpflegerischen Wert“, teilt die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises Börde mit. Selbstverständlich könne trotzdem eine Anpassung an moderne Nutzungsanforderungen erfolgen.

Wie so oft ist es nicht eine Frage des „ob“, sondern des „wie“. Für dieses besondere Haus sei es beispielsweise wichtig, dass im Vorfeld eine genaue bauforscherische Untersuchung erfolgt. In dieser sollen die einzelnen Gebäudestrukturen erfasst werden, sowie Bauphasen oder auch Baubefunde, zum Beispiel historische Farbreste oder Ausstattungsteile dokumentiert werden, damit die Eingriffe möglichst da erfolgen, wo untergeordnete Bereiche sind. „Verloren gegangene Gebäudeteile, wie etwa der Dachstuhl, können dann in moderner Technik, aber in historischer Ansicht aufgebaut werden“, heißt es weiter in der Pressemitteilung von Heiko Markworth, Sachgebietsleiter der Landkreisverwaltung.

Planungsbüro bereits aktiv

Vassili Kress hat Untersuchungen und erste Planungen in die Hände von Thomas Baecke gegeben. Der Inhaber eines Planungsbüros teilt zum aktuellen Stand mit, dass es bisher noch keine Entwurfsplanungen gebe. „Es wurden lediglich ein paar Ideen entwickelt. Der abgerissene, aber historisch mal vorhandene Anbau soll wieder hergestellt werden für das Treppenhaus, welches in das erste Obergeschoss führt. Dazu gab es Absprachen mit der Denkmalschutzbehörde“, so Baecke. Zunächst solle der im Gebäude vorhandene Müll und Schutt beseitigt werden. Erst danach sei eine genaue Bestandsaufnahme möglich. Ein Holzschutzgutachter werde das Fachwerk untersuchen. Danach würden die Festlegungen erfolgen, was erhalten werden kann und was auszutauschen oder zu ergänzen ist.

Rettung für das Barockhaus

„Die Inschrift auf dem Türsturz des zur Straße zeigenden Hauseingangs lautet: ‚Andreas Brands Margareta Holten Anno 1701‘. Es lässt sich also vermuten, dass das Haus in diesem Jahr erbaut wurde. Zeitlich fällt es in die Stilepoche des Barock. Die Wände des Erdgeschosses sind als Bruchsteinmauerwerk ausgeführt, während das 1. und 2. Obergeschoss in Fachwerkbauweise errichtet wurden. Die Ausführung des Fachwerkes ist relativ schlicht. Es gibt nur wenige Schmuckelemente“, hat Thomas Baecke bei ersten Untersuchungen am Haus festgestellt.