Harbke l „Bei den sommerlichen Temperaturen, freut man sich, wenn es in der Kirche angenehm kühl ist“, sagte der Pfarrer Peter Müksch zur Begrüßung. „Das Motto des zweiten Konzerts im Harbker Orgelsommer lautet heute „Sauerstoff für die Seele, Orgelmusik mit frischer Luft aus der Natur“.“

Mücksch stellte den Musiker Timo Beek aus den Niederlanden vor. „Herr Beek hat sich aus dem westfälischen Gonau zu uns auf den Weg gemacht und wird uns heute neben Musik mit frischer Luft auch auf eine Reise durch die Geschichte unserer Orgel mitnehmen.“ Für sein Konzert hatte Timo Beek unter anderem Stücke von Michael Praetorius ausgewählt – einer Zeit, als noch die erste Orgel in St. Levin stand. Über die Entstehung der jetzigen Orgel bis hin zu ihrer Vollendung mit dem Rückpositiv und der Musik von Bach sollte sich der musikalische Reigen spannen. Damit übergab Mücksch das Wort an den Virtuosen, der eine kurze Einführung zu den von ihm ausgewählten Musikstücken gab.

Der 1976 geborene Beek studierte Orgel, Kirchenmusik und Cembalo an den Musikhochschulen von Zwolle, Amsterdam und Enschede. Seine Examen legte er 2005 und 2012 ab. Um seine Fachkenntnis und Kenntnis der alten Musik weiter zu vertiefen, studierte Timo Beek in Utrecht und war Teilnehmer bei Meisterkursen in den Niederlanden und Deutschland.

Als Konzertorganist hat er sich eine breite Konzertpraxis erworben und gastierte in den Niederlanden, Deutschland, Österreich, Italien und Schweden. Er wird regelmäßig als Begleitmusiker für Chöre, Instrumentalsolisten und Sänger an der Orgel und am Cembalo eingeladen.

Rundfunkaufnahmen erfolgten in den Jahren 2003 und 2008. Er ist freiberuflich in vielerlei Weise als Musiker und Kirchenmusiker tätig. So leitete er Workshops in Bezug auf das 2013 erschienene neue Liedbuch der Protestantischen Kirche der Niederlande und wirkte 2012 bei CD-Aufnahmen des „The Netherlands Symphony Orchestra“ mit.

Bezug zur Natur

Für sein Konzert in Harbke hatte Timo Beek nicht nur ganz unterschiedliche Werke bedeutender Komponisten mit Bezug zur Natur ausgewählt, sondern für jeden Besucher auch ein liebevoll gestaltetes Programmblatt mitgebracht. Darauf gab es nicht nur Informationen zu den Komponisten und ihrer Musik, es wimmelte auch von Bienen, Blumen, Schmetterlingen und sogar Krebsen.

Timo Beek verstand es, sie mit seiner Musik zum Leben zu erwecken. So begeisterte er sein Publikum mit der Leichtigkeit der Interpretation von „All in a garden green“ von William Byrd oder dem „Capriccio sopra il Cucu“ von Johann Kaspar Kerll. Kerlls Werke sind stark italienisch geprägt und in das Capriccio lässt er den Ruf des Kuckucks sehr naturgetreu nachahmen. Wer genau mitgezählt hat, konnte den Vogel 160-mal hören.

Aber nicht nur der Kuckuck wurde von Timo Beek auf der Königin der Instrumente musikalisch zum Leben erweckt. Bei den Stücken von Francois Couperin waren nicht nur die typischen, französischen Verzierungen zu hören, sondern auch die Bienen, der Tanz der Vögel, die verliebte Nachtigall und natürlich die Schmetterlinge.

Gerade die musikalischen Verzierungen stellen an den Organisten und sein Können eine große Herausforderung dar. Dabei gilt es auch immer wieder, die Registrierung der Musik oder auch der Stimmung innerhalb eines Stücks anzupassen. Unterstützung hatte Timo Beek hier durch Dr. Antje Kovrig. Mit dem kraftvollen Präludium und Fuge in B-dur endete ein musikalischer Nachmittag, der allen Besuchern noch lange in guter Erinnerung bleiben wird.

„Das war ein herausragende Darbietung, die nicht nur Sauerstoff für die Seele, sondern auch frische, musikalische Luft in die St. Levin Kirche brachte“, so Pfarrer Peter Mücksch. Nach dem verdienten Applaus der versammelten Musikfreunde bedankte er sich bei Timo Beek – wie in Harbke üblich – mit einem ganz besonderen „Strauß aus Pastors Garten“.

Der Hausherr lud alle Liebhaber der Orgelmusik für Sonntag, den 5. August um 17 Uhr wieder nach Harbke ein. Dann wird wieder einmal der Braunschweig Rüdiger Wilhelm zu Gast sein. Er spielt Kompositionen von Delphin Strunck, Dietrich Buxtehude, Johann Sebastian Bach und Johann Adrian Junghanns.