Hamersleben l Wer den Hamersleber Friedhof von der Holperstraße aus betritt, die nach Hornhausen führt, kommt direkt auf die Trauerhalle zu. Die Zuwege sind derzeit gepflegt, sodass ein Passieren gut möglich ist. Allerdings muss der Besucher sich bei Regenwetter etwas vorsehen, Linkerhand könnte es matschig werden.

„Im Augenblick geht das noch“, sagt eine Hamersleberin (Name ist der Redaktion bekannt), die hier regelmäßig ein Grab pflegt. „Im Frühjahr sah es hier ganz wüst aus. Da rankten Efeupflanzen über den Weg und das Gras überwucherte fast alles.“ Mittlerweile sei eine Frau hier tätig und habe auch schon einiges bewegt. „Die Urnenanlage ist jetzt wieder von Unkraut befreit und die Randbereiche der Wege werden gemacht“, erzählt die Hamersleberin weiter. „Eine Firma hat Bäume beschnitten, das war eine gute Sache. Bislang ist die Pflege doch nur sporadisch erfolgt.“

Ein Dorn im Auge sind ihr die vielen verwahrlosten Gräber, die von den Angehörigen nicht mehr gepflegt werden oder gar aufgegeben worden sind. Efeu bedeckt Grabsteine, einige von ihnen sind schon umgekippt, Einfassungen sind weggesackt. In manche Bereiche ist kein Zutritt möglich, da hier alles überwuchert ist. „An die Gräber, die regelmäßig besucht werden, kommt man jetzt auch ganz gut heran“, schätzt die Frau ein. „Viele Bürger machen auch schnell noch einmal einen Randstreifen mit und hin und wieder mähen andere einige Stücken.“

Bilder

Der Friedhof besteht aus einem evangelischen und einem katholischen Teil. Letzterer macht einen recht aufgeräumten Eindruck, ist aber auch sehr viel kleiner als das evangelische Areal. „Eine Person hat, bei allem Enthusiasmus, hier einfach zu viel zu tun“, sagt die Hamersleberin. „Für den verwahrlosten Teil schäme ich mich schon ein wenig mit. Angesichts des großen zu bearbeitenden Geländes ist der Wildwuchs aber kaum verwunderlich.“

Stets um Besserung gebeten

Axel Küstermann, der hier eine Familiengrabstätte pflegt, beschäftigt sich mit dem Thema schon lange Monate. Immer wieder hat er sich beim Kreiskirchenamt Harz-Börde und dem Gemeindekirchenrat um eine Besserung der Zustände bemüht (Schreiben liegen der Redaktion vor). Auch Bilder, so aus dem Frühjahr 2017 künden von den Problemen. Susanne Trittel, die stellvertretende Amtsleiterin, hat ihn schon im letzten Jahr darüber informiert, dass die Gemeinde eine Verbesserung der Verhältnisse anstrebe. Das ist auch erfolgt. Pfarrer Theo Spielmann vom evangelischen Kirchenkreis Egeln hat inzwischen zusätzlich die Kirchengemeinde Hamersleben übernommen und es mussten noch nicht erledigte Aufgaben in Angriff genommen werden. „Die Kirchengemeinde ist auch verpflichtet, immer drei Angebote einzuholen, wenn sie Firmen mit Aufträgen betrauen will. Dies dauert oft einige Zeit“, heißt es weiter in dem Schreiben. Eine Erledigung innerhalb einer Woche sei nicht möglich. Der Gemeindekirchenrat nehme die Aufgabe aber ernst.

Die Worte der stellvertretenden Amtsleiterin sind inzwischen in die Tat umgesetzt worden. Am Grundproblem, den gesamten Friedhof in eine ansehnliche Stätte zu versetzen, dürfte aber noch eine ganze Weile zu arbeiten sein. Angesichts der geringen Gebühren, die die Bürger zu entrichten haben, scheint die Finanzierung eher illusorisch.

Eva Stroka, Bürgermeisterin der Gemeinde Am Großen Bruch, ist das Thema bestens bekannt. „Es gab schon Gespräche, bei denen die Übernahme des Geländes durch die Gemeinde erörtert wurde“, sagt sie. „Angesichts der Größe der Aufgabe wäre eine Gebührenerhöhung kaum zu vermeiden.“ Den Bürgern, die beim gestrigen Vor-Ort-Termin der Volksstimme in Hamersleben befragt wurden, ist das auch klar.

Die eingangs erwähnte Hamersleberin würde einen solchen Schritt begrüßen. „Es müsste einen festen Mitarbeiter geben, der sich den ganzen Tag um den Friedhof kümmert“, sagt sie. „Solch einen Posten gibt es nicht zum Nulltarif.“ Außerdem würde sie die Errichtung einer sogenannten „grünen Wiese“ für Bestattungen begrüßen. Eine Befestigung der Wege wäre ebenfalls nicht schlecht. „Wir freuen uns aber darüber, dass hier etwas passiert ist“, fügt sie hinzu. Eine Sache ärgert sie noch. „Immer wieder kommt es vor, dass Leute Plastikmüll in den Kompost entsorgen“, verrät sie. „Damit bekommt die Kirchengemeinde eine unnötige Aufgabe. Diese sorgt für Mehrarbeit bei der Sortierung.“

Die Amtsleiterin des Kreiskirchenamtes Harz-Börde, Alexandra Hosenfeld, war für die Volksstimme am gestrigen Donnerstag telefonisch nicht zu erreichen.