Oschersleben l Es könne schon mal einige Zeit vergehen, ehe Männer oder Frauen den Raum für Gedanken betreten. Doch die Fotokünstlerin Kathrin Ollroge und die Bildende Künstlerin Anja-Claudia Pentrop sind es gewohnt, erst einmal neugierig in ihrem mobilen „Wohnzimmer“, ihrem Raum für Gedanken, beäugt zu werden. Doch haben Männer, Frauen und auch Jugendliche erst einmal Platz genommen, genießen auch eine Tasse Kaffee, dann sprudeln ihre Gedanken, positive wie negative, nur so aus ihnen heraus. Wer nicht reden will, kann sich auch selbst an die Schreibmaschine setzen und seine Gedanken aufschreiben. Alles bleibt völlig anonym, lediglich das Alter und das Geschlecht werden festgehalten.

Startpunkt in Potsdam

Als Kathrin Ollroge das Projekt „Raum für Gedanken“ in Potsdam mit Hilfe verschiedener Förderungen zu Beginn des vergangenen Jahres aus der Taufe hob, konnte sie nicht ahnen, welche Dimensionen es einmal annehmen würde, welche Aktualität ihre Interviews mit Bewohnern eines Postdamer Mietshauses, in das auch Asylanten einzogen, bekommen würden. „Was denken Sie über die Asylsuchenden, die Flüchtlinge, über die neuen Nachbarn? Raum und Zeit für die Antworten wird in der guten Stube geschaffen“, erzählen Kathrin Ollroge und Anja-Claudia Pentrop. In Brandenburg, Sachsen und Thüringen waren die Frauen schon unterwegs, am Montag bauten sie ihren Raum für Gedanken auf dem Oschersleber Marktplatz und am Dienstag vor dem Landratsamt in der Triftstraße auf. Hier fand gestern das zweite Vernetzungstreffen der Partnerschaft für Demokratie Sachsen-Anhalts mit Vertretern verschiedener Landkreise statt. Für den Landkreis Börde hatte Sophia Müller das Treffen organisiert und es arrangiert, dass die Männer und Frauen mit Kathrin Ollroge und Anja-Claudia Pentrop ins Gespräch kamen. „Jeder Tag bringt neue Gedanken. Unser Ziel ist es, einen Raum zu bieten, wo sich die Menschen mitteilen können. Und wir erleben jeden Tag, dass die Menschen diesen Raum gern nutzen. Hier fühlen sie sich verstanden, gehört“, erklären die Frauen. Nach wie vor wollen sie das aushalten, was sie Tag für Tag zu hören bekommen, sehen sich auch als Schnittstelle. „Der Informationsbedarf der Bürger ist sehr hoch. Das müssen wir immer wieder feststellen.“

„Ängste sind da, ob es nun greifbare Gründe dafür gibt, kann ich nicht sagen. Es sind zu viele auf einmal. Ob das alles bewältigt werden kann?“ „Das Machtstreben auf der ganzen Welt ist der Auslöser und der Grund für die Kriege, überall geht es nur ums Geld. Die Flüchtlinge fallen hier nicht auf...“ – das schrieben einige Oschersleber im Raum für Gedanken auf.