Wefensleben l Die vom TSV verstoßenen Fußballer gehen nun einen eigenen Weg und haben wie angekündigt einen zweiten Sportverein in Wefensleben aus der Taufe gehoben.

„Die Gründungsversammlung fand bereits am 31. Oktober statt“, legt Initiator Marko Bader die Entwicklungen nach der vom Vereinsvorstand erzwungenen Auflösung der Fußballabteilung im TSV Wefensleben vor fünf Monaten (Volksstimme berichtete) dar. „Ende des Jahres, am 29. Dezember, erfolgte dann auch die Eintragung ins Vereinsregister, so dass wir seitdem offiziell der Wefensleber SC e.V. sind. Gern hätten wir dazu eine für alle Einwohner offene Informationsversammlung abgehalten, um uns vorzustellen, aber das ging wegen der Corona-Situation natürlich nicht, weshalb wir nun vorrangig über die Medien das neue Vereinsangebot in Wefensleben bekannt machen möchten.“

WSC steht für Wefensleber Sportclub. Als solcher führt er für den Anfang lediglich Fußball im Portfolio. „Aber wir haben den Vereinsnamen bewusst nicht auf Fußball bezogen, weil wir auch für andere Sportarten offen sind und zum Beispiel Gymnastik oder Radsport auf reiner Breitensport­ebene in den Verein integrieren würden“, sagt Bader.

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Zuwachs direkt nach der Gründung

Er ist von den acht Gründungsmitgliedern zum ersten Vorsitzenden des WSC gewählt worden – und die Truppe ist rasch gewachsen, wie Bader erfreut feststellt: „Aus dem Stand heraus zählen wir jetzt 51 Mitglieder.“ Der Großteil sei im Zuge der Abteilungsauflösung vom TSV zum WSC gewechselt.

Dabei waren einige Klippen zu umschiffen, insbesondere in Bezug auf die im Ligabetrieb aktiven Fußballer. Marko Bader erklärt: „Wir befinden uns im Herrenbereich ja in einer Spielgemeinschaft mit dem Harbker Sportverein, und es war ungewiss, ob ein Wechsel der Zugehörigkeit beziehungsweise eine Vereinsneugründung – und das auch noch mitten in der laufenden Saison – mit den Statuten des Kreisfußballverbands vereinbar ist. Wir hatten dabei aber hervorragende externe Unterstützung. Unser Dank geht vor allem an Eckhard Jockisch für die Vermittlung mit dem Verband und an die Harbker, die uns angeboten hatten, die Spieler übergangsweise beitragsfrei sozusagen bei sich zu parken. Und auch die Gemeinde Wefensleben war uns eine große Hilfe bei der Gründung. Dadurch ging alles ganz schnell.“

Nun sei es „eine komplett neue Situation in Wefensleben“, stellt Marko Bader fest. Ob eine vorteilhafte oder doch eher problembehaftete, das lasse sich so einfach nicht beantworten und werde die Zeit zeigen. „Klar, es buhlen jetzt zwei Sportvereine um Mitglieder und man wird sich irgendwie arrangieren müssen, aber Konkurrenz belebt ja auch das Geschäft. Und wir stehen nun für ein zusätzliches Angebot.“

TSV hat die Halle, WSC den Sportplatz

Aktuell könnte man es auch so formulieren: Der WSC hat den Sportplatz, der TSV die Halle. Marko Bader dazu: „Das war uns ein wichtiges Anliegen, dass hier am Sportplatz nicht die Lichter ausgehen und wir das Sportlerheim nicht verlieren.“ Der TSV hatte den mit der Gemeinde geschlossenen Mietvertrag fürs Sportlerheim gekündigt, als die Trennung von den Fußballern beschlossen war. „Der WSC hat den Vertrag jetzt übernommen“, so Bader.

Wie es künftig mit der Sporthalle in der Bahnhofstraße läuft, müsse dagegen erst noch mit der Gemeinde und dem TSV geregelt werden. Das sei jedoch auch davon abhängig, inwiefern der WSC überhaupt Bedarf an Hallenzeiten habe respektive sein breitensportliches Angebot ausbaue.

Der Fokus, betont Bader, liege zunächst auf Fußball, nach Möglichkeit bald auch im Nachwuchsbereich. Die Männerspielgemeinschaft mit Harbke bleibe bestehen. Wenn der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird, werde der Ball somit auch im Wefensleber „Wäldchen“ wieder rollen, da die Heimspiele der SG dann weiterhin im Halbjahreswechsel in Wefensleben und Harbke stattfinden.

Baders Fazit der ersten Wochen somit: „Der Start des WSC kann sich trotz der widrigen Umstände sehen lassen, denke ich. Wir konnten nicht nur zahlreiche Mitglieder, sondern direkt auch zwei Sponsoren aus dem Ort für unsere Sache gewinnen. Der Papierkram ist weitgehend erledigt. Und wie sich das gehört, haben wir auch ein Vereinslogo, das uns mit Unterstützung aus dem Freundeskreis gestaltet wurde. Wir legen Wert und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit den anderen Vereinen im Ort und wollen uns gern auch ins kulturelle Leben einbringen.“