Oschersleben l Etliche Debatten wurden in jüngster Vergangenheit um die Ansiedlung neuer Einkaufsmärkte geführt. Während der Stadtrat den Bau eines neuen Netto-Marktes ablehnte, bekam Lidl ein Ja für einen neuen Markt vor den Toren des Stadtzentrums. Bis zum heutigen Tage hat sich Lidl nicht konkret zum Bauvorhaben an der Anderslebener Straße geäußert, dennoch wurde bekannt und bereits im Stadtrat noch vor der Sommerpause diskutiert, dass Lidl nicht allein kommt, sondern den Drogerie-Markt „dm“ mitbringt.

In diesem Zusammenhang lag den Stadträten, die sich mit der Beschlussvorlage „Einzelhandel Anderslebener Straße“ beschäftigten, eine Auswirkungsanalyse vor. Stadträtin Lilo Drohberg (Die Grünen) und auch Mitstreiter der Händlergilde fürchten um den seit Jahren in der Fußgängerzone angesiedelten Rossmann-Markt, der als Zugpferd für den Innenstadthandel gilt. „Die Auswirkungen der neu hinzukommenden Märkte auf die etablierten Wettbewerber wurden untersucht und sind in der Auswirkungsanalyse ausführlich dargestellt. Der Analyse zufolge wird infolge der Neuansiedlung keiner der bestehenden Märkte in seiner Existenz gefährdet. Die verbrauchernahe Versorgung bleibt damit sichergestellt. Dies wird unter anderem dadurch erreicht, dass Verkaufsfläche und Sortiment des neuen Drogeriemarktes beschränkt werden“, teilt dazu auf Volksstimme-Nachfrage Oscherslebens Wirtschaftsförderer und Büroleiter des Bürgermeisters, Mathias Steffen, mit.

Überortliche Versorgung

Dennoch stellt sich die Frage, ob sich mit dem Bau eines neuen Lidl samt eines neuen Drogerie-Marktes die ohnehin schon deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegende Verkaufsfläche pro Einwohner (1,45 Quadratmeter pro Einwohner) nicht noch weiter erhöht. In Oschersleben liegt die Verkaufsfläche pro Einwohner laut Integriertem Stadtentwicklungskonzept (Isek) bei 2,86 Quadratmeter pro Einwohner.

„Es wird infolge der Umsetzung des Vorhabens in der Summe einen Zuwachs an Einzelhandelsfläche in Oschersleben geben. Die Zahlen des 2017 beschlossenen Isek zugrunde gelegt, erhöht sich die Nettoverkaufsfläche in der Stadt insgesamt um gut vier Prozent. In diesem Zusammenhang ist es aber wichtig festzustellen, dass die neuen Märkte auch der überörtlichen Versorgung, also der Bevölkerung in den umliegenden Ortsteilen und Gemeinden, dienen. Die Gesamteinzelhandelsfläche lediglich auf die Stadt Oschersleben oder ihrer Einwohner zu beziehen, würde daher zu kurz greifen“, meint Mathias Steffen.

Die Stadtverwaltung Oschersleben wolle im Herbst mit der Erarbeitung eines Einzelhandelskonzeptes beginnen. Dieses solle es zukünftig ermöglichen, die langfristige Entwicklung des Einzelhandels gezielter zu steuern.