Osterweddingen l Die Mitglieder des Bauausschusses des Sülzetaler Gemeinderates haben am Dienstagabend bereits ihr Ok gegeben, nun muss der Gemeinderat entscheiden. Läuft alles wie geplant, dann könnte die öffentliche Auslegung des Bebauungsplanes parallel mit der des Flächennutzungsplanes im Oktober erfolgen.

Dass der Zuzug wichtig ist für die in Sachen Haushalt stark gebeutelte Gemeinde, daraus machen die Entscheidungsträger aus Verwaltung Politik längst keinen Hehl. Zusätzliche Steuereinnahmen und ausreichend Fördermittel aufgrund einer demografisch günstigen Prognose sind Grundlagen einer positiven Entwicklung.

Bedarf hat zugenommen

„Doch so einfach ist das eben nicht. Eine Kommune darf nicht eigenständig einfach festlegen, wieviel Wohnbauland sie ausweist“, erklärte Ina Stimpel, verantwortlich für die Bauleitplanung bei der Gemeindeverwaltung. So könnten nun nämlich nur zwei Drittel der ursprünglich geplanten 15-Hektar zwischen Bahnmagistrale im Norden und Ackerstraße im Süden bebaut werden.

Die Amtsmitarbeiterin führte das auf die bindenden Vorgaben zurück. So sei der Wohnbedarf auf Grundlage einer Prognose der Einwohnerentwicklung im Sülzetal bis zum Jahr 2030 ermittelt worden. Als Grundlage diente die sogenannte „6. regionalisierte Bevölkerungsprognose des Statistischen Landesamtes“. Diese Ergebnisse gelten gesetzlich für alle Landesbehörden. Sämtliche daraus resultierende Werte seien also bindend und wurden in den künftigen Flächennutzungsplan eingearbeitet, der wiederum als Grundlage für die Ausweisung von Wohnbauflächen dient.

Demnach hat „der Bedarf nach ... Wohnbauland für Eigenheimbebauung aus der Bevölkerung Osterweddingens in den vergangenen Jahren noch einmal deutlich zugenommen“, ist in dem Bebauungsplan nachzulesen. Durch seine Aufstellung und die damit verbundene Schaffung von Baurecht soll nun einem immer größer werdenden Bedarf aus der ortsansässigen Bevölkerung sowie Pendlern gedeckt werden, und zwar „durch eine wirtschaftliche und damit kostensparende Erschließung, die auch den sozial schwächer gestellten Familien ein angemessenes und bezahlbares Wohnen ermöglichen“.

Diskussion um eingetragene Symbole

Dementsprechende ergibt sich für Osterweddingen, dass bis zum Jahr 2030 der Neubau von rund 121 Eigenheimen erforderlich ist. So könnten künftig auf dem Areal rund 5 Hektar für insgesamt 63 Baugrundstücke mit einer Größe von jeweils 800 Quadratmetern reserviert werden. Laut dem Bebauungsplan wird für das Gebiet eine bis zu zweigeschossige Bebauung mit maximal je zwei Vollgeschossen festgelegt. Neben Einzelhäusern sollen jedoch auch Reihen- und Doppelhäuser zulässig sein. Die Länge der Häuser darf aber höchstens 50 Meter betragen.

Der Rest der Fläche ist als Gemeindebedarfsfläche ausgewiesen. Die genaue Bebauung ist zwar nicht abschließend geklärt, wohl aber die geplanten Nutzungsarten. So finden sich in der Planzeichnung bereits die Symbole für eine Schule, eine kulturelle Einrichtung sowie eine Kita, was während der Ortschaftsratssitzung vergangene Woche in Langenweddingen für Irritationen sorgte. Schließlich gebe es keinen Beschluss des Gemeinderates zum Bau einer neuen Kita. Ferner sei die Diskussion um künftige Schulstandorte durch den Vorstoß der CDU nach einem zentral gelegenen Grundschulzentrum neu entflammt.

Auch der Ortsbürgermeister von Bahrendorf, Steffen Schulze (CDU), stellte die bereits eingetragenen Symbole infrage, ohne jedoch den Bedarf einer neuen Kita für Osterweddingen anzuzweifeln. Ina Stimpel relativierte jedoch, dass die vorgesehene Fläche nur für eine Kita geplant sei, und nicht etwa für ein Kita-Zentrum der Einheitsgemeinde. Wolfgang Kettner (KHV/OSV) erklärte zudem: „Das hat nichts damit zu tun, was die CDU einbringen will. Unsere alte Kita ist für 54 Kinder ausgelegt und platzt aus allen Nähten. Und eine zentrale Kita mit 200 Plätzen will doch niemand.“ Doch soviel steht schon fest: zulässig sind auch auf der Gemeindebedarfsfläche nur Gebäude mit maximal zwei Vollgeschossen und einer Länge von höchstens 50 Metern. Doch damit ist es nicht getan, denn es müssen auch Umweltbelange berücksichtigt werden. So wurden beispielsweise Ausgleichsmaßnahmen wie das Pflanzen von Bäumen und Sträuchern auf einem 50 Meter breiten Grünstreifen im Norden der Baufläche eingeplant.

Pläne werden ausgelegt

Doch das Umweltgutachten als Bestandteil des Bebauungsplanes bringt ein Problem zutage. So seien zwar keine wertvollen Lebensräume und Pflanzengesellschaften vorhanden, doch könnten auf dem bisher als Acker genutzten Flächen geschützte Hamster hausen. Da ein Vorkommen nicht ausgeschlossen werden kann, wird derzeit eine Kartierung erarbeitet. Entsprechend der Ergebnisse müssen dann noch artenschutzrechtliche Maßnahmen erarbeitet und in den Bebauungsplan integriert werden.

Und noch ein Problem stellt sich. Laut Ina Stimpel ist der Grunderwerb aktuell nicht sicher. „Der Besitzer möchte nicht so gern verkaufen. Nun haben wir ihm einen Flächentausch vorgeschlagen“, erklärte die Bauplanerin. Mit einer endgültigen Einigung rechnet die Amtsmitarbeiterin für nächstes Jahr.

Der Gemeinde entstehen Planungs- und Erschließungskosten in Höhe von insgesamt rund 105.000 Euro. Stimmt der Gemeinderat zu, kann vom 27. September bis zum 1. November zu den Öffnungszeiten des Rathauses in Osterweddingen in den Bebauungsplan eingesehen und Ideen eingebracht werden.