Oschersleben l Alle Beteiligten haben sich gestern zu einem ersten Informationstreffen in der Kreisverwaltung in Haldensleben getroffen. Anwesend waren Vertreter des Malteser-Werks als Betreiber der Unterkunft, der kommunalen Wohnungsgesellschaft Bewos in Oschersleben als Vermieter, der zuständigen Fachdienste des Landkreises, der Oschersleber Stadtverwaltung sowie der Polizei.

„In erster Linie ging es um die Klärung von inhaltlichen Dingen“, erklärte die zuständige Fachbereichskoordinatorin des Landkreises Börde, Iris Herzig. So sei beispielsweise ein Termin für die Vertragsunterzeichung mit den Maltesern für den 10. Juli festgelegt worden.

Im Frühjahr hatte der Landkreis per öffentlicher Ausschreibung nach einer Asyl-Unterkunft gesucht (Volksstimme berichtete). Demnach soll die Bleibe ab Januar 2016 Platz für 150 bis 200 Menschen bieten. Angedacht ist eine Laufzeit von zunächst sechs Jahren.

Dass auch die Bewos in Oschersleben ein entsprechendes Angebot beim Landkreis einreichen wird, hatte deren Geschäftsführer Thomas Harborth bereits öffentlich kommuniziert. „Ich denke, ein passendes Objekt haben wir bereits gefunden. Nun prüfen wir die Umsetzung der erforderlichen Ausschreibungskriterien“, hatte der Bewos-Chef Ende April in einem Volksstimme-Gespräch erklärt. Mehr wollte er damals allerdings nicht preisgeben.

Nun ist es raus: Die Bewos wird mit den Maltesern das Projekt gemeinsam umsetzen. Einer entsprechenden Bewerbung der beiden Partner hatte der Kreisausschuss im nichtöffentlichen Teil bereits in der Vorwoche zugestimmt. Demnach wird die kommunale Wohnungsgesellschaft das Objekt in der Magdeburger Straße fit machen und dieses den Maltesern für den Betrieb der Asyl-Unterkunft vermieten. Sozialbetreuer des Malteser-Werks werden die Bewohner dieser Unterkunft betreuen. „Unsere Organisation ist bundesweit in verschiedensten Einrichtungen bereits aktiv auf diesem Gebiet“, erklärte der bei den Maltesern zuständige Martin Wessels.

Laut Thomas Harborth gibt es in der Magdeburger Straße bis zum Vertragsbeginn am 1. Januar 2016 noch allerhand zu tun. „In dem Gebäude ist in der jüngsten Vergangenheit zwar schon viel passiert. Die Arbeiten müssen aber weitergehen“, sagte er im Gespräch mit der Volksstimme. Zunächst müsse das Objekt leergezogen werden, derzeitige Mieter seien im Vorfeld informiert und zusammen mit ihnen bereits Lösungen gefunden worden.

Doch das zweistöckige Gebäude werde für die bis zu 200 Menschen nicht ausreichen. „Deswegen haben wir uns für eine zusätzliche Container-Lösung entschieden. Diese entsprechen modernen Wohnanforderungen“, versprach der Bewos-Chef. Die Vorteile einer Beteiligung der Bewos an diesem Projekt liegen für deren Geschäftsführer klar auf der Hand: „Wir als kommunales Unternehmen können die Ansiedlung mitsteuern und dadurch die Stadt mitgestalten“, sagte Harborth. Auch die Lage der künftigen Unterkunft in der Magdeburger Straße/Ecke Anderslebener Straße bringe nur Vorteile mit sich. So gebe es im Umland nur wenig Wohnbebebauung und trotzdem sei das Areal zentral gelegen. „An diesem Standort kann Integration gelebt werden“, versicherte er.

So sehen es wohl auch die Beteiligten des gestrigen Informationstreffens. Laut Iris Herzig sei ferner das Risikopotenzial, welches mit der Eröffnung der Asyl-Unterkunft in Oschersleben einhergehen könnte, erörtert worden. „Es wurde mit allen Anwesenden, so auch mit der Polizei, diskutiert und abgewogen mit dem Ergebnis, dass hier kein erhöhtes Risiko vorliegt“, erklärte Herzig. Außerdem sei sich auf eine Einladung zu einer Bürgerversammlung im Rathaus der Bodestadt verständigt worden. Den Termin werde Bürgermeister Benjamin Kanngießer (parteilos) in der kommenden Woche bekanntgeben.

Laut Zahlen vom April wohnen aktuell rund 120 Flüchtlinge und Asylbewerber in Oschersleben. Mit Eröffnung der neuen Unterkunft kann sich die Zahl auf insgesamt rund 320 erhöhen.