Oschersleben l Gern hätten die drei Frauen und fünf Männer vor ihrer Rückreise nach Hannover und nach Aachen sowie ins Schwabenland, nach Mecklenburg-Vorpommern und an die Nordseeküste auch noch einen Blick in die Nicolaikirche geworfen. Immerhin sind die meisten von ihnen dort vor fast 70 Jahren konfirmiert worden. Doch ist die Oschersleber Marktkirche ja derzeit eine Baustelle. Auf eine Kircheneinkehr wurde dennoch nicht verzichtet und stattdessen die kleine Kirche in Emmeringen besucht.

Reifeprüfung 1950 abgelegt

Dieser Besuch am Sonntagvormittag war dann auch zugleich das Ende eines dreitägigen Klassentreffens. Und zwar von einstigen Oschersleber Abiturienten, die vor 66 Jahren, also 1950, in der Bodestadt ihre Reifeprüfung abgelegt und sich danach zum großen Teil in alle Winde zerstreut hatten. Die einen haben ihr Glück in anderen Gegenden der DDR gesucht, etliche aber auch im deutschen Westen.

Wobei die Schüler der beiden Oschersleber Abitur-Parallelklassen des Jahrgangs 1950 auch eine immer strenger bewachte deutsch-deutsche Grenze nicht daran gehindert hatte, in Kontakt zu bleiben und sich sogar recht regelmäßig zu treffen. Bis 1989 im Osten Berlins, nicht selten unter recht abenteuerlichen Bedingungen.

Nachdem sich dann zunächst Anfang der 1990er Jahre einige in Hannover getroffen hatten, ging es 1995 zum ersten Mal zurück zu den Wurzeln, also nach Oschersleben. Um sich nach 45 Jahren gemeinsam an die gemeinsame Schulzeit zu erinnern.

31 Frauen und Männer waren seinerzeit aus ganz vielen Teilen Deutschlands, aber auch aus den USA und sogar Argentinien angereist. Sie hatten sich sehr viel zu erzählen, haben aber unter anderem auch ihr Gymnasium besucht und in einem ihrer früheren Unterrichtsräume ihre Reifeprüfung „nachgespielt“. Mit Lehrerin, mit Abiturfragen, mit Übergabe eines neuerlichen Zeugnisses.

„Danach haben wir uns alles zwei, drei Jahre hier in Oschersleben getroffen“, sagt „Mitschülerin“ Eva Brandt, die in der Bodestadt zu Hause ist und die früheren wie auch das neuerliche Treffen organisiert hat. Und die sich rückblickend unter anderem besonders gern an die Treffen in den Jahren 2002 und 2010 erinnert. An 2002, weil die Teilnehmer damals nach Hötensleben gefahren waren, um dort auf dem Gelände des Grenzdenkmals eine Eiche zu pflanzen. „Die inzwischen schon stattlich groß ist“, sagt Hans Brandt, der seiner Ehefrau Eva bei der Organisation und der Gestaltung aller Klassentreffen immer geholfen hat. Also auch 2010, als 17 der früheren Klassenkameraden zum Jubiläumstreffen gekommen und 60 Jahre nach ihrem Abitur gar vom damaligen Bürgermeister Dieter Klenke im Rathaus empfangen worden waren.

„Inzwischen sind bereits 19 Schüler unserer beiden Abiturklassen gestorben“, sagt Eva Brandt, die es zudem sehr bedauert, dass andere aus gesundheitlichen Gründen an diesen Treffen nicht mehr teilnehmen können. Und da es auch noch einige andere Hinderungsgründe gegeben hat, „waren wir diesmal nur acht“, so Eva Brandt.

Besuch im Wiesenpark

Die aber dennoch „ein ganz tolles Klassentreffen“ hatten, waren sich allesamt kurz vor ihrer Abreise einig. Nachdem sie die beiden Abende zuvor gemeinsam bei Eva Brandt zu Hause verbracht und am Sonnabend zunächst in einer Gaststätte Mittag gegessen und Kaffee getrunken sowie danach einen Rundgang durch den Oschersleber Wiesenpark unternommen hatten.