Oschersleben l Uwe Krause ist empört. Er sitzt nicht nur im Oschersleber Stadtrat, sondern ist auch der Vorsitzende des Kleingartenvereins „Zukunft“. Als solcher hat er am vergangenen Donnerstag gegen 18 Uhr zwei offenbar herrenlose Gasflaschen entdeckt. Wie Uwe Krause erklärt, lagen sie vor der Kleingartenanlage. Er habe vermutet, dass es sich um Diebesgut handeln könnte. Außerdem sei ihm die Situation bedenklich vorgekommen. Deshalb rief Uwe Krause die Polizei. Doch vom weiteren Verlauf des Abends ist er keineswegs begeistert.

Die Volksstimme hat mit Matthias Lütkemüller, dem Pressesprecher des Polizeireviers Börde, gesprochen. Demnach fuhren Beamte zur Kleingartensparte und nahmen die Situation in Augenschein. Wie Matthias Lütkemüller berichtet, waren die Flaschen nicht heiß und es trat auch kein Gas aus. Den Etiketten zufolge habe es sich um eine Sauerstoff- und eine Acetylenflasche gehandelt. Erstere sei nach Einschätzung der Kollegen leer gewesen. Die Acetylenflasche war vermutlich noch teilweise gefüllt. Wie Matthias Lütkemüller informiert, kontaktieren die Beamten die Rettungsleitstelle. Die wiederum habe die Stadt Oschersleben und den Landkreis eingeschaltet. Der Bereitschaftsdienst der Stadt habe zugesichert, dass die Gasflaschen am nächsten Morgen abgeholt würden. Offenbar schätzten die Beamten die Lage als nicht besonders gefährlich ein und gaben sich mit dieser Aussage zufrieden.

Uwe Krause sieht das anders: Acetylengas sei gesundheitsgefährdend und unter Umständen explosiv. Es sei nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn Kinder oder Jugendliche an den Gasflaschen herumgespielt hätten. „Im Sinne der Gefahrenabwehr hätte man handeln müssen“, betont er. Tatsächlich hätten die beiden Gasflaschen am nächsten Morgen gegen 10 Uhr aber immer noch vor der Gartensparte gelegen.

Landkreis ist zuständig

Aus Sicht der Stadtverwaltung stellt sich der Sachverhalt so dar: „Die Polizei hat uns eine illegale Müllentsorgung mitgeteilt, bei der es um hochentzündliche Gasflaschen gehe, die fachgerecht entsorgt werden müssten“, berichtet Pressesprecher Mathias Schulte. Für so etwas sei der Landkreis zuständig. In jedem Fall hätte zunächst ein Fachmann klären müssen, ob die Flaschen überhaupt gefahrlos bewegt werden konnten. Das hätte der Kollege, der im Bereitschaftsdienst tätig war, nicht leisten können. Allerdings habe er mitgeteilt, dass er zur weiteren Hilfe bereit wäre, wenn sich das Problem nicht anders lösen lasse. „Einen weiteren Anruf hat es nicht gegeben“, betont Mathias Schulte.

Uwe Baumgart als Pressesprecher des Landkreises hat wiederum einen anderen Standpunkt. Auf Anfrage erklärt er: „Für den geschilderten Sachverhalt ist in diesem Fall die Stadt Oschersleben (Bode) die zuständige Gefahrenabwehrbehörde.“ Die Stadt habe den Bereich absperren und die Flaschen entsorgen wollen. „Damit schließt der Sachverhalt bei der Leitstelle ab, so Uwe Baumgart.

Wie auch immer: Als die Gasflaschen am nächsten Morgen immer noch vor der Gartensparte lagen, rief Uwe Krause selbst die Stadtverwaltung an. Dazu erklärt Steffen Czerwienski als stellvertretender Bürgermeister und Leiter des Fachbereiches Bauen und Umwelt: „Trotz ungeklärter rechtlicher Situation musste eine Lösung her. Deshalb hat der Bauhof die Gasflaschen gesichert.“

Doch für Uwe Krause hat das Hin und Her einen bitteren Beigeschmack. Es könne nicht angehen, dass man als Bürger auf eine gefährliche Situation hinweise und dann nichts geschehe. „Wenn etwas passiert wäre, dann wäre das Geschrei groß gewesen“, betont er.