Oschersleben l Wie notwendig die Erweiterung der Kita „Wawuschel“ ist, hat Leiterin Susanne Specht nach dem Blick in ein Bad und in einen Gruppenraum, in dem schwerstbehinderte Kinder mit mehrfachen Behinderungen betreut werden, schnell erklärt. „Das Bad ist viel zu klein. Schauen Sie selbst, die Türen sind für die Roll- und Therapiestühle zu schmal. Nur schwer ist es möglich, direkt in das Bad hinein zu fahren. Erst recht, wenn es die Kinder allein versuchen, was ja eigentlich das Ziel unserer Förderung ist. Die Waschbecken sind zu niedrig, mit den Roll- und Therapiestühlen können die Mädchen und Jungen nicht darunter fahren. Die Wickelunterlagen sind zu schmal für bis zu Sechsjährige.

Das Bad ist insgesamt zu klein, um dort auch Therapien durchführen zu können“, erklärt die Kita-Leiterin. Der Gruppenraum bietet zu wenig Platz zum Wenden der Sitzschalen, ein Rollstuhlkind kann sich nicht selbständig bewegen, es gibt nicht genug Förderplätze für Einzelfördersituationen  – die Liste ließe sich an dieser Stelle fortsetzen. Mehrfach haben Eltern der betreuten behinderten Kinder gerade die Raumsituation kritisiert und Abhilfe gefordert. Im März 2017 besuchte eine Mitarbeiterin des Örtlichen Teilhabemanagements des Landkreises Börde die Kita. Ihr wurde die schwierige Situation in der Kita geschildert und die Planungen zur Verbesserung der Betreuung schwerstmehrfachbehinderter Kinder vorgestellt.

74 betreute Kinder

Aktuell gibt es in der Kita „Wawuschel“, in der 74 Kinder mit und ohne Behinderungen betreut werden, zwei heilpädagische Kleinstgruppen mit insgesamt sechs Kindern, davon sind drei Kinder schwerstmehrfachbehindert. „Der Bedarf ist deutlich höher, denn wir sind im Südkreis des Landkreises Börde die einzige Einrichtung. Wir müssen Eltern nach Halberstadt, Haldensleben oder Magdeburg verweisen. Damit nehmen Eltern und Kinder weite Wege in Kauf, was bei der Schwere der Behinderungen doch auch problematisch ist“, weiß Susanne Specht aus Erfahrung.

Der Oschersleber Stadtrat hat noch im alten Jahr grünes Licht für eine Änderung des Bebauungsplanes im Friedenspark (Knochenpark) an der Triftstraße gegeben. Damit liegt Baurecht für das Areal vor. Der AWO-Kreisvorstand hatte bereits im Vorfeld das entsprechende Grundstück für den Erweiterungsbau erworben.

Bilder

Beantragung schon im Februar 2018

Bereits im Februar des vergangenen Jahres hat der Kreisverband der AWO Oschersleben beim Landkreis Börde eine Kapazitätserweiterung für die Kita „Wawuschel“ beantragt. „Wir beobachten aktuell, dass vor allem Kita-Plätze für Kinder unter drei Jahren, sprich Krippenplätze, fehlen. Dem wollen wir mit einer Kapazitätserweiterung um 15 Betreuungsplätze Rechnung tragen“, erklärt AWO-Vorstand Andreas Schmidtgen. Die Kapazitätserweiterung wird mit einem Anbau sowie dringend notwendigen Umbaumaßnahmen realisiert. „Nur so kann nachhaltig die integrative Förderung und Betreuung insbesondere für schwerstbehinderte Kinder umgesetzt werden“, so Schmidtgen.

Der AWO-Chef spricht von einer Investitionssumme von rund 800.000 Euro, für die Fördermittel beantragt worden sind. Aktuell müssten bis zum 31. Januar letzte Informationen für die Antragsunterlagen nachgereicht werden. Der Landkreis werde alle beantragten Projekte bewerten. Andererseits weiß Andreas Schmidtgen heute schon, dass das Projekt bis zum 30. Juni 2022 erledigt sein muss.