Altbrandsleben l Seit 2009 ist Altbrandsleben nun ein Ortsteil der Stadt Oschersleben. „Wir müssen froh sein, dass wir ein Ortsteil von Oschersleben geworden sind“, sagt Herbert Wilke. Denn finanziell sah es für den Ort am Hohen Holz nicht gut aus. Die Eingemeindung bewertet der Ortsbürgermeister teilweise als positiv.

Schaut Herbert Wilke auf das neu gebaute Gerätehaus, dann macht er das mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite habe er Bauchschmerzen, weil die Kosten im Laufe der Jahre in die Höhe geschossen seien. Die Bestrebungen, ein neues Gerätehaus zu bauen, gehen laut Wilke auf das Jahr 2007 zurück. Hier habe damals die Berufsgenossenschaft bei Kontrollen den Zustand der alten Räumlichkeiten bemängelt. „Wir waren ja auch hier in der Verwaltungsgemeinschaft die schlechtesten“, sagt Herbert Wilke.

Bau wurde vertagt

Immer wieder sei der Bau aus Mangel an finanziellen Mitteln und planungsrechtlichen Gründen vertagt worden, erklärt er. „Fakt ist, dass sich die Baupreisentwicklung so niedergeschlagen hat, dass wir heute bei einer Million sind, was wir vor zehn Jahren vielleicht für 350 000 Euro hätten realisieren können“, so Wilke. Dies sei ein Fakt, der ihm weh tue.

Er ziehe den Hut vor den Altbrandsleber Kameraden, dass sie Ruhe bewahrten und dennoch mit Nachdruck den Wunsch eines neues Gerätehauses bei der Stadt äußerten. „Ich bin froh, dass das Ding abgeschlossen und Gott sei Dank zum guten Ende gekommen ist“, sagt der Ortsbürgermeister. Denn Brandschutz sei auch in Altbrandsleben wichtig, um im Ernstfall größere Schäden abzuwenden. Man müsse in guten Zeiten vorbeugen.

Dorfgemeinschaftshaus als Mittelpunkt

Ein Thema, welches Herbert Wilke beschäftigt, sind die Kosten. Kosten für die Pflege des Außenbereichs am Gerätehaus und die Unterhaltskosten des Dorfgemeinschaftshauses. Hier ist im Laufe der Jahre viel geschehen. 2012 wurde die Außenfassade gemacht. 2014 bekam die Decke im großen Saal neue Holzbalken. Der Wunsch von Herbert Wilke ist es, dass das Objekt wieder zum Dorfmittelpunkt wird.

Denn früher lockten Feste wie Fasching, Pfingsten und Silvester viele Einwohner in die ehemalige Gastwirtschaft. Mittlerweile werde es immer weniger genutzt. Lediglich die Sitzungen des Ortschaftsrates werden dort abgehalten. „Die Einrichtung ist sehr spärlich“, sagt Wilke. Eine Grünkohlwanderung mit 80 Leuten dort durchzuführen, sei illusorisch. Die Unterhaltskosten stehen in keinem Verhältnis zur bisherigen Nutzung.

Im Jahr 2003 ging es mit der Dorferneuerung los. Die Straßen Eggenstedter Weg und Am Goldbach wurden saniert. Die Kosten dafür wurden zu 60 Prozent vom Amt für Landwirtschaft und Flurerneurung gefördert. Am Goldbach unterstützten die kommunale Sanierungsgesellschaft (KSG) und das Job-Center bei den Arbeiten. „Die Dorferneuerung gibt es so nicht mehr. Verschiedene Grundstücke sind auf der Strecke geblieben“, sagt Herbert Wilke.

Bei Sanierung auf der Strecke

Die Straßen „Zum Tannenberg“ „Zum Tempelsberg“ und „Auf dem Vorwerk“ seien noch in ihrem Urzustand. Hier haben die Anwohner laut dem Bürgermeister noch die DDR vor der Haustür. Mit der Sanierung dieser beiden Straßen wäre der grundhafte Ausbau vollendet, so Herbert Wilke. Auch die Grünflachen im Ort bereiten dem Ortsbürgermeister Sorge. Laut ihm kämen alle zwei Wochen die Gemeindearbeiter, um die Flächen zu pflegen. „Mit fünf, sechs Leuten und Technik werden größere Rasenflächen gemäht“, berichtet Herbert Wilke. Die Details ließen die Arbeiter liegen, da sie nicht die Zeit dafür hätten.

Mit Details meint Herbert Wilke die Reinigung der Regenwassereinläufe an den Straßen. Beim nächsten großen Regen fließe durch die verstopften Einläufe kein Wasser mehr ab. Dies würde zu überschwemmten Straßen im Ort führen.

Keine Lösung für Abwasserleitung

Ein weiterer Wunsch an die Stadt ist die zentrale Entwässerung. Diese sollte 2017 fertig sein. Die meisten Einwohner haben eine Ausnahmegenehmigung für teilbiologische Kleinkläranlagen. Es gäbe viele Ungereimtheiten und man wisse nicht, wann es mit dem Ausbau so weit sei. Die Genehmigung von 2017 wurde verlängert.

Es gab bereits einen Lösungsansatz, die bestehende Leitung durch das Hohe Holz bis nach Neubrandsleben weiterzuführen. Von dort aus sollte das Abwasser Richtung Emmeringen zur Kläranlage geleitet werden. „Da das hier aber Landschaftsschutzgebiet ist, kriegt garantiert niemand eine Genehmigung, parallel hier zum Bach nach Neubrandsleben runter einen Kanal zu bauen“, sagt Herbert Wilke.

Hier müsse Wald abgeholzt werden, was seiner Meinung nach mit enormen Kosten verbunden sei. Die Lösung des Ortsbürgermeisters wäre eine Kompaktanlage, die das Abwasser aufbereite.

Trotz all dieser Punkte habe sich Altbrandsleben nach der Wende positiv entwickelt. „Es ist einer der wenigen Orte, bei dem die Einwohnerzahl stetig mehr geworden ist“, sagt der Ortsbürgermeister. Dies sehe man an den Neubauten. Derzeit hat der Ort 324 Einwohner.