Hadmersleben l Stadtführerin Melitta Glötzl schließt für interessierte Besucher die Türen vom Kloster Hadmersleben wieder auf. Noch ist der Zuspruch zögerlich, aber sie weiß, dass die Geschichte des Benediktinerinnen-Klosters, die auch eng mit der 100 Jahre forschenden Getreidezüchtung verbunden ist, in ganz Deutschland einen Namen hat. Selbst aus Schweden und Finnland waren Getreidezüchter hier.

Ursprung im 10. Jahrhundert

Wer das Faltblatt mit Text von Dr. Walter Merfert gelesen hat, weiß über das Kloster mit Ursprung im 10. Jahrhundert gut Bescheid. Es macht aber vor allem neugierig, die Anlage selbst in Augenschein zu nehmen. Melitta Glötzl erklärt, kommentiert und berichtet über Hintergründe zu dem Gesehenen. „Bei seinem Rundgang erlebt der Besucher das Kloster als ein Zentrum religiösen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens. Der Kapitelsaal der Nonnen gilt als der größte seiner Art auf der ‚Straße der Romanik‘. Er erinnert an die Blütezeit des Klosters ...“, schreibt Walter Merfert.

Fußboden einst viel tiefer

Der Kapitelsaal sieht heute teilweise aus wie eine Baustelle. „Das ist so gewollt“, erklärt Melitta Glötzl, „denn nur so kann man an den freigelegten Säulenfüßen sehen, dass der originale Fußboden einst viel tiefer lag und vermutlich aus Gründen der besseren Heizung zu einem niedrigeren Raum aufgeschüttet wurde“, sagt die Klosterführerin. Aufmerksamkeit erweckt im Saal auch noch der Kleiderschrank der Nonnen. Bevor es eine Etage höher, vorbei an einem kunstvoll gefertigten barocken Danziger Schrank, in den Tapetensaal geht, der ebenfalls eine Besonderheit darstellt. „Diese Panoramatapete aus Frankreich von 1827, die im Mehrfach-Handdruck hergestellt wurde, gibt es nach unserer Information nur noch fünfmal in der Welt. Sie stellt den Befreiungskampf der Griechen gegen die Türken dar“, weiß die Stadtführerin.

Von der Klostergründung bis zur Getreideforsc

Weitere Eindrücke von der Geschichte des Klosters kann der Besucher in der Gemäldegalerie sammeln, die 1989 eröffnet wurde. Auf sechs großformatigen Bildern von Michael Emig und Rudolf Pötzsch werden Szenen von der Klostergründung bis zum sozialistischen Arbeitstag in der Getreideforschung eindrucksvoll dargestellt.

Um Getreideforschung geht es auch im Festsaal des Klosters, wo man mehr über den Senior der deutschen Pflanzenzüchtung, Ferdinand Heine, erfahren kann. „Wir sind heute seinem Ur-, Ur-, Urenkel Ulrich von Neumann dankbar, der als Eigentümer die öffentliche Nutzung unterstützt“, meint Glötzl. Der Dachdeckermeister weiß ganz im Sinne seiner Vorfahren und des historischen Erbes die Gebäude zu nutzen und vor allem zu erhalten. Ferdinand Heine war übrigens auch ein begeisterter Ornithologe und gründete in Halberstadt das Heineanum. Neben Heine ist ein Teil des Saales Johann Joachim Winckelmann gewidmet, der hier nicht nur Hauslehrer war. Er war vielseitig aktiv in Sachen Kunst, Literatur und Archäologie, schrieb über die Kunst des Altertums. Er fiel später in Triest einem Anschlag zum Opfer.

Vom Kloster in die Stadt

Mit einem Ausblick auf die Klosterkirche Peter und Paul von der Loggia aus gleich neben dem Saal endet die Führung von Melitta Glötzl. „Je nach Größe der Gruppe und Nachfragen dauert sie etwa eine bis eineinhalb Stunden. Wenn es gewünscht wird, gehen wir auch noch zu einigen sehenswerten Punkten in der Stadt“, sagt sie, und schließt hinter sich wieder ab.

 

Für Führungen steht Melitta Glötzl mittwochs, freitags oder an Wochenenden zur Verfügung. Anmeldungen unter Telefon: (039 408) 312 oder (039 408) 5232.