Zahlreiche Dreileber Unternehmer und Einwohner unterzeichnen Protestbrief an die Stadträte

Klein und Groß kämpfen um Kindergarten

Von Constanze Arendt-Nowak

Die Kindertagesstätte "Frechdachs" in Dreileben muss erhalten bleiben. Da sind sich zahlreiche Dreileber einig. Um ihrem Wunsch nochmals Nachdruck zu verleihen, haben sie jetzt erneut ein Protestschreiben an die Stadträte verfasst.

Dreileben l "Denkt doch mal an uns und nicht nur an das Geld!" oder "Vorschläge ignoriert, altes Konzept raus ... fertig!" oder "Zuerst die Kinder, dann vielleicht die Verwaltung Suuper" steht in großen Lettern auf Plakaten, die in Dreileben gebastelt worden sind. Sie sind Zeugnis dafür, dass man nicht bereit ist, die Kindertagesstätte "Frechdachs" kampflos schließen zu lassen.

Passend dazu haben Unternehmer und Einwohner des Ortes auch ein Schreiben an die Stadträte verfasst, das mit "Protest gegen das erneute Bestreben der Verwaltungsgemeinschaft ¿Börde\' Wanzleben zur Schließung der Dreilebener Kindertagesstätte sowie die geplanten Gebührenerhöhungen" überschrieben ist. Nach einem kurzen Dank dafür, dass sich die Stadträte in ihrer August-Sitzung für den Erhalt der Kita eingesetzt haben, äußern sie erneut ihre Angst, dass die Einrichtung geschlossen wird, und ihre Veranlassung, sich erneut "gegen repressive Maßnahmen zur Wehr zu setzen". Bereits Mitte des Jahres hatten die Unterzeichner die Wichtigkeit der Beibehaltung der Kindertagesstätte in einem Protest-Schreiben erläutert.

Nun heißt es in dem Schreiben an die Stadträte unter anderem: "Somit drängt sich uns die Frage auf, welche Präsenz der Stadtrat eigentlich hat, wenn ein einmal gefasster Beschluss zugunsten der Kinder in Kita und Schulen (für den wir sehr dankbar waren), von der Bürgermeisterin ignorierend, erneut auf die Tagesordnung der nächsten Ratssitzung platziert werden kann, um das seit langem angestrebte negative Abstimmungsergebnis nun doch noch zu erreichen." Auch die Handlungsweise der Bürgermeisterin wird infrage gestellt, "da in der vergangenen Woche die Familienministerin über die Medien veröffentlichte, dass der zusätzlichen Erschaffung von Kindertagesstätten in Ländern und Kommunen Priorität einzuräumen sei". "Werden also auch die Anordnungen der Familienministerin ignoriert?", heißt es weiter, bevor nochmals unterstrichen wird, dass der ortsnahe Kindergarten bereits seit Jahren kostendeckend und schuldenfrei arbeitet, mit Fördergeldern saniert wurde und nutzbringend ist für Eltern, Mitarbeiter der Einrichtung und auch für Sozialkontakte zu anderen Einwohnern des Ortes.

Vermisst werden seitens der Verfasser Bestrebungen, die Region wieder attraktiver zu gestalten, vorhandene Kapazitäten dabei zu nutzen und die heimische Wirtschaft zu unterstützen. "Es scheint ein Ausverkauf unseres Ortes angestrebt zu werden. Heute ist es Dreileben und morgen und übermorgen sind es die anderen Ortschaften?", steht weiter geschrieben. Des Eindrucks, dass die zur Stadt Wanzleben - Börde neu hinzugekommenen Ortsteile die Zeche für die von Wanzleben ganz allein gemachten Schulden zahlen sollen, könne man sich in Dreileben nicht erwehren.

Auch die Arbeitsweise des Dreileber Ortsbürgermeisters, Gero Herbst, wird von den unterzeichnenden Dreileber Unternehmern und Bürgern in dem Schreiben kritisch unter die Lupe genommen. Sie beziehen sich auf eine "fehlende Kontrolltätigkeit" der Einheitsgemeindeverwaltung, die die Ortsbürgermeister betrifft. "Während die anderen Ortsbürgermeister sich durch eine positiv auffallende Arbeit hervortun, macht der Ortsbürgermeister Dreilebens dies durch Passivität", schreiben die Verfasser. Er bekäme "Steuergelder fürs Nichtstun", denn mit Gleichgültigkeit würden die Anliegen der Dreileber Bevölkerung ignoriert werden.

Die Erhöhung der Friedhofsgebühren sind ein weiteres Thema des Schreibens an die Stadträte. "Die beabsichtigten Kostenerhöhungen bei der Grundsteuer sowie die Erhöhung der Friedhofsgebühren sind unreal", erklären die Unterzeichner und führen in einem Beispiel an, dass die Gebühr für ein Urnengrab um das Fünffache erhöht wird.

Mit dem Schreiben erhoffen sich nicht nur die Kinder, Eltern und Mitarbeiter der Kindertagesstätte Unterstützung von den Stadträten, sondern auch zahlreiche Unternehmer und Einwohner, die den Inhalt des Schreibens in den vergangenen Tagen mit ihrer Unterschrift bekräftigt haben. Das Schreiben soll an alle Stadträte vor der morgigen Stadtratssitzung übergeben werden.

Allerdings haben das Schreiben nicht alle Dreileber unterschrieben, denn es gibt Einzelne, die sich vorstellen können, dass die Betreuung der Dreileber Kinder auch in Kindereinrichtungen an anderen Standorten der Einheitsgemeinde erfolgen kann.