Gemeinde Westliche Börde/Ausleben l Die Sanierung eines mehr als 400 Jahre alten Gemäuers, wie das Schloss Trautenburg in Ottleben, ist und bleibt eine Herausforderung. Und wenn eine Kindereinrichtung darin beheimatet ist, erst recht. Bereits 2017 wurde im Erdgeschoss begonnen, das altehrwürdige Gebäude zu sanieren. Das Erdgeschoss ist seitdem barrierefrei gestaltet. Es schloss sich im Jahr 2018 die Sanierung der ersten Etage an und konnte im gleichen Jahr erfolgreich abgeschlossen werden.

Böse Überraschungen warteten

Schließlich zogen die Bauarbeiter 2019 eine Etage höher und diese hielt, samt Dachgeschoss, etliche böse Überraschungen bereit. So böse, dass die Kinder samt ihrer Erzieherinnen Hals über Kopf ausziehen mussten und im Rathaus der Gemeinde ein neues Domizil fanden.

Die beachtlichen Schäden am Dachtragwerk sorgten nicht nur für eine erhebliche zeitliche Verzögerung der Sanierungsarbeiten, sondern auch für eine deutliche Überschreitung des Baubudgets. Deshalb kann derzeit der Innenausbau im zweiten Obergeschoss und im Dachgeschoss nicht erfolgen.

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534 000 Euro werden gebraucht

Der Verbandsgemeinderat ist in seiner Sitzung im schriftlichen Verfahren mehrheitlich dem Vorschlag der Verwaltung gefolgt, die Maßnahme unter Einsatz von Fördermitteln abzuschließen, um die damit zwingend notwendigen Platzkapazitäten zu erhalten. Mit dem Beschluss wurde die Verwaltung zur Beantragung von Fördermitteln aus der Richtlinie „Kinderbetreuungsfinanzierung 2020-2021“ beim Landkreis Börde in Höhe von 481 072 Euro legitimiert. Zugleich stimmten die Räte zu, im Fall der Bewilligung mehr als 53 000 Euro Eigenmittel aus dem Haushalt der Kommune zur Verfügung zu stellen.

Beantragte Fördermittel plus Eigenanteil ergeben die Summe von rund 534 000 Euro. Diese Summe wird gebraucht, um den erforderlichen Innenausbau im zweiten Obergeschoss und im Dachgeschoss vornehmen zu können und entspricht der Kostenschätzung für die Gewerke Innenputz, Trockenbau, Maler- und Tapezierarbeiten-, Bodenbelagsarbeiten, Fliesenleger und Tischler.

Auch Schwammbekämpfung steht an

Nach Abschluss der beantragten Fördermittelmaßnahme ist der Erhalt der Kindertagesstätte Ausleben im „Schloss Trautenburg” mit den derzeit nach Betriebserlaubnis genehmigten 36 Krippen- und 51 Kindergartenplätzen für 15 Jahre gesichert. Das sagt der Demographiecheck aus, den die Verbandsgemeinde mit dem Antrag auf die Fördermittel mit einreichen musste.

Die Kita „Schloss Trautenburg“ in Ottleben hat eine Betriebserlaubnis für 87 Kinder, das sind die oben genannten 36 Krippen- und 51 Kindergartenplätze. Hinzu kommen 60 Plätze im Hort. Laut Demographiecheck gibt es in der Gemeinde Ausleben aktuell 68 Mädchen und Jungen im Krippenalter und 72 im Kindergartenalter.

In den vergangenen Monaten konzentrierten sich die Sanierungsmaßnahmen auf Zimmerer-, Dachdecker-und Maurerarbeiten sowie Arbeiten zur Schwammbekämpfung. Ebenso waren Tischler auf der Baustelle unterwegs, um Arbeiten an Fenstern und Treppe auszuführen.

Bereits jetzt deutsche Kostensteigerung

Neben den baulichen Gewerken mussten ein Holzschutzgutachter, ein Restaurator und ein Bauforscher beauftragt werden. Dies war notwendig, um die vorhandene Bausubstanz entsprechend der Auflagen durch die Untere Denkmalschutzbehörde zu analysieren, zu dokumentieren, zu sichern und in Teilen wieder einzubauen. Dies fü̈hrte bereits zu einer deutlichen Steigerung der Kosten, da beispielsweise ein aufwendiger Erhalt der Monochromen- und der Polychromendecke im zweiten Obergeschoss durch die Untere Denkmalschutzbehörde beauflagt wurde.

Nach der Entfernung vom Putz an den Außenwänden war ein zusätzliches Schadensbild in vielen Fensterstürzen zu erkennen. Die Stürze mussten fachgerecht saniert werden. Aktuell finden weitere Öffnungen an der Decke vom ersten zum zweiten Obergeschoss statt. Das nun sichtbare Schadensbild entspricht den Annahmen. Allerdings können im noch nicht geöffneten Teilbereich weitere Risiken verborgen sein.

Betreuungsbedarf wäre nicht mehr gedeckt

„Damit wäre der Betreuungsbedarf in Ausleben nicht mehr gedeckt. Eltern müssten ihre Kinder in umliegende Einrichtungen bringen.“

Fabian Stankewitz

„Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass das festgesetzte Baubudget nur für die bereits beauftragen Gewerke und Baunebenkosten ausreichend ist. Damit wäre der Innenausbau für das zweite Obergeschoss und das Dachgeschoss nicht gedeckt“, erklärt Verbandsgemeindebürgermeister Fabian Stankewitz.

Fördermittel für Innenausbau beantragt

Sowohl die Verbandsgemeinde Westliche Börde als auch die Gemeinde Ausleben müssten im Haushalt 2022 weitere Mittel aufbringen. Es sei allerdings fraglich, inwieweit dies aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen überhaupt möglich ist. Als Alternative bliebe der Rückzug der Kindertagesstätte ausschließlich in das Erdgeschoss sowie in das erste Obergeschoss. Das zweite Obergeschoss sowie das Dachgeschoss blieben ungenutzt. Dies hätte eine Reduzierung von rund 26 Kindergartenplätzen zur Folge. „Damit wäre der Betreuungsbedarf in Ausleben nicht mehr gedeckt. Eltern müssten ihre Kinder in umliegende Einrichtungen bringen. Die Kosten für die Unterbringung in Fremdgemeinden gehen zu Lasten der Verbandsgemeinde Westliche Börde“, macht Fabian Stankewitz deutlich. Um dieses Szenario zu verhindern, hat die Gemeinde Westliche Börde Fördermittel über das Programm „Kinderbetreuungsfinanzierung 2020-2021“ für den Innenausbau beantragt.

Bis zum 26. Januar dieses Jahres wurden sieben förderfähige Projekte mit einem Gesamtbedarf von rund 5.250.000 Euro beim Landkreis eingereicht. Voraussichtlich wird der Landkreis Börde über Bundesmittel in Höhe von rund 1,89 Millionen Euro für Neubau-, Ausbau-, Umbau-, Sanierungs-, Renovierungs- und Ausstattungsinvestitionen verfügen und vergeben können.

Für die Vergabe wurde eine Prioritätenliste mit verschiedenen Bewertungskriterien erstellt. Über die Verwendung der Mittel wird der Jugendhilfeausschuss am 25. Februar entscheiden.