Oschersleben l „Eigentlich haben wir mal gedacht, wir sind mit den Pfarrhäusern fertig. Nun fangen wir von vorn an“, sagt Gemeindekirchenratsvorsitzender Rainer Bückner und schaut sich um. Gemeinsam mit Arnulf von Knobbe und Architektin Elke Weinrich steht der Oschersleber in dem „hohlen Vogel“, zu dem das Pfarrhaus aus dem 17. Jahrhundert in den vergangenen Wochen und Monaten geworden ist. Von den Fachwerken stehen nur noch die Gefache, sämtlicher Putz ist abgeschlagen, jeder Balken ist freigelegt.

„Ein Sammelsurium von Baumaterialien wurde seinerzeit bei der Sanierung 1990 verwendet“, erklärt Elke Weinrich und zeigt auf die Gasbetonsteine, die noch heute die Wände „zieren“.

„Gasbeton ist für Fachwerkbauten nicht gut, weil es ein saugender Stein ist“, erklärt die Architektin weiter. Andererseits haben die Gastbetonsteine nach damaligen Stand der Technik das Gebäude gerettet. Nun allerdings sollen und müssen die Steine durch Lehmziegel ersetzt werden.

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In unmittelbarer Nähe der St. Nicolai Kirche, der Marktkirche von Oschersleben, stehen drei Pfarrhäuser. Zwei, beispielsweise das Pfarrwitwenhaus, sind in der Kornstraße zu finden, das dritte ist direkter Nachbar des Gotteshauses. Nach der Sanierung 1990 fanden in dem Gebäude das Archiv, die Kirchengemeindeverwaltung, das Büro des Pfarrers und auch das Quassel-Café seinen Platz.

Schäden vor drei Jahren entdeckt

Vor gut drei Jahren wurde bei der Sanierung des Daches festgestellt, dass das historische Gebäude Schäden aufweist. Das alt ehrwürdige Pfarrhaus ist regelrecht in Schieflage geraten. Die Dachbalken drücken nach außen. Zu den fest gestellten Schäden gehöre auch der echte Hausschwamm. Podeste und Treppen seien befallen und kaputt.

Mithilfe von Fördermitteln, speziell aus dem Sicherungsprogramm Stadtumbau Ost, in Höhe von 413.900 Euro konnte die Sanierung des Pfarrhauses, eines der ältesten Gebäude Oscherslebens aus dem Jahr 1661, damit beginnen, dass sämtliche Balken und Holzteile frei gelegt wurden und damit Bauelemente aus DDR-Zeiten entfernt worden sind oder noch werden. Dabei sei beispielsweise auch festgestellt worden, dass Querwände nicht mehr im „Gesamtkonstrukt“ eingebunden sind. „Die müssen neu gemacht werden. Und zwar wird dies in historischer Bauweise erfolgen. Die Zimmermannsarbeiten beginnen am 8. Mai“, erklären Elke Weinrich und Rainer Bückner.

Mehrere Jahre werden wohl ins Land gehen, ehe das Pfarrhaus wieder ein Haus ist, in das Leben einziehen kann, denn auch die nötigen Finanzen müssen aufgebracht werden. Den Ausbau des Gebäudes muss die Kirchengemeinde gemeinsam mit dem Kirchenkreis finanziell stemmen.

Im dann sanierten Haus werden zwei Wohnungen zu finden sein, wie auch Gemeinde-und Büroräume und das Archiv im Erdgeschoss. „Ein wichtiges Vorhaben ist der Einbau von Toiletten, die dann über einen barrierefreien Zugang erreichbar sind. Die Toiletten liegen uns besonders am Herzen, da bei Konzerten und anderen Veranstaltungen in St. Nicolai die bislang vorhandenen Toiletten nicht ausreichen“, erklärt Rainer Bückner.