Oschersleben l Was die Corona-Krise auch klar macht, es scheint mehr Musiker in Oschersleben und Umgebung zu geben, als jemals gedacht. Im Internet kursieren die tollsten Videos, in denen die Leute ihre Hits zum besten geben und damit die Nachbarschaft unterhalten.

Üben ohne Feedback

Die Musikschulen, in denen die Nachwuchsmusiker anfangen, haben es zur Zeit besonders schwer: Wer übt schon gern ganz allein wochenlang ohne Feedback? Die Kreismusikschule „Kurt Masur“ in Oschersleben hat in dieser Zeit auch Online-Unterricht angeboten. Der Online-Unterricht sei jedoch nicht gleichzusetzen mit physischem Unterricht, sagt Bern Hohmann. „Beim Musizieren passiert mehr als Hören und Sehen“, so der Leiter der Kreismusikschule. Glücklicherweise konnten die Lehrer den regulären Unterrichtsbetrieb am gestrigen Donnerstag wieder aufnehmen. Während alles, was Tasten und Saiten hat, bereits Anfang Mai wieder vorsichtig an den Start gehen durfte, mussten die Lehrer für Blasinstrumente noch Wochen warten. Alles für einen Schutz vor Tröpfchen und Aerosolen, wie man sie Blasinstrumenten verstärkt zuschreibt. Seit gestern ist auch Gesangsunterricht unter Auflagen wieder gestattet.

Die Kreismusikschule baute direkt nach dem vorläufigen Aus für den Präsenzunterricht ein Online-Angebot auf. „Die Bereitschaft, auf Alternativ-Unterricht einzugehen, war bei allen sehr groß“, sagt der Schulleiter. Trotzdem bleibt der Präsenzunterricht das Mittel der Wahl. „Die Online-Angebote können nach Corona eine Ergänzung zum herkömmlichen Unterricht und eine zusätzliche Flexibilisierung der Unterrichtsangebote darstellen“, sagt Hohmann. Der Sound über den Laptop oder das Telefon mag nicht schlecht sein, sei auf Dauer jedoch für den Musiker sehr belastend. Was der Musiker in der Online-Zeit ebenfalls vermisst habe, sei das gemeinsame Spielen mit den Schülern. Grund sei der Zeitversatz beim Streaming. „Selbst wenn er teils nur gering ist, geht das bei Musik halt gar nicht.“

Alles wieder "live"

Aber das ist inzwischen Vergangenheit, denn jetzt ist alles wieder „live“ und „in time“ in der Musikschule. „Musizieren hat mit direkter Interaktion zu tun“, sagt der Leiter aus Oschersleben.

Die Musikschule hat die Corona-Krise bis jetzt gut überstanden. „Es hätte schlimmer kommen können. Unter den gegebenen Umständen sind wir sehr zufrieden“, sagt der Leiter der Oschersleber Einrichtung. Sehr erleichtert ist er darüber, dass alle Schüler treu geblieben sind. Es gäbe für das neue Schuljahr bereits 50 Schüler auf der Warteliste, aber nur noch vier freie Stunden. „Wir hatten große Angst vor Abmeldungen, aber die Nutzer halten uns die Treue“, so Hohmann. Zum Schuljahresende hin sei eine ganz normale Fluktuation zu verzeichnen. Auch die Unterrichtsstunden in Kitas und Schulen finden wieder statt. „Allerdings gibt es noch Träger, die uns noch nicht reingelassen haben“, sagt der Musikschulleiter.

Stimmen verstummten

Das Coronavirus hat seit Beginn der Pandemie viele Stimmen zum Verstummen gebracht. „Aber geräuschlos waren wir nur nach außen hin“, sagt Schulleiter Hohmann. Im Inneren habe man die Zeit genutzt, um „mal Kraft zu tanken und sich in Ruhe um junge Talente zu kümmern“, so Hohmann.