Oschersleben l Zwei Jahre hat es gedauert, das Friedhofskonzept zu erarbeiten und es den Ortschafts- und Stadträten zur Diskussion vorzulegen. Ziel des Friedhofskonzeptes sei es in erster Linie, Kosten zu sparen, die Friedhöfe zu verkleinern.

Das Gros der Ortschaftsräte stimmte für das Konzept und schickte mit den Protokollen zugleich Hinweise und Empfehlungen an die Stadtverwaltung zurück, damit die Anmerkungen noch eingearbeitet werden können.

Der Groß Germersleber Ortschaftsrat enthielt sich komplett der Stimme. Im Protokoll heißt es zur Begründung: „Im Konzept befinden sich Unklarheiten im Bezug auf die zu schließenden Grabfelder. Wenn die Unklarheiten geklärt sind, steht einer Befürwortung nichts entgegen.“

Für viele Diskussionen und vor allem für Unruhe gerade unter der älteren Bevölkerung sorgt der Umstand, dass zukünftig anonyme Bestattungen nur noch auf dem Friedhof der Kernstadt möglich sein sollen. Darüber hat die Volkssolidarität in Ampfurth schon vor zwei Jahren kontrovers diskutiert und das Thema stößt bis heute bitter auf, was im Protokoll der Ampfurther Ortschaftsratssitzung sich wie folgt liest: „Der Ortschaftsrat stimmt dem Beschluss mit Einschränkungen zu. Es ist unverständlich, warum die bestehende anonyme Gemeinschaftsanlage nicht wahlweise mit Namenskennzeichnung genutzt werden kann. Es würden keine zusätzlichen Kosten entstehen. Durch die vorhandenen anonymen Gräber ist eine Vermischung bei Umbennung (aus anonymen sollen halbanonyme Grabanlagen werden, Anm. d. R.) bereits vorhanden. Es besteht bei den Bürgern kein Verständnis darüber, nicht im Heimatdorf beerdigt werden zu dürfen und die Angehörigen die Blumen auf den Friedhof nach Oschersleben bringen müssen.“ Stadträte und auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung sind allerdings der Meinung, dass es bei einer anonymen Bestattung doch egal sei, wo diese stattfindet.

Zwei Ortschaften, Pe-seckendorf und Schermcke, stimmten komplett gegen das Friedhofskonzept. Peseckendorf begründet dies wie folgt: „Das Friedhofskonzept hat sehr gute Elemente, aber mit der Schließung des Friedhofes in Peseckendorf-Neubau hat der Ortschaftsrat ein Problem. Er kritisiert, dass vonseiten der Stadt diesbezüglich noch kein Gespräch mit dem Ortschaftsrat stattgefunden hat.“

Schermcke lehnt das Konzept ab, weil der Ortschaftsrat keine Kostenersparnis erkennen kann. Der Pflegeaufwand sei im Moment am geringsten, die Bäume stellen keine Gefahr dar. Weiterhin sei eine Anschlussnutzung der Fläche ausgeschlossen.

Für Beschlüsse des Stadtrates gilt, dass diese nicht über die Köpfe der Ortschaftsräte hinweg gefasst werden. Deshalb stand im Hauptausschuss die Frage im Raum, wie nun mit den Negativ-Entscheiden der Räte Schermcke und Peseckendorf umzugehen ist. „Was der Ortschaftsrat beschließt, hebeln wir nicht aus“, stellte SPD-Fraktionschef Olaf Pankow fest. „Die Ortschafträte haben sich eine Meinung gebildet, schlussendlich ist der Beschluss auch immer ein Kompromiss“, so Dr. Wolfgang Nehring (CDU).

Wie also ist mit den Entscheidungen der Ortschaftsräte Peseckendorf und Schermcke umgehen? Bis zum 20. November sollen die Ortsbürgermeister konkrete Vorschläge, wie das Friedhofskonzept im Sinne ihrer Dörfer umgesetzt werden könne, einbringen.

Zahlreiche Anrufe in der Redaktion von Schermcker Bürgern belegen, dass das Thema in diesem Dorf nach wie vor sehr emotional diskutiert wird und die Bürger mit den im Friedhofskonzept geplanten Veränderungen auf ihrem Friedhof und zu den anonymen Bestattungen auf keinen Fall einverstanden sind.

Die Mitglieder des Hauptausschusses hingegen drängen auf eine Beschlussfassung zur Stadtratssitzung. Zwei Jahre der Planung und Diskussion seien genug.