Neindorf l Das Tückische beim plötzlichen Herztod ist, dass er auch bei scheinbar gesunden Menschen ohne Vorwarnung auftreten kann. Nur etwa zehn Prozent der Betroffenen überleben. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, sich zu schützen. Darüber hat das Helios Bördeklinikum in Neindorf bei einem Aktionstag informiert. Anlass waren die deutschlandweiten Herzwochen der Deutschen Herzstiftung.

Die Veranstaltung im Eingangsbereich des Krankenhauses war sehr gut besucht. Zunächst begrüßte Dr. Bert Hanke als Direktor des Zentrums für Innere Medizin die Besucher. Anschließend hielt die leitende Oberärztin der Kardiologie Dr. Sabine Reinhold einen Vortrag. Sie erklärte: „Jeder hat schon einmal von einer solchen Geschichte gehört: Der Partner fällt plötzlich um und lebt nicht mehr.“

Mit der Bezeichnung „plötzlicher Herztod“ ist ein Herz-Kreislauf-Stillstand gemeint. Er führt fast doppelt so oft zum Tod wie ein Schlaganfall. Auslöser sind in der Regel Herzrhythmusstörungen, das sogenannte Kammerflimmern. Der Puls steigt plötzlich bis auf zirka 300 Schläge pro Minute. Das Herz zieht sich ungeordnet zusammen und kann kein Blut mehr durch den Körper pumpen. Binnen Sekunden bricht der Kreislauf zusammen. Selbst Sportlern kann das passieren. Wobei 80 Prozent der Fälle im eigenen Zuhause auftreten.

Die Ursachen der Herzrhythmusstörungen können vielfältig sein. „Bei jüngeren Sportlern sind meist akute und chronische entzündliche Herzerkrankungen sowie angeborene Gefäßanomalien des Herzens für den plötzlichen Herztod verantwortlich“, so Sabine Reinhold. Angeborene Probleme ließen sich häufig bei Vorsorgeuntersuchungen erkennen.

Kreislauf bricht in Sekunden zusammen

Bei Menschen über 40 treten andere Faktoren in den Vordergrund. Es kann sein, dass sich die Struktur des Herzens verändert. Risikofaktoren sind laut Sabine Reinhold zum Beispiel Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, Rauchen und Stress. Das kann zu einer Schädigung der Herzkranzgefäße führen. Die wiederum begünstigen Durchblutungsstörungen. Mögliche Folgen: Herzschwäche, Herzinfarkt, Herzrythmusstörungen. Die letzte Konsequenz: Herzstillstand.

Doch das ist nicht unausweichlich. Laut Sabine Reinhold gibt es mittlerweile viele Behandlungsmöglichkeiten. Verengte Blutgefäße können mit einem Ballonkatheter geweitet und mit einem Stent offengehalten werden. Ein sogenannter Ereignisrekorder kann auf die Haut geklebt oder implantiert werden. Dieses Gerät erfasst auftretende Herzrhythmusstörungen und macht entsprechende Aufzeichnungen.

Ein eingesetzter Defibrillator kann durch elektrische Impulse und insbesondere durch einen elektrischen Schock ein sogenanntes Kammerflimmern beenden und dem Herzen helfen, wieder normal zu schlagen. Für die Akuthilfe gibt es sogenannte automatische Defibrillatoren, die mittels Sprachhinweisen auch durch Laien bedient werden können.

Generell kommt der Ersten Hilfe laut Sabine Reinhold eine zentrale Rolle zu. Denn Zeit ist beim plötzlichen Herztod entscheidend. Bereits nach drei Minuten setzen irreparable Hirnschäden ein. Selbst falls dann noch eine Wiederbelebung gelingt, kann der Betroffene sein Leben lang mit schweren Folgen zu kämpfen haben.

Nach drei Minuten setzen Hirnschäden ein

Deshalb widmete sich Sabine Reinhold insbesondere der Herzdruckmassage. Mit ihr können auch Laien den Kreislauf eines Betroffenen in Gang halten.

Allerdings kommt es Statistiken zufolge nur in 22 Prozent der Fälle von plötzlichem Herztod zu einer Reanimation durch Laien. Viele Menschen würden laut Sabine Reinhold zögern - aus Sorge, etwas falsch zumachen. Deshalb sprach die Ärztin den Anwesenden Mut zu: „Das Einzige, was Sie falsch machen können, ist keine Hilfe zu leisten!“

Zwei weitere Hinweise der Ärztin: Wer nach Jahren der relativen Ruhe wieder mit Sport anfangen will, sollte sich vorher durchchecken lassen. Darüber hinaus sei es wichtig, die Leistung nur langsam zu steigern. Übertriebener Ehrgeiz sei schädlich. Außerdem sollten Infekte unbedingt auskuriert werden, bevor man mit dem Sport weitermacht.

Nach dem Vortrag konnten die Gäste Fragen stellen. Davon machten die Teilnehmer des Aktionstages rege Gebrauch. Außerdem bestand die Möglichkeit, das Herzkatheter-Labor des Krankenhauses zu besichtigen. Nicht zuletzt konnte ein begehbares Herzmodell erkundet werden.

Weitere Informationen zum Thema gibt es unter anderem auf der Internetseite.