Wulferstedt l Zum Vorort-Termin mit der Volksstimme haben sich in dem Gotteshaus Diplom-Restaurator Christoph Hänel, Restauratorin Claudia Matzke aus Halle sowie Mitglieder des Gemeindekirchenrates und der Kirchengemeinde versammelt.

Zunächst steigen allesamt auf das Gerüst, welches bis direkt unter das beeindruckende Tonnengewölbe reicht. Dabei handelt es sich um Holzbalken aus Fichte, die etwa um 1900 im Jugendstil bemalt worden sind. Christoph Hänel hat einen fachmännischen Blick für die Gegebenheiten vor Ort und erläutert die Arbeiten, die bereits im vollem Gang sind.

Gerüst reicht bis zum Tonnengewölbe

„Seit jener Zeit ist von der Bemalung her hier nichts weiter passiert“, erklärt er. „Es ist deutlich zu sehen, wie die Farbe abblättern und es finden sich so einige Schäden.“ Er und seine Kollegin reinigen und festigen die Untergrundhaftung. Dabei werden die Schäden geschlossen und es erfolgt eine Farbretusche. „In diesem Bereich sieht man schon die entsprechenden Unterschiede“, merkt der Experte an und zeigt auf bearbeitete und unbearbeitete Flächen. Es sind deutliche Helligkeitsunterschiede zu bemerken.

Bilder

„Wir werden das Tonnengewölbe, den Altar und den Orgelprospekt bearbeiten“, erzählt Hänel. Die Gemeindekirchenratsvorsitzende Helga Jungnickel und ihr Stellvertreter, Carsten Dippe, lauschen aufmerksam. Hin und wieder werden von Gemeindemitgliedern einige Fragen gestellt.

Der Diplom-Restaurator hat sofort die Antwort parat. Die Gruppe macht sich auf den Weg zur Empore, die in dem Fall eine Etage tiefer liegt. „Beim Altar und der Orgel arbeiten wir auch mit Farbe“, sagt Hänel. Er weist mit der Hand auf die wertvollen Ausstattungsstücke. „Im Fall der Orgel sehen wir hier eine Farbgebung, an der wir uns Orientieren werden“, führt er weiter aus.

Arbeiten an Altar und Orgelprospekt

Der Weg führt die Besucher weiter in das Kirchenschiff. Über ihnen thront das mächtige Gerüst, welches den ganzen Innenraum ausfüllt. Nach oben schließt es direkt unter dem Tonnengewölbe ab und bildet dort die Lauffläche. Der Anblick ist bemerkenswert, das finden auch die Gemeindemitglieder. Sie sind sichtlich beeindruckt.

Die alte Orgel von 1690 wurde später 1879 von einer neuen ersetzt, die über „22 klingende Stimmen verfügte“. Heute sind es nur 20 Register, die Quinte und die Oktave fehlen. Im Hauptwerk ist dafür die Trompete acht eingearbeitet worden. Seit Mitte der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts schwieg sie zunehmend, erklang aber 1974 bei zwei Hochzeiten. Am Karfreitag 1999 spielte die Orgel erstmals wieder. Insgesamt kosteten die Arbeiten knapp 69.000 Mark, die Fördermittel beliefen sich auf 22.000 Mark.

Die jetzigen Arbeiten nehmen ein stattliches Volumen von etwa 120.000 Euro ein. Der Eigenanteil wird von der Gemeinde und dem Kirchenkreis aufgebracht – das sind allein 20.000 Euro.

Eigenanteil beträgt 20.000 Euro

„Die Fördermittel belaufen sich auf 100.000 Euro“, erläutert Carsten Dippe. „Sie stammen aus der Leaderförderung der Europäischen Union. Jörg Freier von der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt hat das Projekt begleitet. Eingereicht und vorbereitet wurde alles über die lokale Leader-Arbeitsgemeinschaft Börde.“ Die Wulferstedter hatten sich – angesichts der gewaltigen Investitionssumme – schon mit einem schrittweisen Abarbeiten der drei verschiedenen Bereiche angefreundet.

„Nie im Leben hätten wir gedacht, dass alles auf einmal möglich sein könnte“, versichert Dippe. „Wir haben sehr große Unterstützung für unser Anliegen bekommen. So auch vom Kirchen-Baureferenten Dirk Zaske.“ Die Vorbereitung mit dem Einholen von Genehmigungen und Gutachten nahm insgesamt drei Jahre in Anspruch. „Dann wurde alles komplett beantragt und prompt genehmigt“, erzählt der Carsten Dippe weiter. „Unsere Freude war natürlich riesengroß.“

Drei Jahre Vorbereitung

Nun laufen die Arbeiten und Christoph Hänel ist guten Mutes, den Zeitrahmen auch einhalten zu können. „Wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischen kommt, dann schaffen wir das auch“, versichert er. Anfang November soll die Kirche wieder für das Publikum zugänglich sein. So lange finden Gottesdienste im Pfarrhaus statt.

Carsten Dippe verweist darauf, dass die Wulferstedter schon seit gut 15 Jahren Arbeiten in Eigenregie an dem Gotteshaus vorgenommen haben. „Dabei hat uns der Kirchenkreis immer wieder mit Geldzuschüssen unterstützt“, sagt er. „Der Turm wurde verputzt, die Halterungen der Glocken aufgearbeitet und der Glockengang elektrifiziert. Selbst die Uhr wurde wieder aufgearbeitet.“