Oschersleben l Schon im November hatte das Thema für eine Diskussion gesorgt. Anlass war der Haushalt für das Jahr 2020. In dem Zahlenwerk taucht eine Erweiterung des Sozialbaus im Jahnstadion auf. Die Stadt will sich daran aktuellen Unterlagen zufolge mit 100.000 Euro beteiligen. Hinzu kommen 146.000 Euro an Zuwendungen des Landes Sachsen-Anhalt und rund 53.000 Euro von der Lotto-Toto GmbH. In diesem Zusammenhang hatten die beiden Ratsmitglieder Jörg Gildemeister (FUWG) und Uwe Krause (AfD) darauf hingewiesen, dass man neben dem Oschersleber SC, der für das Jahnstadion zuständig ist, auch andere Vereine und ihre Wünsche im Blick behalten müsse.

Wenige Wochen später stand das Jahnstadion nun erneut auf der Tagesordnung. Dieses Mal ging es um eine überplanmäßige Auszahlung in Höhe von 803.000 Euro. Sie habe sich aus einer „planerischen Optimierung und Konkretisierung“ im Bezug auf das Jahnstadion ergeben. So steht es in der dazugehörigen Beschlussvorlage.

Schwieriger Baugrund

Mathias Schulte als städtischer Pressesprecher führt das näher aus: Ein wesentlicher Grund für die Teuerung bestehe darin, dass sich der Baugrund als schwieriger als gedacht erwiesen habe. Es sei ein umfangreicher Bodenaushub notwendig. Rechtlichen Vorgaben zufolge müsse das Erdreich auf einer Deponie entsorgt werden, auch wenn es nicht belastet sei. Das Beleuchtungskonzept habe noch einmal angepasst werden müssen. Hinzu komme die starke Verteuerung im Baugewerbe, die sich derzeit überall bemerkbar mache.

Abgestimmt wurde über die 803.000 allerdings nicht. Zu Beginn der Stadtratssitzung erklärte Bürgermeister Benjamin Kanngießer (parteilos): „Entgegen unserer Vorstellung konnte noch nicht alles mit dem Landesverwaltungsamt abgestimmt werden.“ Daraufhin stellte er den Antrag, das Thema von der Tagesordnung zu setzen. Die Mehrheit der Stadträte stimmte dafür.

Bei den geplanten Arbeiten geht es zunächst einmal um die „Errichtung des Großspielfeldes mittels Kunstrasenplatz und Fluchtlichtanlage“, so die Beschlussvorlage aus der Dezember-Sitzung des Rates. Bereits 2008 hat der Stadtrat beschlossen, einen Kunstrasenplatz anzulegen. Anlass war ein gemeinsames Schreiben von OSC, VfB und dem TSV Hornhausen. So erklärt es Joachim Kunkel als erster Vorsitzender des OSC.

Pläne für Kunstrasenplatz

Damals sei es allerdings noch nicht explizit um das Jahnstadion gegangen. Es waren zunächst andere Standorte im Gespräch. Aufgrund verschiedener Rahmenumstände erschien das Jahnstadion am Ende als am besten geeignet.

Die Kosten wurden zunächst mit rund 533.000 Euro beziffert. Seither kamen allerdings zwei zusätzliche Maßnahmen dazu. Im Februar 2019 ging es zunächst um 385.000 Euro für die Sanierung der Laufbahn und der Leichtathletikanlage. Die befinden sich derzeit in keinem guten Zustand. Im Juni 2019 stellte der Rat 37.000 Euro für eine nicht mehr standfeste Mauer entlang des Peseckendorfer Weges zur Verfügung. Sie wurde zwischenzeitlich bereits abgerissen und durch einen Zaun ersetzt.

Kommen jetzt noch einmal die 803.000 Euro hinzu, geht es um eine Komplettsumme von rund 2,1 Millionen Euro. Davon würde die Stadt einen Anteil von etwa 1,6 Millionen Euro übernehmen.

Vorwurf an die Stadt

Jörg Gildemeister betonte, dass er das Projekt an sich nicht kritisieren wolle. Allerdings erklärte er mit Blick auf die wiederholten Kostensteigerungen, dass die Verwaltung eine „Salami-Taktik“ verfolge. „So kann man mit den Stadträten nicht umgehen“, erklärte Gildemeister. „Man hätte von Anfang an mit offenen Karten spielen sollen, statt immer stückchenweise nachzuladen.“

Bei der Dezember-Sitzung des Rates waren auch zahlreiche Gäste vertreten. Zu ihnen gehörte unter anderem Klaus Renner in seiner Eigenschaft als Präsident des Kreissportbundes Börde. Er erklärte, dass es eine „weise Entscheidung“ sei, das Thema zurückzustellen, solange es noch offene Fragen zu klären gäbe. Gleichzeitig betonte er: „Der Kreissportbund befürwortet zu 100 Prozent die Sanierung und den Umbau des Jahnstadions.“ Darüber hinaus erklärte Klaus Renner: „So ein Stadion steht einer Stadt wie Oschersleben gut zu Gesicht. Eine solche Anlage strahlt auf die Vereine aus und zwar weit über die Stadtgrenzen hinweg.“

Ähnlich äußerte sich Gerd Grumann als Präsident des VfB Oschersleben. „Wanzleben und Haldensleben haben ein schönes Stadion. Warum sollte Oschersleben das nicht auch schaffen? Der VfB bekennt sich zu diesem Vorhaben“, erklärte Grumann. In den 80er und 90er Jahren sei die Stadt in Sachen Leichtathletik gut aufgestellt gewesen. Doch was nicht gefördert werde, breche weg.

Kreissportbund für das Projekt

Joachim Kunkel betonte, dass der OSC natürlich von den geplanten Erneuerungen im Jahnstadion profitieren werde. In erster Linie gehe es aber nicht um eine Investition in den Verein, sondern um eine Investition in eine zentrale Sportstätte Oscherslebens. Sie käme auch anderen Sportlern und nicht zuletzt den Schulen zugute. Denn bereits jetzt werde das Jahnstadion auch von anderen Vereinen genutzt. Die Trainingszeiten vergebe die Stadt, so wie bei anderen Sportstätten auch.

Wie Mathias Schulte erklärt, wird das Thema voraussichtlich auf einer der nächsten Ratssitzungen weiter behandelt werden.