Wulferstedt l Als Gustav Lauenroth am Morgen die Flügel der Windmühle mit Segeln überzieht, damit sie später der Wind in Bewegung setzt, sind schon die ersten Besucher da und schauen mit großem Interesse zu. Gut acht Stunden später hat Lauenroth noch immer etliche Zuschauer, als er diese Segel wieder einholt.

Und auch in der Zeit dazwischen ist auf dem Gelände der Wulferstedter Bockwindmühle auf dem Kniel eine ganze Menge los. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Die Besucher reisen mit Autos und Motorrädern genauso an, wie sie mit Fahrrädern oder zu Fuß die Mühle erreichen.

Alle Vereinsmitglieder bringen sich ein

Und diese kleinen und großen Gäste sind längst nicht alle aus dem Landkreis Börde oder aus anderen Gegenden Sachsen-Anhalts. Auch Mühlenfreunde aus Thüringen, aus Niedersachsen und aus Mecklenburg-Vorpommern werden an diesem Deutschen Mühlentag in Wulferstedt begrüßt.

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Vor allem von Irina Weiher, der Vorsitzenden des gastgebenden Fördervereins Bockwindmühle Wulferstedt. Wobei die Vereinschefin nur hin und wieder eine Hand frei hat, um die Besucher ganz persönlich in Empfang zu nehmen. Denn sie steht an einem der Verpflegungsstände, versorgt die Gäste beispielsweise mit Bratwürsten, Steaks, Bouletten und Kartoffelsalat.

„Unser Verein hat acht aktive Mitstreiter und drei Ehrenmitglieder, die heute alle ihren Beitrag leisten“, sagt Irina Weiher. Die sich zudem sehr darüber freut, dass sie und ihre Leute auch noch von anderen Dorfbewohnern und von ihrer Familie unterstützt werden. „Das ist sehr wichtig für uns, um solch einen Tag überhaupt meistern zu können.“

Lob für Wulferstedter Jugendliche

Und in diesem Zusammenhang lobt die Vereinsvorsitzende vor allem etliche Wulferstedter Jugendliche, auf die sie sich seit Jahren verlassen kann und die die Besucher unter anderem mit Kuchen und Kaffee versorgen. Was gar nicht so einfach ist, da es auf dem Mühlengelände nach wie vor keinen funktionierenden Strom- anschluss gibt. Und so muss allein am Nachmittag noch viermal Kaffee-Nachschub aus dem Dorf geholt werden. „Aber auch das hat ganz prima geklappt“, sagt Irina Weiher.

Während sich also die einen um die Verpflegung kümmern, sind andere Vereinsmitglieder und Helfer dabei, über die Mühle, also über deren Funktionsweise und Geschichte zu informieren. Was von den Besuchern sowohl auf dem Freigelände als auch in der Mühle selbst sehr gern in Anspruch genommen wird.

Allen voran ist da Gustav Lauenroth der Ansprechpartner. Hat er doch nicht nur viel Ahnung von der Materie, sondern eine besondere Beziehung zu dieser sanierten Bockwindmühle. Denn sie ist aus den Rudimenten einer Mühle wiederaufgebaut worden, die einst in Dreileben gestanden und seiner Familie gehört hat.

Wiederaufbau nach verheerendem Brand

Hintergrund dieser Geschichte ist die Tatsache, dass die Wulferstedter in den 90er Jahren unter Leitung ihres damaligen Bürgermeisters Willi Grosse mit sehr viel Engagement auf dem Kniel die zu dieser Zeit ziemlich heruntergekommene Breitmeiersche Mühle wieder aufgebaut hatten. Die dann aber im Oktober 2002 in einer Unwetternacht völlig abgebrannt ist.

Womit sich Willi Grosse jedoch nicht abgefunden und einen Weg gesucht hat, um hier noch einmal eine Windmühle zu errichten. Was ihm auch mit Unterstützung der Familie Lauenroth sowie mit Hilfe von Geld aus Fördermittelprogrammen und von weiteren Sponsoren gelungen ist.

Was nun ein Vermächtnis des inzwischen verstorbenen Willi Grosse ist, um das sich jetzt Tochter Irina Weiher gemeinsam mit ihren Mitstreitern kümmert. „Und solche erfolgreichen Veranstaltungen wie dieser Mühlentag geben uns viel Motivation, weiterzumachen“, sagt Irina Weiher.

Die sich mit Blick in die Zukunft freut, dass die künftigen Schulkinder der Hamersleber Kindertagesstätte auf dem Windmühlengelände ihre Kita-Abschiedsparty feiern und zudem ankündigt, dass der Förderverein auch in diesem Jahr im Herbst zu einem Drachenfest einladen wird.