Oschersleben l So hatten die Mitglieder des Gremiums die notwendigen Planungsleistungen und die einzelnen Verfahrensschritte mittels eines städtebaulichen Vertrags auf ein Bauunternehmen zu übertragen. Außerdem galt es, einen Entwurf des betreffenden Bebauungsplanes zu billigen und zur Auslage zu beschließen.

Ausschuss berät Pläne

Laut der Begründung eben dieses Bebauungsplanes hat die Motorsportarena nun vor, eine Tankstelle, einen Gastronomiebetrieb sowie ein sogenanntes Entertainment-Center mit Spielsimulatoren, Billard und Geldspielgeräten auf dem in ihrem Eigentum befindlichen Gelände zu errichten. Hierzu wird eine neue überbaubare Grundstücksfläche erforderlich, die südöstlich des aktuellen Hauptzugangs auf dem umzäunten Gelände entstehen soll.

Doch hier biegt zur Zeit die Motopark-Allee von der Bundesstraße 246 kommend nach Osten in Richtung Outdoor-Kartbahn und Medical-Center ab. Das hat zur Folge, dass die Straße verlegt werden muss.

Straße muss verlegt werden

Auf teilweises Unverständnis stießen im Bauausschuss die Pläne zur Errichtung der Tankstelle. So war es für die Ratsmitglieder und den Vorsitzenden Torsten Schubert (CDU) wenig nachvollziehbar, wie der Investor mit dieser Einrichtung geschäftlich auf einen grünen Zweig kommen will. Schließlich könne eine Tankstelle der Motorsportarena nicht nur von deren Besuchern überleben. „Verwehren dürfen wir es ihnen nicht, schließlich soll das alles ja auf dem eigenen Gelände passieren“, erklärte der Versammlungsleiter.

Doch nicht nur bei den Bauausschussmitgliedern stießen die Tankstellenpläne sauer auf. Denn auf den Zuschauerstühlen im Rathaussaal hatte auch Manfred Kühling Platz genommen. Der Speditionsunternehmer betreibt bekannterweise selbst eine Tankstelle im Norden Oscherslebens. Seinen Worten zufolge liegen verbindliche Berechnungen und Erhebungen vor, die besagen, dass eine Dichte von drei bis maximal vier Tankstellen in Oschersleben das Überleben jeder einzelnen sichere. Alles, was darüber hinaus gehe, sei ein Überangebot.

Tankstelle sorgt für Irritation

„Das Thema Tankstelle ist zwar in Planung, spielt aber in den aktuellen Entwicklungen noch keine Rolle“, wiegelte Arena-Sprecher Marcel Orban auf Volksstimme-Nachfrage ab. Außerdem ergänzte er: „Uns geht es derzeit hauptsächlich darum, unsere Gastro-Möglichkeiten auf dem Gelände zu verbessern.“ So soll ein Schnellrestaurant anstelle des bisherigen Diners im Fahrerlager entstehen, „da dieses den heutigen Erwartungen der Zuschauer und Gäste nicht mehr entspricht.“

Außerdem erklärte der Sprecher: „Das Restaurant wird auf die Grundstücksgrenze versetzt, so dass es dann auch von außen zugänglich und für die Öffentlichkeit nutzbar ist.“ Im Innenbereich soll die Gastroeinrichtung etwa 40 Personen Platz bieten und über den Eigenbetrieb der Arena geführt werden. Auch das Entertainment-Center spiele im Moment bei den Planungen noch keine Rolle.

Ausschuss stimmt zu

Am Ende der Bauausschusssitzung hatten die Mitglieder keine Einwände und stimmten einstimmig für die Pläne der Motorsportarena.

Nach dem symbolischen ersten Spatenstich zum Bau der Motorsportarena (damals noch Motopark Oschersleben) am 5. April 1995 wurde am 25. Juli 1997 die Eröffnung gefeiert. Rund 58 Millionen Euro sind damals investiert worden. So wurden der Rundkurs asphaltiert sowie insgesamt 14 Kurven und eine 680 Meter lange Start-Ziel-Gerade gebaut. Für die Sicherheit wurden Doppel- und Dreifachleitplanken installiert, etwa 40.000 Reifen aufgestapelt und verschraubt, Kiesbetten aufgeschüttet, Rettungsstraßen angelegt und Fangzäune errichtet.

Ein digital ferngesteuertes Videoüberwachungssystem und eine Signalanlage aus neun Ampelbrücken entlang der Strecke wurden eingebaut. Das streckeneigene Vier-Sterne-Hotel mit 88 Doppelzimmern und 7 Suiten sowie die 1018 Meter lange Kartbahn mit eigenen Boxen ist ebenfalls ein fester Bestandteil der Motorsportarena.

Baukosten unbekannt

Die Kartbahn wurde gleichzeitig als Parkfläche angelegt und später erweitert. In unmittelbarer Nähe befinden sich der Hubschrauberlandeplatz und das Medical-Center. Das Fahrerlager bietet auf mehr als 60.000 Quadratmetern Stellflächen für die Teams. Das zentrale Element bei der Zufahrt auf das Gelände bildet das Start-und Zielgebäude mit dem Tower. Er beherbergt das sogenannte Race-Control, Sprecher- und Kommentatorenplätze und das moderne Pressezentrum mit rund 100 Arbeitsplätzen für Journalisten und Fotografen.

Über den 29 Boxen befinden sich neben Büroräumen der Verwaltung auch die VIP-Loungen und das hoteleigene Bistro. Nach genau zehn Jahren der Inbetriebnahme wurde die bisherige 3,667 Kilometer lange Streckenführung verändert. Seit März 2007 ist der Kurs nun 3,696 Kilometer lang.

Wieviel die Motorsportarena in den Gastronomiebetrieb, die Tankstelle und das Entertainment-Center samt Änderung der Straßenverkehrsführung investieren will, wurde nicht mitgeteilt.