Gröningen l Als Tino Kühne um 10.01 Uhr durchs Ziel läuft, ist er überglücklich, ist er mächtig stolz, ist er happy, ist er hochgestimmt... Auch die eine oder andere Freudenträne läuft über sein Gesicht. „Dieses wunderbare Gefühl ist eigentlich nur schwer zu beschreiben. Es ist eben wunderbar“, so Kühne.

Der 45-jährige Gröninger hat soeben den „Barr Trail Mountain Race“ absolviert. Einen Halbmarathon in den Rocky Mountains im USA-Bundesstaat Colorado, der 2000 Meter über Meereshöhe gestartet wird, bis auf 3100 Höhenmeter hinauf und dann zum Ausgangspunkt zurückführt. Es geht über Stock und Stein, durch Wald und Flur, über Wanderwege und Geröll.

Einziger Läufer aus Deutschland

Gemeinsam mit Tino Kühne haben Punkt 7 Uhr weitere 323 Läufer und Läuferinnen vom Jugend- bis Seniorenalter dieses Abenteuer in Angriff genommen und kommen auch allesamt ins Ziel. Die meisten Teilnehmer sind aus Colorado, einige aber auch aus anderen US-Bundesstaaten wie New York, Tennessee, Texas, Ohio, Florida, Oklahoma oder North Carolina. Und aus dem Ausland angereist sind acht Starter. Vier aus Costa Rica, zwei ein Norwegen, einer aus Österreich und eben Tino Kühne aus Deutschland. Also aus „DE, ST, Gröningen“, wie offiziell in der Starterliste steht.

„Ich war auch schon 2018 der einzige Deutsche hier“, sagt Tino Kühne, der sich also nun zum zweiten Mal auf den mitunter extrem steilen und holprigen Weg durch die Rocky Mountains begeben und ihn abermals gemeistert hat. Und für den es nach dem Stand der Dinge auch ein drittes Mal geben wird. Wohl schon 2020.

Persönliches Ziel unter drei Stunden

Denn während Tino Kühne 2018 bei seinem ersten Start ein wenig unzufrieden war, weil er sich nicht besser vorbereitet hatte und nun auf seine zweite Teilnahme weitaus intensiver hingearbeitet hat, ist für ihn diesmal ein zumindest kleiner Makel, dass er nicht unter drei Stunden geblieben ist. „Die Drei-Stunden-Marke möchte ich nun unbedingt im nächsten Jahr knacken“, sagt der Gröninger.

Er ist von Haus aus ein Sportler, vor allem ein Fußballer. 435 Spiele hat Tino „Kimme“ Kühne bis 2007 für die erste Fußballmannschaft des SV Eintracht Gröningen absolviert, dabei 21 Tore geschossen und als einer der Führungsspieler unter anderem dafür gesorgt, dass Gröningen auch zwei Jahre in der Landesliga vertreten war.

Sechs Monate intensives Training

Seit 2007 hat Kühne dann auch so gut wie jedes Jahr einen Urlaub bei seiner Verwandtschaft in Colorado verbracht und dabei immer mal wieder von diesem „Barr Trail Mountain Race“ gehört, der nur etwa 20 Kilometer vom Wohnsitz seiner Verwandten gestartet wird. „2018habe ich mich dann entschieden, einmal daran teilzunehmen“, so Tino Kühne. Der sich zwar nach wie vor beim Fußball und durch Joggen fit gehalten, aber nicht speziell für solch einen Geländelauf durch die Rocky Mountains trainiert hat.

„Ich wollte bei meinem zweiten Start besser sein“, so Kühne, der es daraufhin sehr erst gemeint, seine Ernährung weitgehend umgestellt und gut sechs Monate anders, vor allem intensiver trainiert hat. Unter anderem ist er in dieser Zeit neben seinen regelmäßigen Läufen in Gröningen und Umgebung auch viermal auf den Brocken gelaufen. „Das ist zwar mit den Höhenluftverhältnissen und auch mit dem Anstieg in den Rocky Mountains längst nicht zu vergleichen, hat mich aber dennoch gut vorbereitet“, sagt Tino Kühne.

Höhenluft schnuppern

Im Juli flog er zu seiner Verwandtschaft nach Colorado, um vor allem seinen Jahresurlaub zu verleben. Dort trainiert er aber die ersten beiden Wochen immer mal wieder und gewöhnt sich so nach und nach an die Höhenluft. Um dann die letzte Woche vor dem Wettbewerb nur noch leichte Übungen zu absolvieren und schließlich beim Start auf den Punkt fit zu sein. Was Tino Kühne dann dem Ergebnis zufolge wohl auch ist.

Trotzdem sieht er den Lauf durch die Rocky Mountains  als reinen Wettkampf sieht. „Es ist außerdem ein tolles Gemeinschaftserlebnis aller Starter“, sagt Kühne. Denn die Teilnehmer verstehen sich nicht nur vor dem Start und nach dem Ziel gut, sondern auch auf der Strecke. „Wir feuern uns nicht nur gegenseitig an, sondern wir helfen uns auch durch schwierige Phasen“, sagt Tino Kühne, der während des Laufes mal von einem vermeintlichen Konkurrenten aufgerüttelt wird, wie er auch den einen oder anderen Mitstreiter selbst aufrüttelt. Sodass schließlich am Ende alle ans Ziel kommen und sich Tino Kühne sowohl für die auf den vorderen Plätzen als auch für alle anderen freut, die mit ihm das Ziel erreichen.