Kleinalsleben l Mit nicht einmal 160 Einwohnern gehört das Dorf Kleinalsleben tatsächlich zu den kleinsten Ortsteilen der Stadt Oschersleben. Ortsbürgermeister Sven Goltz wohnt noch nicht so lange im Ort, bringt sich aber mit seinen Erfahrungen als ehemaliges Ortschaftsratsmitglied von Hornhausen und Oschersleber Stadtrat ein.

Zur Zukunft von Kleinalsleben befragt, ist von ihm ein Satz zu hören, den im Rahmen dieser Volksstimme-Serie schon einige andere Ortsbürgermeister vor ihm gesagt haben: „Wir kleinen Orte werden stiefmütterlich behandelt, fühlen uns abgehängt“, sagt auch Sven Goltz. Das zeigt sich für ihn bereits bei der Erarbeitung des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) für die Dörfer. „Der Termin für die Ortsbegehung war uns nicht bekannt. Da wären wir schon gern dabei gewesen. Am ersten Termin der Ortswerkstatt, der wegen Corona abgesagt werden musste, hätten Vertreter des Dorfes teilnehmen können, am zweiten hingegen nicht“, so der Ortsbürgermeister.

So herrscht im Ortschaftsrat Unverständnis darüber, dass Teile des Böttcherbergs als Denkmalbereich ausgewiesen werden soll. „Von einem Haus gleich am Anfang der Straße stehen nur noch die Seitenwände. Wer kauft denn so was, wenn es auch noch unter Denkmalschutz steht? Das kann nur noch abgerissen werden und dann hätten wir einen Bauplatz für junge Leute“, ist Sven Goltz überzeugt. Ähnlich würde er mit den wenigen anderen „Abrisshäusern“ mit Ort verfahren. „Gemeinsam mit der Stadt müsse ein Konzept erarbeitet werden, damit derartige Flächen wieder bebaut werden können“, so Goltz. Vom Büro des Ortsbürgermeisters blickt er auf ein rotes Backsteingebäude. Von diesem geht seiner Meinung nach Gefahr aus, weil Dachziegel herab stürzen könnten. „Der Besitzer ist bekannt, warum wird er nicht von der Stadt angeschrieben mit der Forderung, dass er das Gebäude zu sichern hat? Ich möchte nicht, dass Kinder, die am Gebäude vorbeí zum Schulbus gehen, von Dachziegeln getroffen werden“, ärgert sich der Ortsbürgermeister.

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Für das Dorf seien drei Grundstücke als Bauland ausgewiesen. Aber es sei keine zusammenhängende Fläche, dazwischen liegen zwei Flächen brach. Das sollte im Interesse besserer Vermarktungschancen überarbeitet werden.

In Kleinalsleben fehlt eine Stätte, in der sich die Menschen begegnen können. „Der Heimatverein gibt richtig Gas, sorgt dafür, dass hier etwas passiert. Um die Jagdhütte, das Domizil des Vereins, auf Vordermann zu bringen, wurden Fördermittel beantragt. Jedoch ist die Jagdhütte für größere Veranstaltungen zu klein. Die ehemalige Gaststätte ist vermietet. Wir sind froh, dass wir das Haus haben, in dem sich das Gemeindebüro befindet, jedoch gibt es auch hier nur kleine Räume. Um das gesellschaftliche Leben im Ort reaktivieren zu können, müssen wir eine Begegnungsstätte schaffen, wo Jung und Alt zusammenkommen können“, ist Sven Goltz überzeugt. Er schlägt deshalb vor, auf dem freien Platz vor dem Gemeindehaus eine Begegnungsstätte zu schaffen. „Jeder lebt für sich, doch wir sollten im Dorf die Chance bekommen, etwas miteinander machen zu können“, so der Ortsbürgermeister.

Als die Eingemeindungen der heutigen Ortsteile angeschoben wurden, erinnert sich Sven Goltz als damaliges Gemeinderatsmitglied von Hornhausen daran, dass gesagt wurde: „Eins werden, 19 bleiben.“ Also die Individualität der Dörfer erhalten. Dazu müssten sie allerdings auch entsprechend gefördert werden. „Unser Dorf gibt viel, sprich es gibt Gewerbesteuereinnahmen, die in die Stadt fließen. Doch wir bekommen entsprechend der Einwohnerzahl nur wenig zurück. Gut, wir haben den Breitbandanschluss bekommen, Straßen und Fußweg sind soweit ok. Um das Ungleichgewicht zwischen Kernstadt und den Ortsteilen auszugleichen, sollte jedes Dorf einmal dran sein mit einer größeren Förderung. Wir können mit dem ISEK für die Ortsteile eine Wunschliste aufstellen. Aber tun wird sich am Ende nichts“, davon ist Sven Goltz überzeugt.