Ummendorf l Frei übersetzt bedeutet die im Internet kursierende „Trashtag Challenge“ die Herausforderung zur Müllmarkierung. „Es geht also darum, einen stark vermüllten Bereich zu entdecken und davon ein Foto zu machen“, erklärt Christian Grabow, Schulsozialarbeiter an der Ummendorfer Grundschule, der die Herausforderung mit den Kindern angenommen hat. Und weiter: „Das ist freilich nur nur der erste Teil der Aktion, anschließend wird der Müll in Säcken gesammelt und das Endergebnis ebenfalls fotografiert. Es läuft somit auf die klassische Vorher-Nachher-Konstellation hinaus, die dann ins Netz gestellt wird, um anderen zu zeigen, wie man sich für die Umwelt engagieren und dass es sogar Spaß machen kann.“ Die Challenge sei „eine Inspiration für eine bessere Welt.“

Ein Signal der Mitbestimmung

„Unsere Schule ist seit jeher für die Umwelt aktiv und hat dies schon in verschiedenen Projekten gezeigt“, sagt Schulleiterin Liane Helmecke. Die Unterstützung in dieser Sache sei also selbstverständlich gewesen. „Die Schüler waren auch schnell dafür zu begeistern, wobei die Organisation von unserem Schulsozialarbeiter übernommen wurde“, so Helmecke, nachdem an jenem Freitag sämtliche Klassen in der dritten und vierten Unterrichtsstunde mit Grabow und den Klassenlehrerinnen losgezogen waren, um die Umgebung vom Müll zu befreien.

„Die ‚Fridays for future‘ sind ja derzeit in aller Munde und polarisieren leider auch“, lenkt Christian Grabow den Blick auf die weltweite Protestaktion von Schülern. „Mit ihnen demonstrieren aber auch viele Lehrer und Eltern freitags während der Schulzeit für eine zukunftsorientiertere Klimapolitik. Ich denke, das ist auch eine einzigartige Chance, um das Verständnis von Demokratie und Mitbestimmung zu fördern. Und egal, welche Meinung man dazu vertritt, Umweltschutz geht alle an und beginnt stets im persönlichen Bereich.“ Ein wichtiger Aspekt dabei sei die eigenene Einstellung zum Thema Müll. So sei er mit den Schülern auch einigen wesentlichen Fragen auf den Grund gegangen, die von vielen Menschen jedoch achtlos abgetan oder ignoriert werden: Wieviel Müll produziere ich eigentlich? Achte ich auf die richtige Trennung und eine fachgerechte Entsorgung?

Bilder

Entsorgung hätte Schule überfordert

Unterwegs dauerte es nicht lange und Empörung und Unverständnis prägten die Wortmeldungen der Kinder: „Warum wirft man seine Zigarettenkippen einfach in der Gegend umher?“ – „Warum raucht man überhaupt?“ – „Wer ist denn so blöd und schmeißt seine alten Autoreifen an den Ökoteich?“

Zwei Gruppen stießen auf so viel Unrat, dass sie ihn nicht in den Säcken davontragen konnten und ein Handwagen besorgt werden musste. „Insbesondere die Umgebung des Ökoteichs war sehr stark vermüllt, was viele traurig, wütend und fassungslos gemacht hat“, sagt Christian Grabow.

Kinder sind über Mengen entsetzt

Zwei Stunden später waren alle wieder beim Schulhof angelangt und entsetzt über die Menge und „Vielfalt“, die zusammengetragen wurde. „Der Müll wurde freundlicherweise mit der Unterstützung durch den Bürgermeister fachgerecht entsorgt, da dies die Kapazitäten der Schule überstiegen hätte“, so Grabow und fasst zusammen: „Ummendorf ist nun wieder etwas sauberer, und die Kinder haben einen praktischen Eindruck davon bekommen, wie wichtig es ist, Müll zu trennen, fachgerecht zu entsorgen oder gar nicht erst zu produzieren.“

Auch das Wissen um die Gefährlichkeit von Müll in der Natur habe anschaulich vermittelt werden können. Grabow dazu: „Wenn Vögel Plastikmüll zum Nestbau verwenden, kann sich Wasser im Nest sammeln und die Brut ertränken oder unterkühlen. Zigarettenstümmel beinhalten mehr als 4000 verschiedene Chemikalien, von denen viele hochgiftig sind und brauchen meist mehrere Jahre, bis sie in der Umwelt zersetzt sind. Gelangen diese in Gewässer haben sie oft tödliche Folgen für Fische und Kleinlebewesen. Durch Regen und Verwitterung gelangen diese Stoffe auch in das Grundwasser und über Tiere und Pflanzen auch in die Nahrungskette des Menschen.“