Oschersleben l „///tobte.lilie.bestehende“ - das kommt dabei heraus, wenn man die Adresse des Oschersleber Rathauses eingibt. Das klingt irgendwie geheimnisvoll. Und seltsam. Aber es prägt sich besser ein, als klassische Koordinaten. Die lauten nämlich „52°01‘36.6“N 11°13‘37.9“O“.

Zufällige Begriffe?

Den Ratssaal findet man unter „///sprechen.teils.gestalteter“. Spätestens da möchte man dem System „What3words“ irgendwie Absicht unterstellen. Doch angeblich werden die Begriffe rein zufällig vergeben.

Zum Hintergrund: „What3words“ wurde 2014 ins Leben gerufen. Initiator Chris Sheldrick stammt aus der Musikindustrie. Es nervte ihn, dass es bei Auftritten immer wieder Schwierigkeiten mit schlecht beschriebenen Adressen gab. Mal war der Weg zu einer Veranstaltung nicht zu finden. Einmal baute eine Band sogar aus Versehen bei der falschen Hochzeit auf. Zunächst versuchte er, sich mit GPS-Koordinaten zu helfen. Aber Zahlenfolgen wie „40.7127753, -74.0059728“ waren für alle Beteiligten einfach zu kompliziert. Also holte Chris Sheldrick zwei ehemalige Schulfreunde mit ins Boot und gründete „What3words“.

Leichtere Ortsangabe

Der Vorteil: Die Ortsangaben sind sich viel leichter auszuprechen. Außerdem lassen sich mit ihrer Hilfe auch Stellen beschreiben, die gar keine Adresse haben - zum Beispiel im Wald. Auch Straßennamen, die es doppelt gibt, wie es zum Beispiel bei Eingemeindungen vorkommt, sind kein Problem mehr. „What3words“ verspricht, dass sich die Bezeichnungen der Quadrate auch niemals ändern werden. Was zunächst kurios wirkt, hat also einen praktischen Zweck. Und seien wir ehrlich: Wie oft hat Sie Ihr Navigationsgerät schon in die Wüste geschickt?

Eine Welt aus Worten

Meines hat in Oschersleben seine Schwierigkeiten. Straßennamen, die in jüngerer Zeit geändert wurden, hat es beispielsweise einfach nicht auf dem Schirm. Dabei nutze ich schon eine Handy-App. Angeblich sind die ja besonders aktuell. Aber die Kleine Anderslebener Straße gibt es trotzdem nicht. Sagt mein Telefon. Auch sonst habe ich mit Hilfe von Navis schon viele Orte auf der Welt entdeckt, an die ich nie gelangen wollte.

Sollte demnächst wieder jemand mit einer Wegbeschreibung à la „hinter dem zwölften Maulwurfshügel rechts, dann links am Mond vorbei und immer weiter Richtung Schermcke“ daherkommen, gibt es nun eine neue Lösung.

Die Welt in 57 Billionen Quadrate

„What3words“ hat die Welt in 57 Billionen Quadrate unterteilt. Jedes ist drei mal drei Meter groß. Für ihre Bezeichnung werden 40 000 Worte genutzt. Das Ganze funktioniert derzeit in mehr als 25 Sprachen – darunter Englisch, Arabisch, Finnisch oder Mongolisch.

Die Optik erinnert dezent an „Schiffe versenken“.Aber außerhalb Deutschlands werden die Dreiwortadressen bereits für weit mehr als die Freizeit genutzt. So haben Rettungsdienste in verschiedenen Regionen Großbritanniens „What3words“ bereits in ihre Arbeitsabläufe integriert. Wer dort die Notfallnummer anruft, kann die Dreiwortadressen angeben. So können die Rettungskräfte punktgenau an den richtigen Einsatzort geschickt werden. Bei der Lokalisierung von Notfällen wird wertvolle Zeit gespart. Ein weiterer Vorteil: Die App für das Smartphone funktioniert offline und damit zum Beispiel auch für Kletterer in Höhenlagen oder Angler auf einem Gewässer.

Wichtige Adressen gemerkt

Doch zurück nach Oschersleben: Die Adresse der Volksstimme lautet „///zuzug.boxen.erfolgsserie“. Für mich als Neuling in der Redaktion klingt das sportlich, aber ermutigend. Mein Schreibtisch steht allerdings im Quadrat „///gestalteter.hielt.klaviere“. Das impliziert Aufgaben, mit denen ich mich eher selten beschäftige.

Zum Gehege der Wildschweine im Wiesenpark gehört dagegen das Quadrat „///zukunft.getreu.heilfroh“. Wenn das mal kein Grund ist, sich sauwohl zu fühlen.