Oschersleben l „Sein Wirken in Oschersleben hat Spuren hinterlassen. Bei ehemaligen Schülerinnen ist er noch immer in guter Erinnerung“, sagte Oscherslebens Bürgermeister Benjamin Kanngießer (parteilos) anlässlich der Enthüllung einer Gedenktafel für Eduard Keck. Die Ehrung Kecks erfolgte auf Vorschlag des Vereins „Kirche und Kunst in Emmeringen“. Damit würdigt Oschersleben im Jahr des Stadtjubiläums das tiefe und humanistische Wirken Eduard Kecks. Die Gedenktafel, am Sonntagmorgen enthüllt, fand ihren Platz an der einstigen Wirkungsstätte Kecks. Die heutige Goethe-Grundschule war einst Oscherslebens Mädchen-Mittelschule und Eduard Keck der Rektor.

Keck wurde im Jahr 1929 Mitglied der NSDAP. Doch der zutiefst humanistische und nach christlichen Werten handelnde Mensch Eduard Keck konnte sich immer weniger mit dem Gedankengut der Nazis anfreunden. 1935 folgte ein Parteiausschlussverfahren, 1942 die Zwangspensionierung mit einer kleinen Rente. Eduard Keck unterstützte dennoch jüdische Familien und bekam selbst große Hilfe aus der Bevölkerung.

Familie freut sich über die Ehrung

Zahlreiche Familienmitglieder, einige leben noch in Oschersleben wie Familie Kirbs, andere reisten aus Großbritannien, Göttingen oder dem Landkreis Osnabrück an, wo Eduard Keck nach dem Zweiten Weltkrieg lebte und am 5. März, 1966 verstarb, sind an diesem Sonntagmorgen auf den Schulhof der Goethe-Grundschule gekommen. Für alle Frauen und Männer war die Ehrung des Vaters und Großvaters eine zutiefst emotionale Angelegenheit und zugleich eine große Freude, dass Eduard Keck eine so große Ehre zuteil wird. „Die Einladung war für uns eine große Freude. Erst recht, da wir diese Ehrung für unseren Vater nicht mehr erwartet haben“, sagte Tochter Rotraud Bäumer. Die 84-Jährige berichtet von einem liebevollen, mutigen und verantwortungsvollen Vater. „Aus seiner christlichen Überzeugung heraus hat er den Juden geholfen und sie beschützt.“

Jörg Kirbs, Eduard Kecks Enkel und heutiger Rektor der Fachhochschule Merseburg, hat seinen Großvater noch kennengelernt. Er dankte auch Oscherslebens Stadtchronisten Günther Blume, „der vieles über das Wirken meines Opas ans Tageslicht befördert hat. Heute scheinen viele vergessen zu haben, was vor 70 Jahren war. Wir sind stolz auf unseren Großvater“, so Jörg Kirbs.

Unterstützung für weitere Stolpersteine

Die von Künstler Christoph Marchewicz angefertigte Gedenktafel hat einen historischen Hintergrund. „Die Buchstaben in Bronze sind Handarbeit. Das Metall der Platte stammt aus der Meika Hadmersleben, die es zu Zeiten des Eduard Kecks noch gab. Die Verwerfungen auf der Grundplatte stehen für die Verwerfungen unserer zeit“, sagte Lutz Bittner zur Gedenktafel. Diese war mit einem Tuch verhüllt, das zu Kriegszeiten als Verdunklungsrollo diente.

Der Verein „Kirche und Kunst“ Emmeringen“ hat bereits vor Jahren angeregt, auch in Oschersleben Stolpersteine im Gedenken an Menschen, die Opfer von Repressalien und Gewalt während der Nazi-Zeit wurden, zu legen. Die Ehrung von Eduard Keck ist im Jahr der 1025-Jahr-Feier von Oschersleben der Anfang, in den nächsten Jahren werden weitere Stolpersteine folgen. Die Links-Jugend Börde wird das Projekt unterstützten und die Stolpersteine pflegen. Kürzlich initiierte die Links-Jugend ein Fußball-Turnier, das 1. Stolperstein-Turnier. Die Benefiz-Veranstaltung brachte 500 Euro ein. Diese Summe übergaben Sebastian Hase und Tim Radosta am Sonntagmorgen an Lutz Bittner.