Oschersleben l Die Christvesper im Oschersleber Matthias-Claudius-Haus ist, genau wie der Weihnachtsmarkt, schon sehr besonders. Seit 1978 wird der besondere Gottesdienst nicht nur immer am Vortag des Heiligen Abends gefeiert, sondern auch an einem besonderen Ort. Am 23. Dezember 2016 fand die Christvesper letztmalig im Gewächshaus auf dem Gelände der Stiftung statt. Das Gewächshaus, inzwischen längst abgerissen, musste weichen, weil zahlreiche Bauarbeiten anstanden. Seither wird eigens für die Christvesper ein Zelt aufgestellt. So auch für den 23. Dezember 2019.

Laiendarsteller proben seit Oktober

Besagte Bauarbeiten sind „schuld“ daran, dass das Krippenspiel 2019 unter einem ganz besonderen Motto aufgeführt wurde: „Alles verändert sich“. „Viele unserer Bewohner sind umgezogen“, berichtet Rebecca Kohn, die mit Unterstützung von Sonja Heinemann mit den Frauen und Männern das Krippenspiel auf die Bühne gebracht hat. Elf Laiendarsteller haben seit Oktober einmal pro Woche geprobt. „In der Regel sind es immer die gleichen Personen, die auf der Bühne stehen und die Geschichte der Geburt Jesus erzählen. Doch es kommen immer mal wieder neue hinzu. Und wir erzählen die Weihnachtsgeschichte auch jedes Jahr anders. In diesem Jahr nehmen wir Bezug auf die vielen Veränderungen und Umbrüche“, erzählt Rebecca Kohn. Zum ersten Mal stand gestern die 50-jährige Helga Haberland mit der Bühne, entsprechend groß war die Aufregung. Stefan Klietz dagegen mischt schon viele Jahre mit, kann seine Texte auch auswendig aufsagen. Er und Helga traten als die Weisen aus dem Morgenland auf. „Sie alle sind sehr aufgeregt“, meint Sonja Haberland.

Im inzwischen großen Kostümfundus lassen sich fast alle Kostüme und Requisiten finden. Was fehlt, wird neu angeschafft.

Seit 1978 also versammeln sich Bewohner, Mitarbeiter und Angehörige immer am Vortag des Heiligen Abends im Matthias-Claudius-Haus und feiern die Christvesper.

Das bunte und mit viel Herz inszenierte Krippenspiel begeisterte auch 2019 das Publikum. Im Zelt blieb kein Platz frei.

Erst kürzlich nach Oschersleben gezogen

Dicht gedrängt lauschten alle den Worten der Akteure auf der Bühne und Pfarrer Georg Werthers, für den es eine Premiere war. Ist er doch erst vor wenigen Monaten mit seiner Familie nach Oschersleben gezogen.

Zur Christvesper im Claudius-Haus gehören natürlich Worte des Gebets, Gesang und Musik. Dafür sorgen Geschäftsführer Michael Lange, Roland Haring und Andreas Gau. Alle elf Laiendarsteller haben auf ihre besondere Art und Weise ihre Sache gut gemacht, auch Stefan und zum ersten Mal Helga. „Frohe Weihnachten euch allen“, so endete die besondere Christvesper. Sie läutet alljährlich am 23. Dezember die Weihnachtszeit im Matthias-Claudius-Haus ein. Viele Betreute treten nach der Aufführung mit ihren Familienangehörigen den Weg nach Hause an, um gemeinsam mit diesen besinnliche Feiertage zu verbringen.

Andererseits fanden nach der Aufführung in den neuen Wohnstätten auch Weihnachtsfeiern statt.

Häuser neu entstanden

Allein drei Häuser sind in jüngster Vergangenheit neu entstanden. Insgesamt 46 Wohnheimplätze wurden neu als Ersatz für die alten Wohnstätten geschaffen.

Rund 150 Menschen mit Behinderungen wohnen in den Wohnheimen und Betreuten Wohnstätten des Matthias-Claudius-Hauses. Gut die Hälfte der Frauen und Männer wird das Fest der Feste im Claudius-Haus verbringen.