Harbke l Nur der Fachwerkgiebel im Hintergrund verrät, dass Hubert Koster sich offenbar mitten in Deutschland befindet. Allein anhand der Vegetation hätte man ansonsten auch auf den Mittelmeerraum, Florida oder die Südsee tippen können. Zwei üppig gewachsene Palmen, fast haushoch, dominieren das Bild, bei dem es sich mitnichten um einen Urlaubsschnappschuss handelt. Nein, Hubert Koster steht mitten in seinem Garten in Harbke. Der bildet ohnehin ein funktionelles Vorzeigebiotop mit allerlei Hinguckern und ausgeklügelter Konzeption. Doch die Palmen, insgesamt fünf an der Zahl, sind das i-Tüpfelchen in Kosters Gartenkosmos.

Die Bäume sind halbwegs mediterranen Ursprungs, Koster hatte sie als Jungpflanzen vor 22 Jahren aus Italien mit nach Hause gebracht. Die exotische Art an sich hat fernöstliche Wurzeln, es handelt sich um Chinesische Hanfpalmen (botanisch: Trachycarpus fortunei). An die erste Begegnung mit seinen dendrologischen Findelkindern erinnert sich der 70-Jährige noch genau: „Das war 1997 in Südtirol. Bei einer Wanderung habe ich eine Handvoll Sämlinge im Straßengraben entdeckt, die auch schon Keimblätter trugen.“ Koster musste nicht lange überlegen, grub zwei der nur wenige Zentimeter messenden Palmenbabys aus und packte sie zwecks Mitnahme in die Harbker Heimat in feuchtes Papier ein. Geduldig und versiert widmete er sich dann der Aufzucht.

Passionierter Hobbygärtner

Die bedeutete für Koster sozusagen ein Heimspiel, denn über den grünen Daumen verfügt er nicht bloß als passionierter Hobbygärtner, sondern als Diplom-Gartenbauingenieur auch von Berufs wegen. Mit anderen Worten: Koster wusste genau, worauf es ankommt. Das war zunächst, über mehrere Jahre hinweg, das behütete Umsorgen der noch zarten Pflanzen unterm Folienzelt. Der Umzug ins Freie erfolgte dann erst, als sich daraus robuste Bäumchen entwickelt hatten. „Das war irgendwann zwischen 2005 und 2007, ich weiß es nicht mehr ganz genau“, so Koster.

Er konnte sich zu diesem Zeitpunkt jedoch ziemlich sicher sein, dass seine nun ausgepflanzten Palmen auch das etwas kühlere Klima in unseren Breitengraden vertragen würden: „Die Chinesische Hanfpalme zählt zu den kälteresistenten Arten, das heißt, sie ist recht winterhart und übersteht Temperaturen von bis zu minus 15 Grad Celsius.“ Für das Wurzelwerk gelte das nur bedingt: „Da können Schäden schon ab minus sechs Grad auftreten, weshalb es sich empfiehlt, die Wurzel über die kalte Jahreszeit besonders zu schützen.“ Hubert Koster benutze dafür „zum Beispiel Styroporplatten und Streu“ als Dämmung. Im Kübelpflanzenalter sei die Winterpflege per Einwickeln noch einfacher.

Bienen fliegen voll auf Hanfpalme

Die Hege der beiden hochgeschossenen Artenvertreter, deren Leben in einem Südtiroler Straßengraben begann, ist Hubert Koster jedenfalls geglückt, sind sie doch zu zwei stattlichen Burschen gewachsen. „Burschen stimmt“, so ihr Ziehvater, „denn es handelt sich um männliche Palmengewächse.“ Sie bringen es mittlerweile auf knapp fünfeinhalb Meter. Den Geschlechtsunterschied könne man „gut während der Blütezeit feststellen, weil sich die männlichen und weiblichen Blütenstände in Farbe und Form voneinander unterscheiden.“ Auch verhalte es sich bei Kosters Hanfpalmenquintett so, dass die Damen „immer etwas länger brauchen, bis sie blühen.“

Für Kosters Bienen – er ist auch Hobbyimker – stellen die Palmenblüten ein gefundenes Fressen dar: „Die Bienen nehmen die Palmenblüten, insbesondere die männlichen, unheimlich gut an. Das war auch für mich eine Überraschung.“