Langenweddingen l Gleich der erste Anlaufpunkt im Rahmen der Begehung am Dienstagnachmittag zeigt, was den Einwohnern unter den Nägeln brennt. An der Grundschule warten bereits Vertreter der Elterninitiative zum Erhalt der Einrichtung. „Lasst unsere Schule im Dorf“ steht in großen Lettern auf einem Plakat, welches auch die bisherigen Aktionen der Mütter und Väter zeigt.

„Unsere Schule hier soll geschlossen werden, wenn andere Schulen im Sülzetal mit Mitteln aus dem Förderprogramm ‚Stark III’ saniert worden sind“, erklärt Ortsbürgermeisterin Jutta Spurek (Die Linke) den zuständigen Mitarbeitern der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt. Lars Appelt und seine Kollegin Heike Winkelmann werden im Auftrag der Kommune das Integrierte Gemeindliche Entwicklungskonzept (Igek) der Einheitsgemeinde Sülzetal koordinieren und entwickeln.

Strukturen für Familien vorhanden

„Unsere Schule ist saniert und bietet für die Kinder kurze Wege. Außerdem kann hier Super-Sportunterricht durchgeführt werden und die ebenfalls erst vor wenigen Jahren renovierte Turnhalle in unmittelbarer Nachbarschaft bietet beste Voraussetzungen. Mit den dortigen Vereinen haben wir tolle Kooperationen“, erzählt Sportlehrerein Kathrin Schwieger.

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Sollte die Schule nicht mehr sein, werde viel zusammenbrechen. „Wir wollen weiterhin mit der Gemeinde im Gespräch bleiben. Wir kennen die Haushaltssituation, hoffen aber trotzdem auf einen Weiterbestand“, betont eine Mutter der Elterninitiative. Laut Schulleiterin Simone Hoppe habe das Sülzetal Kapazitäten für drei Grundschulen. 70 Mädchen und Jungen würden derzeit in Langenweddingen unterrichtet. Vorschläge, beispielsweise mit der Sekundarschule im Ort zusammenzugehen, seien stets von der Verwaltung und den Gemeinderäten negiert worden.

„Die Strukturen für Familien, die ja ganz wichtig sind für die Entwicklung einer Gemeinde, sind hier also im Moment vorhanden“, versteht Lars Appelt das Ansinnen der Anwesenden. Doch laut den aktuell vom Landkreis vorgelegten Zahlen werde auch in Langenweddingen die Bevölkerung künftig älter, weil der Nachwuchs fehlt. „Wie sehen sie denn die demografische Entwicklung in ihrem Ort“, fragt er in die Runde.

Offene Einzugsbereiche

Das ist für die Schulleiterin nicht entscheidend. Durch die offenen Einzugsbereiche sei die Schule gefordert, dafür zu sorgen, stets ausgelastet zu sein. Eine Frage in die Runde beweist zudem: Der Großteil der anwesenden Eltern sind zugezogen, die Bedingungen in Langenweddingen zum Leben seien ideal. „Wir brauchen mehr B-Pläne. Im Ort muss mehr gebaut werden können“, fordert Einwohnerin Sabrina Ostermann. So könne für weiteren Zuzug von Außerhalb gesorgt werden.

„Wir werden das Thema auf jeden Fall ganz neutral mit ins Igek aufnehmen“, verspricht Lars Appelt. Doch betont er auch, dass es sich beim Thema um eine rein politische Entscheidung handelt. Nach der Besichtigung der Klassenräume geht es weiter zum nächsten Haltepunkt der Ortsbegehung. Ziel ist die Turnhalle nebenan.

Sechste Tour im Sülzetal

Laut Lars Appelt ist das die mittlerweile sechste Tour im Sülzetal in den vergangenen zwei Wochen. Dabei sei die Bürgerbeteiligung in den einzelnen Ortschaften recht unterschiedlich gewesen, „in einigen sogar sehr enttäuschend“, stellt Appelt fest. Dennoch habe er sich einen guten Eindruck von der Gemeinde machen können. „Dabei waren Spielplätze als Treffpunkt für vor allem junge Familien immer wieder Thema“, erinnert sich der Koordinator. Aber auch die regelmäßigen Seniorentreffen seien immer wieder angesprochen worden.

Zwei Ziele verfolgt die Gemeinde mit dem Integrierten Gemeindlichen Entwicklungskonzept. Einerseits sollen künftige Maßnahmen in den Orten in einem Fahrplan zusammengetragen werden. Andererseits dient das Igek künftig den Fördermittelentscheidern als Handreichung. „Wir wollen schauen, wie es sich aktuell in der Gemeinde lebt und was künftig zur Verbesserung zu tun ist“, erzählt Lars Appelt. Um so wichtiger seien daher die Meinungen und Ideen der Einwohner selbst.

Weitere Anlaufpunkte der Ortsteilbegehung in Langenweddingen sind die Turnhalle und die Kindertagesstätte „Spatzennest“. Letztere soll mit „Stark III“-Mitteln saniert werden. Am alten Sportplatz angekommen stellt sich heraus, dass das Areal mit neuem Spielplatz, dem Schill-Denkmal und der Skateranlage den Einwohner besonders am Herzen liegt. Als Treff verschiedener Generationen soll das Gelände künftig weiterentwickelt werden, wünschen sich die Bürger. Vor allem die Wegebeziehungen untereinander sollten unbedingt hergestellt werden.

Barrierefreiheit als weiterer Wunsch

Wieder am Bürgerhaus am Jubelberg angekommen, erzählen die Bürger, wie wichtig ihnen das Gebäude als Dorfgemeinschaftshaus ist. Hier veranstalten unter anderem DRK und Heimatverein Kaffeenachmittage oder Seniorentreffen. Gerade für jene Generation sei Barrierefreiheit wichtig. Josef Kluba reicht das nicht, er mahnt die Trockenlegung der Kellerräume an, um das Gebäude auch künftig als zentralen Anlaufpunkt für alle Generationen zu erhalten.

Für Ortsbürgermeisterin Jutta Spurek ist die Ortsbegehung am Ende ein voller Erfolg. „Die Leute haben viele tolle Ideen beigesteuert“, meint die Ortschefin und ergänzt: „Ich erwarte nun, dass die Dinge, die hier angesprochen worden sind, entsprechend der Prioritäten Berücksichtigung finden. Das heißt nicht nur für mich, sondern für die Langenweddinger generell, dass die Grundschule ganz oben steht.“ Straßen- und Fußwegebau sollten, obwohl nicht Inhalt des Igek, nicht aus den Augen verloren werden.

Die nächste Ortsteilbegehung findet am 17. Mai ab 10 Uhr in Sülldorf statt. Treffpunkt ist das Büro des Ortsbürgermeisters. Ein Termin für den Ortsteil Schwaneberg wird noch bekanntgegeben.