Kroppenstedt l Gründe gibt es gleich mehrere, dass sich an einem Sonntagnachmittag in Kroppenstedt so viele Menschen zwischen Martinikirche und Pfarrhaus treffen – gut gelaunte Menschen.

Da ist zum einen das Orgelkonzert, das sie allesamt etwas später in der Kirche miterleben möchten. Da ist zweitens der Wunsch des Autors, diesen Artikel hier mit einem Foto zu illustrieren. Und da ist zum dritten Hartmut Barsnick.

Hartmut wer? Ja, noch ist das eine verständliche Frage. Aber gleich nicht mehr. Denn es sei gesagt, dass Hartmut Barsnick (72) ein evangelischer Pfarrer im Ruhestand ist, der in Ströbeck (Harzkreis) wohnt, sich drei Monate eines jeden Jahres in den USA, sechs Monate eines jeden Jahres mit Hilfsprojekten in Tansania aufhält und der nun so etwas wie ein Bindeglied zwischen einer evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde auf Hawaii und Kroppenstedt geworden ist.

1970er Jahre: Pfarrer in Milwaukee

Jetzt wird die ganze Sache allerdings noch etwas komplizierter. Denn Hintergrund dieser neuen amerikanisch-deutschen Verbindung ist die Tatsache, dass der gebürtige Niedersachse Barsnick in den 1970er Jahren als junger Pfarrer in Milwaukee (USA-Bundesstaat Wisconsin) gewirkt hat, wo ein Reverend namens Yuhio Hamada sein Nachfolger geworden und er selbst nach Niedersachsen zurückgekehrt ist. Der Kontakt zwischen Hartmut Barsnick und Yuhio Hamada blieb bestehen. Auch nachdem Anfang der 1990er Jahre beide abermals eine neue Kirchengemeinde übernommen haben und dafür jeweils in ein anderes Bundesland beziehungsweise in einen anderen Bundesstaat gegangen waren. Hartmut Barsnick kam aus Niedersachsen nach Sachsen-Anhalt und Yuhio Hamada zog von Wisconsin nach Hawaii.

Viele wollen Flüchtlingen helfen

„Nach Hawaii kommen dieser Tage aus bekannten Gründen keine Flüchtlinge aus Syrien oder benachbarten Krisenregionen. Aber dort gibt es viele Menschen, die diesen Flüchtlingen helfen möchten“, sagt Hartmut Barsnick, weshalb ihn sein Amtsbruder Yuhio Hamada darum gebeten hat, Kontakte zu Menschen zu vermitteln, die sich in Deutschland um Flüchtlinge kümmern. „Er hat natürlich mitbekommen, dass viele Flüchtlinge aus den genannten Regionen in Deutschland aufgenommen werden“, wie Hartmut Barsnick sagt, der daraufhin gemeinsam mit der Superintendentin des Kirchenkreises Halberstadt, Angelika Zädow, alle Kirchenkreis-Gemeinden angeboten hat, sich mit Yuhio Hamada in Verbindung zu setzen.

Und genau das hat neben Elbingerode dann auch die Kirchengemeinde Kroppenstedt getan, deren Mitglieder sich gemeinsam mit weiteren engagierten Kroppenstedter Bürgern um die inzwischen sieben Flüchtlingsfamilien und deren Integration intensiv kümmern. Schon geraume Zeit bevor im Oktober vergangenen Jahres die ersten syrischen und afghanische Flüchtlinge in Kroppenstedt eingetroffen waren, hatte sich ein Runder Tisch gebildet, um alles vorzubereiten. Der dann auch in den Wochen und Monaten darauf den inzwischen 36 Neu-Kroppenstedtern zur Seite stand. Und nach wie vor zur Seite steht.

Briefkontakt nach Hawaii

„Wenn wir jetzt aus Hawaii unterstützt werden, dann freut uns das natürlich sehr“, sagt Beate Könnecke, die eine der aktiven Kroppenstedter „Flüchtlingshelfer“ ist und inzwischen mit der hawaiianische Kirchengemeinde direkten Brief-Kontakt aufgenommen hat.

Kirchgemeinde will Kontakt ausbauen

„Reverend Yuhio Hamada wird uns dieser Tage nicht nur eine in seiner Gemeinde gesammelte Spende in Höhe von 700 Euro zukommen lassen, sondern hat zudem großes Interesse, den Kontakt mit uns weiter auszubauen“, wie Beate Könnecke sagt, die auch schon mit ihren Mitstreitern und den Flüchtlingsfamilien darüber gesprochen hat, wie die 700 Euro verwendet werden sollen. „Wir haben geplant, dass wir alle zusammen einen Ausflug unternehmen.“

Was Hartmut Barsnick eine „ganz tolle Idee“ nennt, als er am Sonntagnachmittag gemeinsam mit seiner Frau Marlis in Kroppenstedt ist. Und hier zum einen Beate Könnecke und ihre Mitstreiter der Kirchengemeinde sowie des Runden Tisches, aber auch Naief Al Mohammad, Samadi Naibi, Hussin Hfidle, Salah Ismail und all die anderen syrischen wie auch afghanischen Flüchtlinge kennenlernt, die in Kroppenstedt ihr neues Zuhause gefunden haben.