Landkreis Börde

Letzter Zug blieb 1969 im Schnee stecken

Vor 100 Jahren geriet die Oschersleben-Schöninger Eisenbahn in finanzielle Schwierigkeiten.

Oschersleben (mbu) l Die zwischen Oschersleben und Schöningen verkehrende Nebeneisenbahn werde mit Ablauf des Jahres 1920 ihren Betrieb einstellen, da die Gesellschaft aus eigenen Mitteln die Kosten für Erneuerung von Unterbau und rollendem Material nicht mehr aufzubringen vermag, erfuhren die Leser des Weferlinger Anzeigers mit Datum vom 27. Dezember 1920.

Nachdem das Reichsverkehrsamt eine finanzielle Unterstützung der Bahn abgelehnt habe, werde schon am 1. Januar 1921 kein Personenwagen mehr auf der Strecke verkehren. Weiter hieß es, der Güterverkehr werde mit Rücksicht auf die Rübenkampagne einen Monat länger aufrecht erhalten.

Ganz offensichtlich aber wurde der Betrieb der Oschersleben-Schöninger Bahn dann doch nicht eingestellt, denn der Anzeiger berichtete mit Datum vom 28. Dezember 1920, dass zwischen der Direktion der Oschersleben-Schöninger Eisenbahn und dem Landrat des damaligen Kreises Oschersleben eine Besprechung stattgefunden habe, und zwar mit dem Ergebnis, „dass die Fortführung des Personenverkehrs über den 1. Januar hinaus gesichert erscheint. Wenn es gelingt, die zur Herstellung der Betriebssicherheit erforderlichen 2.000.000 Mark aufzubringen, kann der Verkehr endgültig aufrecht erhalten werden.“

Und er wurde aufrecht erhalten, so ergeben Recherchen im Internet. Durch ein Darlehen der Kreisverwaltung Oschersleben in Höhe von einer halben Million Mark wurde der Weiterbetrieb gesichert, kann hier auf einer Seite nachgelesen werden.

In dem Schreiben zur Beantragung des Darlehens sei damals aufgeführt worden, dass 2500 bis 5000 Meter Schienen und fünf Weichen benötigt werden, ferner seien vier Lokomotiven instand zu setzen.

Der Verkehr auf der 24 Kilometer langen Strecke, die 1899 eröffnet wurde, konnte jedenfalls weiterlaufen, zumindest bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Mitte April 1945 erreichten amerikanische Truppen das Gebiet des Kreises Oschersleben und der Verkehr auf der Oschersleben-Schöninger Eisenbahn sei zum Erliegen gekommen, wird berichtet.

Im September 1945 wurde der Verkehr mit geliehenen Betriebsmitteln in der sowjetischen Besatzungszone wieder aufgenommen. Die Strecke endete nun allerdings hinter Hötensleben, ist bei Wikipedia nachzulesen. Die Strecke von Hötensleben bis Schöningen auf westlicher Seite wurde bald abgebaut.

Auf dem Gebiet der DDR fuhren in Regie der Deutschen Reichsbahn noch bis zum Dezember 1969 Züge. Bei der Stilllegung soll der letzte Zug im Dezember 1969 auf dem Rückweg von Hötensleben nach Oschersleben übrigens im Schnee stecken geblieben sein, vielleicht erinnern sich ehemalige Eisenbahner noch daran. Damals meldete der Wetterdienst ein Monatsmittel von -5,4 Grad Celsius. Der registrierte Niederschlag von 46 Litern pro Quadratmeter ging komplett als Schnee nieder.