Awolino-Geburtstag in Oschersleben fällt erneut aus

Die Awolinos vom Mitmach-Zirkus der AWO werden am 20. Mai elf Jahre alt

Auch bei den jungen Zirkusartisten, den Awolinos, steht in der Pandemie der Alltag ein Stück weit still. Große Aufführungen sind nicht möglich. Und auch die Geburtstagsaufführungen zum zehnten wie auch zum elften Geburtstag in diesem Jahr sind aufgeschoben.

Von Josephine Schlüer
Die Awolinos vom Mitmach-Zirkus der Arbeiterwohlfahrt in Oschersleben unter Leitung von Jens Klamm (links) und Juliane Schieweck (3.v.r.) trainieren jetzt in der Burg in Oschersleben.
Die Awolinos vom Mitmach-Zirkus der Arbeiterwohlfahrt in Oschersleben unter Leitung von Jens Klamm (links) und Juliane Schieweck (3.v.r.) trainieren jetzt in der Burg in Oschersleben. Fotos (2): Josephine Schlüer

Oschersleben

Eigentlich sollten die Kinder und Jugendlichen vom Zirkusprojekt Awolinos der Arbeiterwohlfahrt in Oschersleben zum zehnten Geburtstag ganz groß gegen Windmühlen kämpfen. Doch statt Bewegung gab es Pandemie-Stillstand. Eine artistische Zirkus-Interpretation des Roman-Klassikers „Don Quijote“ von Cervantes war zum zehnten Geburtstag der jungen Zirkustruppe geplant, musste jedoch 2020 ausfallen. Auch zum diesjährigen elften Jubiläum darf das Stück wegen der Pandemie noch nicht aufgeführt werden.

„Normalerweise begehen die Awolinos jeden Geburtstag mit einer besonderen Veranstaltung“, sagt Projektleiter Jens Klamm, der sich selbst lieber Zirkusdirektor nennt. Unter dem Künstlernamen Caro Curioso leitet er das Projekt bei der AWO gemeinsam mit Mitarbeiterin Juliane Schieweck. „Wir sind vor elf Jahren mit 12 Kindern gestartet, bis vor der Pandemie waren es etwa 90 Teilnehmende ab drei Jahren“, so Klamm. Weil die Zusammenkünfte seit Beginn der Corona-Krise nur noch mit strengem Hygienekonzept möglich sind, seien es aktuell etwa 25 Mädchen und Jungen, die weiterhin regelmäßig Kunststücke proben.

Jens Klamm bangt um Teilnehmer

Wie viele der Artisten nach der Pandemie zurückkehren, ist laut Klamm fraglich. Jugendliche würden die Zirkusgemeinschaft in der Pandemie noch eher verlassen, als sie es normalerweise mit zunehmenden Alter tun, vermutet der Zirkuspädagoge. „Viele Eltern sind natürlich auch ängstlich“, sagt Klamm.

Derzeit trainieren die Awolinos dreimal wöchentlich. Dabei gibt es eine große Bandbreite an Zirkustechniken und Materialien, mit denen die jungen Artisten umzugehen lernen, wie beispielsweise mit Pois, dem Diabolo, dem Hula Hoop oder beim Seillaufen in mehreren Metern Höhe, beim Jonglieren, Kugellaufen sowie Kunststücken am Vertikaltuch. Auch Zauberei steht mit auf dem Programm.

Bis 2020 fanden die Proben in der Puschkin-Sporthalle statt, die derzeit renoviert wird. Darum mussten sich die Awolinos einen neuen Ort für das artistische Training suchen. Seit Januar steht dafür die Burg Oschersleben zur Verfügung.

Im Ergebnis der regelmäßigen Proben sollen normalerweise viele erfolgreiche Auftritte stattfinden. Außerdem werden Workshops und Zirkusfreizeiten über das Zirkusprojekt Awolinos angeboten.

Es braucht Kameradschaft, Verlässlichkeit und Verbindlichkeit

Je nach Alter der Artisten findet im Rahmen der Proben ein Zirkus-Spielen oder ein tatsächliches Zirkus-Machen mit artistisch anspruchsvollen Darbietungen statt. Dabei seien die Grenzen oft fließend, heißt es auf der Internetseite der Awolinos. Die Mädchen und Jungen sollen währenddessen durch die körperliche sowie die Material- und Sozialerfahrung verschiedene Kompetenzbereiche weiter entwickeln. Jens Klamm legt besonderen Wert darauf, dass Spaß und Ernst gut vermischt werden. „Wir haben Übungen dabei, die sind anspruchsvoll, da muss man diszipliniert und manchmal streng sein.“ Der Zirkuspädagoge möchte die individuellen Talente der jungen Artisten möglichst gut erkennen und diese entsprechend einsetzen, so dass sich alle dabei wohlfühlen.

Das Wort Pädagogik und pädagogische Ziele mag Caro Curioso nicht. „Wie auch immer man das nennen möchte, es geht um Kameradschaft, es geht um Verlässlichkeit, auch um Verbindlichkeit.“

Weil die Kapazitäten für das Zirkus-Training derzeit begrenzt sind, widmet sich Jens Klamm der Gestaltung des neuen Zirkuslagers in der Hornhäuser Straße, dass die AWO seit Januar dieses Jahres angemietet hat. Hier werden aktuell Requisiten bemalt, Vorhänge genäht und gefärbt, Zirkuszelte repariert. „Das ist hier Werkstatt, Büro, Aufenthaltsraum, alles in einem“, zeigt sich der Projektleiter stolz.

Als zusätzliches Angebot und neuen festen Bestandteil der Awolinos plant Jens Klamm Kino-Aufführungenvon Charlie Chaplin bis Dick und Doof unter dem Zirkuszelt.