Oschersleben l Jens Maiwald arbeitet im Deko-Geschäft des Uhren- und Schmuckhändlers Rudloff in der Halberstädter Straße am Oschersleber Boulevard. Um die Kunden in den Laden zu locken, postieren er und seine Kollegen jeden Morgen Waren vor dem Schaufenster. „Das ist ja nichts Besonderes. In anderen Städten gibt es viel mehr Warenauslagen vor den Geschäften als in Oschersleben. Sie dienen dem Kaufanreiz“, berichtet der Mitarbeiter.

Doch seit einigen Wochen werden immer mal wieder Waren gestohlen. So sei während des Weihnachtsgeschäftes beispielsweise ein Deko-Weihnachtsmann mit LED-Licht gestohlen worden. „Der war gut 60 Zentimeter hoch und ziemlich auffällig. Das muss doch wer gesehen haben“, meint Jens Maiwald. Das Objekt hatte einen Wert von 60 Euro und sollte eigentlich verkauft werden.

Erneute Diebstähle vor der Tür

Der bisher letzte Diebstahl ereignete sich am Mittwoch. Seine Kollegin, so berichtet der Verkäufer, wollte zum Ladenschluss einen Drehständer mit Emaille-Schildern aus Blech zurück ins Geschäft räumen. „Morgens hatten wir ihn noch mit neuen Schildern aufgefüllt. Doch abends war er fast leer“, sagt Maiwald. Wieder seien damit Waren im Wert von rund 60 Euro gestohlen worden. Am Donnerstagfrüh habe er Anzeige bei der Polizei gestellt. Nicht das erste Mal, wie der Mitarbeiter weiter erzählt.

„Was hier passiert, ist beschämend“, macht Maiwald seinem Ärger Luft. In den vergangenen Jahren sei nichts gestohlen worden, weder vor noch im Laden selbst. Doch seit den jüngsten Vorfällen würde er morgens Fotos von der Warenauslage machen, um abends besser kontrollieren zu können, ob etwas fehlt. „Eigentlich können wir überhaupt nichts mehr vor dem Geschäft präsentieren. Aber wir wollen doch die Kunden in den Laden locken. Außerdem sieht die Innenstadt dann ja trostlos aus“, meint der Angestellte.

Überwachung ist nicht erlaubt

Eine andere Lösung sehe er in der Installation von Überwachungskameras. „Doch wir dürfen ja nicht in den öffentlichen Raum filmen, wegen des Datenschutzgesetzes“, weiß der Verkäufer. Schade, befindet er, denn jemand mit einem recht großen Weihnachtsmann unter dem Arm hätte gut erkannt werden können. Trotzdem wissen sich Maiwald und seine Kolleginnen zu helfen. Die Blechschilder werden künftig am Drehständer befestigt. „Es wäre einfach nicht schön, wenn gar keine Deko vor unserem Geschäft steht.“

Volkmar Klaus hat sein Handy-Geschäft schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite. Er habe bisher keine Probleme mit Diebstählen gehabt. „Allerdings steht bei mir meist nur ein Schild vor dem Laden“, sagt der Geschäftsmann.

Kein Hinweis beim Ordnungsamt

Etwas anders reagiert Mac Hun Nguyen. Er ist der Junior-Chef des Textilladens „Hai Yen’s Mode“ und stellt jeden Morgen nicht wenig Auslagen vor das große Geschäft. Jacken und Hosen hängen an Ständern. Außerdem liegen etliche Schuhe in einem Grabbeltisch mitten auf dem Boulevard. „Diebstahl von Waren auf der Straße hatten wir noch nicht. Aber drin wird hin und wieder mal geklaut“, erzählt der junge Mann. Ansonsten hätten seine Familie und er nur wenig Erfahrungen mit Diebstahl von Warenauslagen gemacht. „Einmal waren Jugendliche vor dem Geschäft, die wollten einen Kleiderständer umkippen“, erzählt Mac Hun Nguyen weiter.

Kathrin Klenke besitzt gleich zwei Geschäfte in der Halberstädter Straße. „Seit elf Jahren habe ich Waren draußen, um Kunden in die Läden zu locken. Bisher ist nichts passiert“, berichtet sie. Nur eine Kerze sei mal mitgenommen worden. „Allerdings stelle ich auch nichts Hochwertiges auf die Straße. So kann ich einen Verlust, sollte er durch Diebstahl auftreten, verschmerzen“. Wenn niemand mehr seine Auslagen auf der Straße präsentieren würde, würde etwas fehlen, „schließlich sollen die ja als Türöffner für Kunden dienen“, sagt Klenke.

Stadt beschäftigt sich mit Thema

Eine Mitarbeiterin des „P&P Schuhcenters“, deren Name nicht in der Zeitung veröffentlicht werden soll, berichtet von „einigen, wenigen Diebstählen. Das kommt ab und zu mal vor, ist aber nicht die Regel.“ Sie findet, dass der Boulevard in den Abendstunden besser ausgeleuchtet sein sollte, um es Dieben schwerer zu machen. „In der Weihnachtszeit ist es ja hell genug aufgrund der Weihnachtsbeleuchtung. Doch vorher und nachher ist es viel zu dunkel“, sagt sie.

Stadtsprecher Mathias Schulte ist bisher nichts bekannt, was auf eine erhöhte Diebstahlrate in der Oschersleber Innenstadt hindeuten könnte. Den Hinweis der Schuhverkäuferin werde er allerdings dankend aufnehmen. „Es gibt ja den Wunsch unseres Bürgermeisters, die Innenstadt auf ihre Attraktivität hin zu überprüfen. Das könnte ein Thema sein, auch wenn ich nichts versprechen kann“, sagte Schulte.