Kroppenstedt l In der Straße Am Bahnhof in Kroppenstedt wird gegraben, verlegt und wieder verfüllt. Gut ein halbes Dutzend Arbeiter erledigen die Aufgaben. Hinzugesellt haben sich Verbandsgemeindebürgermeister Fabian Stankewitz (SPD) und Kroppenstedts Bürgermeister Joachim Willamowski (parteilos). „Wir wollen heute ein Zeichen setzen, dass der Streit mit der Kabelfirma aus dem Weg geräumt ist und nun mit dem Ausbau des Glasfasernetzes in der Westlichen Börde begonnen werden kann“, erklärt Stankewitz.

So werde die Gunst der Stunde genutzt, die Leerrohrverbände in offener Bauweise bis an jedes Haus zu verlegen. Dies ist möglich, weil die Straße Am Bahnhof derzeit sowieso grundhaft ausgebaut wird. „Damit zeigen wir, dass wir den flächendeckenden Ausbau vorantreiben, auch wenn der Bedarf an der einen oder anderen Stelle noch nicht da ist“, hebt Stankewitz hervor.

Bürgermeister stritt mit Kabelbaufirma

Dass vier Wochen jedoch nichts passiert ist in der Straße Am Bahnhof in Kroppenstedt, dafür hatte Bürgermeister Joachim Willamowski die besagte Tief- und Kabelbaufirma aus dem niedersächsischen Soltau verantwortlich gemacht. Diese hatte Anfang August den Zuschlag für die Verlegung von Leerrohren für das künftige Breitbandnetz in der Straße erhalten. In die Rohre können später die Glasfaserkabel verlegt werden, damit die Einwohner ultraschnell im Internet surfen können. Noch im August hätten die Verlegearbeiten beginnen sollen.

Doch der Geschäftsführer der Kabelbaufirma habe zunächst angegeben, im Moment keine Leerrohre vorrätig zu haben. Später soll er erklärt haben, noch keinen Auftrag von der Verbandsgemeindeverwaltung erhalten zu haben. „Die Krönung ist nun, dass der Herr aus Soltau plötzlich 30 Prozent mehr für seine Leistung haben will als in seinem Angebot während der Ausschreibungsphase“, hatte Willamowski seinem Ärger Luft gemacht.

Auf Volksstimme-Nachfrage hatte Stefan Lüders, Geschäftsführer der niedersächsischen Kabelbaufirma, erklärt, dass neuerdings geforderte Rohre nicht Gundlage der Ausschreibung gewesen seien. Der Gesetzgeber schreibe aber für in Förderprojekten zu verlegende Systeme ganz bestimmte Sorten vor. Diese andersartigen Verbände müssten erst bestellt werden, seien aber teurer. Dies sei auch der Grund für die Kostensteigerung. „Kommt aus der Verwaltung das Okay, können wir schnell mit dem Verlegen der neuen Rohrverbände beginnen,“ hatte Lüders gesagt.

Flächendeckender Ausbau

Bis zum heutigen Freitag nun sollen die Leerrohre der Straße Am Bahnhof verlegt sein. Laut Joachim Willamowski kann in der kommenden Woche der normale Baubetrieb fortgesetzt werden. So folgen die Bordsteine, der Fußweg, die Fahrbahndecke sowie die Beleuchtung. „Ich freue mich, dass es nach vier Wochen Verzögerung nun endlich weitergeht“, erklärte Kroppenstedts Bürgermeister.

Als nächsten Schritt sagt Verbandsgemeindebürgermeister Stankewitz die Auftragsvergabe für den weiteren Breitbandausbau in Wulferstedt voraus. Mit dem Beginn der Bauarbeiten rechnet er noch in diesem Jahr. Hier hatte zwar die Telekom erst vor wenigen Wochen Vollzug gemeldet, jedoch nur für das sogenannte Vectoring. Das heißt, dass von den Verteilstationen bis zu den Wohnhäusern weiterhin die alten Kupferkabel genutzt werden. Das Breitband-Projekt der Westlichen Börde allerdings sieht vor, die Glasfaserkabel bis in die Wohnhäuser zu verlegen.

In der kommenden Woche will die Kabelfirma aus Soltau auf die Baustelle der Landstraße 104 in Ausleben anrücken. Hier wird bereits seit Monaten gebuddelt. Doch bevor die Straße fertiggestellt wird, sollen auch hier die Leerrohre für das Glasfasernetz im Boden verschwinden.

Mitglied in Arge Breitband

Die Verbandsgemeinde Westliche Börde ist mit weiteren zehn Gemeinden Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Breitband des Landkreises Börde. Unter diesem Dach will die Verwaltung ein flächendeckendes Glasfaser-Breitbandnetz für ihre Bürger bauen. Dafür hat sie mehr als 13 Millionen Euro Fördermittel vom Bund zugesagt bekommen. Wenn alle Arbeiten erledigt sind und das Internet in der Westlichen Börde flächendeckend schnell ist, sind Verbandsgemeinde beziehungsweise ihre Mitgliedsgemeinden Besitzer der Leitungen, die sie an den Netzbetreiber verpachtet und sich damit das ausgegebene Geld wieder reinholen will. Denn mit den besagten rund 13 Millionen Förder-Euros sind nur gut die Hälfte der Kosten gedeckt.

Anträge für Glasfaseranschlüsse bis ins Haus können weiterhin bei der Verbandsgemeindeverwaltung der Westlichen Börde in Gröningen abgegeben werden.