Oschersleben l Stadtratsvorsitzender Dr. Wolfgang Nehring (CDU) begrüßte am Donnerstagabend im Saal der Oschersleber Burg Vertreter der Vereine, Feuerwehren, Stadträte, aus Politik, Wohnungswirtschaft, Polizei, Kirche und Wirtschaft und damit so viele Menschen, dass im Burgsaal nicht alle Gäste einen Platz fanden. Seinen Versprecher, Oschersleben würde erst 125 Jahre alt werden, umschiffte er gekonnt mit den Worten: „Man fühlt sich eben jünger.“

Der Stadtratsvorsitzende hielt einen Ausblick auf die zahlreichen Veranstaltungen, die nun in den kommenden Monaten dieses Jubiläumsjahres folgen werden. Ein Jahr lang habe ein Festkomitee, beraten, abgewägt, Veranstaltungen eingefügt. Wolfgang Nehring rief die Bürger auf, sich einzubringen, mitzumachen. „Machen Sie mit, feiern Sie mit! Wenn ich in diesen gefüllten Burgsaal schaue, weiß ich: Es wird gelingen“, so Nehring. Aber er schaute ebenso auf den 26. Mai, dem Wahlsonntag. „Längst Überfälliges muss angepackt werden. Bei der Arbeit in den nun neu zu wählenden Gremien sollte stets das Wohl des Bürgers im Mittelpunkt stehen, sollte ein konstruktives Miteinander im Vordergrund stehen.“

Bürgermeister Benjamin Kanngießer reiste in seiner Festrede mit den Zuhörern zunächst in das Jahr 994. Am 23. November 994 unterschrieb der damals 14-jährige Otto III. in Bruchsal die Urkunde zur Verleihung von Münz- und Marktrechten für Quedlinburg. In dieser Urkunde wird auch Oschersleben erwähnt. Damit ist sozusagen verbrieft, dass es die Stadt an der Bode zu jener Zeit schon gab. Nicht bekannt ist hingegen, in welcher Atmosphäre Otto III seine Unterschrift auf das wichtige Blatt Papier setzte. „Einfach im Vorbeigehen, getreu dem Motto: Freitag ab eins macht jeder Seins?“, fragte der Bürgermeister in die Runde, ehe er seine Zeitreise beendete und 1025 Jahre später im Hier und Jetzt wieder ankam und zugleich in die Zukunft der Bodestadt schaute. Seine ersten Worte für 2019 galten dem Breitbandausbau mit einem hochleistungsfähigen Glasfasernetz. Kanngießer ist überzeugt, dass das Projekt lange genug in der Warteschleife hing, nun Taten folgen. Das Stadtoberhaupt verwies darauf, dass das neue Stadtlogo keineswegs das Stadtwappen ersetze und dass es auf der neuen Internetseite der Stadt neben der Rubrik „Sags uns einfach...“, in der die Bürger auf Probleme aufmerksam machen können, nun ebenso ein Online-Fundbüro gibt.

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Nach dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept für die Kernstadt solle nun mit dem Blick in die Zukunft der Ortsteile begonnen werden. Neue Feuerwehrgerätehäuser für Altbrandsleben, Oschersleben und Hordorf sind geplant wie auch eine neue Schwimmhalle und ein Jugendzentrum. Mit Hilfe von Fördermitteln kann die Diesterweg-Grundschule saniert werden.

Bürgermeister Benjamin Kanngießer hatte in seiner Rede vom ersten Neujahrsempfang gesprochen. Angemerkt werden muss an dieser Stelle, jedoch, dass es nicht der erste war. „1991 gab es schon mal einen Neujahrsempfang “, betont CDU-Stadträtin Ingeburg Gerke.

Mit Akkordeon und Domra gestalteten Ala und Gennadiy Vinogradski musikalisch die Auftaktveranstaltung zum Stadtjubiläum. Sohn Denis Vinogradski bewies zudem einmal mehr sein hohes Können beim Gitarrenspiel. Bettina Prokert und Maxim Hofmann setzten das Oschersleber Stadtjubiläum kabarettistisch in Szene und hatten die Lacher auf ihrer Seite. So bekäme die Oschersleber Firma Agrarfrost in diesen Tagen ganz neue Bedeutung, könne man sich in der Bodestadt als Boxenluder betätigen. Gegenseitig machten sich die Kabarettisten vom Leipziger Central Kabarett auf einen gewaltigen Fauxpas aufmerksam: „Wir kommen ausgerechnet mit Wurzener Erdnussflips in eine Kartoffelregion.

Alles in allem war der Neujahrsempfang samt offiziellem Auftakt der 1025 Jahr-Feier eine rundum gelungene Veranstaltung, die allerdings mit einem dicken Wermutstropfen versehen werden muss: „So wie die ehemaligen Landräte Burkhard Kanngießer und Hans Walker eingeladen worden waren, hätten hier auch die ehemaligen Bürgermeister Karl-Heinz Skrzypczak, Dr. Hans-Joachim Venzke und erst recht Dieter Klenke, der über 20 Jahre Bürgermeister von Oschersleben war, dabei sein müssen. Sie gehören zu jeder Veranstaltung, die im Zusammenhang mit dem Stadtjubiläum steht, dazu“, so Ingeburg Gerke.