Ampfurth/Berlin l Ein Polizist berichtete gerade, was er auf Observationsfahrten im März 2020 beobachtet hatte, da kam es zu einer plötzlichen Unterbrechung. Martin K., Angeklagter und ehemaliger Bewohner des Ampfurther Gasthauses „Zur grünen Tanne“, fühlte sich nicht wohl. Er hatte gesundheitliche Schwierigkeiten.

Wachtmeister funkten den Sanitäter an, der sich um Martin K. kümmerte. Nach 20 Minuten durfte die Öffentlichkeit wieder in den Saal. Weiterverhandelt wurde aber nicht mehr. Auf Anraten des Sanitäters brach der Vorsitzende Richter Mark Sautter die laufende Zeugenbefragung ab, beendete den Prozesstag. Der Richter wollte sich etwas überlegen und bat den Angeklagten, das ihm Mögliche zu tun, damit sein Gesundheitszustand sich nicht verschlechtert.

Zuvor sagten drei Polizeibeamte aus der Observationseinheit der Berliner Polizei aus, versteckt hinter Sonnenbrillen, FFP2-Masken und Kapuzen. Unterscheidbar waren sie nur durch die Code-Nummern, mit denen sie sich wie ihre Kollegen an den vorherigen Verhandlungstagen vorstellten – und durch ihre Beobachtungen.

Nur der dritte und letzte Zeuge des Tages war offenbar mehrmals in Ampfurth, folgte im März 2020 dem Renault Clio aus Berlin über die Autobahn, sah ihn an der Aral-Tankstelle in Wanzleben stehen. Später fuhr das Auto erst durch Ampfurth durch, in „einen Ort, der sich Schermcke schimpft, glaube ich“, wendete dort und steuerte erst dann das frühere Gasthaus in Ampfurth an. Sogar ein Foto existiert, wie der Wagen mit dem Frontbereich in der Einfahrt steht. Aufgenommen kurz nach 22 Uhr. Das aber will dieser Polizist nicht gemacht haben.

Fahrer ist weiter unbekannt

Als Beifahrer des Clio will er Jamal T. erkannt haben, einen der vier wegen bandenmäßigen Drogenhandels Angeklagten, die alle weiterhin in Untersuchungshaft sitzen. Der Fahrer blieb auch während der Zeugenaussage am Donnerstag eine „unbekannte männliche Person“. Wann der Polizist sonst noch in der Börde unterwegs war und was ihm dabei auffiel, soll er nun am heutigen Montag verraten. Dann sollen auch weitere damals observierende Beamte aussagen, an welche Details sie sich erinnern.

Die Frage, ob T. im März zu intensiv gefolgt wurde, obwohl es keine richterlichen Beschluss zu seiner Observation gab, und ob diese Erkenntnisse verwertbar sind, dürfte auch an den nächsten Verhandlungstagen Thema bleiben.

Aber es sind nicht nur diese rechtsstaatlichen Bedenken der sieben Verteidiger, verbunden mit weiteren Zeugenvernehmungen, die das Verfahren rund um die moderne, mit mehr als 800 Pflanzen bestückte und im Sommer 2020 aufgeflogene Cannabis-Plantage in die Länge ziehen. Richter Sautter beklagte, dass es für einen der Termine „keinen Saal für uns gibt, wie an so vielen Tagen“; dann wird wohl erst ab Mittag verhandelt. Die Strafprozessordnung setzt bei der Festlegung von Terminen enge Grenzen: Zwischen den einzelnen Verhandlungen dürfen nur drei Wochen Pause sein, für längere Prozesse und bei Corona-Fällen gibt es Ausnahmen. Am 8., 15. und 19. Februar sowie am 11. März sollen sich alle Beteiligten wiedertreffen.

„Die Belegung der Säle ist in Pandemiezeiten tatsächlich eine große Herausforderung, da auch hier die allgemeinen Hygiene- und Abstandsregeln zu beachten sind“, sagt Gerichtssprecherin Lisa Jani.