Beckendorf l Rolf Labrenz hat von Starkregen mehr als genug. Gleich zweimal ist sein Haus in den vergangenen Wochen überflutet worden. Zurück blieben Schlamm und viel Ärger. Das erste Mal war es am 13. Juni soweit. Das Wasser kam die Straße „Zum Hohen Holz“ vor dem Haus entlang geflossen und den Hang hinter dem Haus herab. Es spülte Schlamm in den Flur, in die Waschküche, den Keller, den Heizungsraum und die Außentoilette. Unterstützt von Freunden und Nachbarn begann Rolf Labrenz mit dem Aufräumen.

Doch bei dem einmaligen Vorfall sollte es nicht bleiben. Kaum waren die Schäden an Waschküche und Außentoilette behoben, gab es den nächsten Starkregen. Das war am 18. August. An diesem Tag erlebten mehrere Oschersleber Ortsteile ein starkes Unwetter. „Zwischen 15.15 und 15.30 Uhr fing es zu regnen an“, erinnert sich Rolf Labrenz. Dieses Mal war der Niederschlag viel stärker als im Juni. Wie ein Fluss strömte das Wasser die Straße entlang. Teile der Pflasterung wurden ausgespült. Das Grundstück von Rolf Labrenz wurde wie viele andere auch zum zweiten Mal in Mitleidenschaft gezogen.

„In der Stube, im Schlafzimmer, in der Küche: Überall lag der Schlamm“, blickt der 70-Jährige zurück. „Wenn man das ein paar Wochen zuvor schon einmal hatte, ist man pappesatt.“ Die ganze Wohnung im Erdgeschoss müsse nun neu gemacht werden. Wie Rolf Labrenz erklärt, müssten die Fußböden herausgerissen werden. Anschließend kämen zunächst Bautrockner zum Einsatz. Wie hoch der Sachschaden insgesamt ist, kann der Beckendorfer nicht sagen. Ein Sachverständiger von der Versicherung sei bereits da gewesen, um alles zu begutachten. Eine Zahl habe er aber noch nicht genannt.

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Rolf Labrenz weiß, dass es neben ihm auch viele andere Menschen getroffen hat. „Das war für alle ein schwerer Schlag.“ Aber es gibt auch einige Dinge, die ihn ärgern. Am Fuß des Hanges, von dem große Wassermengen herabströmten, gibt es eine Reihe von Häusern. Auf ihrer Rückseite stehen verschiedene Mauern. Früher, so Rolf Labrenz, gab es dazwischen immer wieder Lücken. Nach starken Regenfällen habe das Wasser dort hindurch fließen können. Heute sind die meisten Mauerabschnitte miteinander verbunden und bilden ein fast durchgehendes Hindernis. An ihm sei das Wasser entlang geströmt - auf das Haus von Rolf Labrenz zu.

Fehlende Unterstützung

Außerdem hätte sich der Beckendorfer Unterstützung durch den Ortschaftsrat gewünscht. Die Mitglieder hätten nach den Starkregenereignissen an vielen Stellen nach dem Rechten gesehen. „Aber bei uns hat keiner nachgefragt oder nachgeschaut. Vermutlich haben sie gedacht, dass wir nicht betroffen wären“, Rolf Labrenz.

Von anderer Seite habe er dagegen viel Unterstützung erfahren. Sowohl nach dem 13. Juni als auch nach dem 18. August hätten Freunde und Nachbarn mehrere Tage lang mit angepackt. Auf diese Weise war ein rundes Dutzend Personen im Einsatz, um Wasser und Schlamm vom Grundstück zu bekommen und die gröbsten Schäden zu beseitigen. Bedanken möchte sich Rolf Labrenz darüber hinaus auch bei Utz Hehne, dem Wirt des Neindorfer Kruges. Er habe die Helfer bei ihrem Einsatz unentgeltlich entsorgt.

Wolfgang Nehring ist der Ortsbürgermeister von Beckendorf und Neindorf. Gemeinsam mit den beiden Stadträten Wolfgang Zahn und Olaf Pankow lädt er heute zu einer offenen Bürgersprechstunde ein. Sie beginnt um 17.30 Uhr vor der Feuerwehr. Wie Wolfgang Nehring gegenüber der Volksstimme erklärte, solle es um die Überflutungen, ihre Ursachen, Folgen und denkbare Konsequenzen gehen. „Was müssen wir als Kommune, Landwirte und Flächeneigentümer tun? Darüber wollen und müssen wir diskutieren“, so der Ortsbürgermeister. Auch bei der nächsten Sitzung des Ortschaftsrates am Dienstag, 1. September, werde das Thema eine Rolle spielen. Beginn ist um 19 Uhr im Beckendorfer Dorfgemeinschaftshaus.

Es solle besprochen werden, welche Ursachen bei Überschwemmungen eine Rolle spielen und welche Gegenmaßnahmen sinnvoll seien. Wahrscheinlich werde es am Ende einen Aktionsplan brauchen, der verschiedene Schritte kombiniert und bei dem mehrere Partner zusammenwirken, so Wolfgang Nehring.