Westliche Börde l Am Sonntag, 12. Januar, verließ Herr L. (Name der Redaktion bekannt) sein Haus. Es war zwischen 13 und 15 Uhr. Seit diesem Tag fehlte fast fünf Wochen von ihm jede Spur. Sein Bruder, seine Schwester und sein Vater sind ratlos. Wie sie berichten, wurde der 51-Jährige noch gesehen, wie er zu einer Kreuzung an der Bundesstraße 81 lief. Doch trotz intensiver Suche ist alles Weitere unklar.

„Zuerst habe ich gedacht, dass er vielleicht kurz abgetaucht ist und nach vier oder fünf Tagen wieder zurückkommt“, berichtet seine Schwester. Aber diese Frist ist schon lange um. Wie sie erklärt, nahm ihr Bruder nichts mit. Das vor Kurzem gekaufte Auto ließ er stehen. Auch Ausweis und EC-Karte blieben zurück.

Bei der Polizei gemeldet

Am nächsten Tag sei Herr L. von seiner Frau bei der Polizei als vermisst gemeldet worden. Ein Suchhund habe seine Spur verfolgt. Doch an besagter Kreuzung habe sich die Fährte verloren. „Vielleicht hat ihn jemand mitgenommen“, vermutet die Schwester.

Zusammen mit Bruder und Vater berichtet sie, dass der Vermisste ein normales Leben geführt habe - mit Beruf und Familie. „Am Abend vorher war er noch hier. Wir haben zusammen gesessen und erzählt“, so die Schwester. Alles habe normal gewirkt. Ls Vater ergänzt, dass sein Sohn noch über einen Termin gesprochen habe, weil er einen Baum fällen wollte. „Das macht man doch nicht, wenn man abhauen will“, betont er. Möglicherweise sei es eine Kurzschlussreaktion gewesen, aus welchen Gründen auch immer. An eine Entführung oder Ähnliches glauben alle drei nicht.

Streit habe es, zumindest mit ihnen, nicht gegeben. Der 51-Jährige habe nie gesagt, dass er Probleme habe. Dabei sei er keineswegs ein zurückgezogener oder verschlossener Mensch. „Aber wenn er etwas hatte, hat er das lieber mit sich ausgemacht“, erklärt der Bruder des Verschwundenen. Es gebe keinen Abschiedsbrief, keinen Hinweis auf ein Ziel - nur Ratlosigkeit und viele offene Fragen, die ohne Herrn L. wohl niemand beantworten kann. Auch Erkundigungen im Bekannten- und Freundeskreis des Vermissten brachten kein Ergebnis. Es habe sich niemand an eine Bemerkung des 51-Jährigen erinnern können, dass er eines Tages verschwinden wolle.

Anzeige liegt vor

Die Volksstimme hakte bei der Polizei nach. Die Beamten bestätigten daraufhin, dass eine Vermisstenanzeige vorliegt. Eine öffentliche Fahndung mit Foto und genauer Beschreibung von Herrn L. werde es aber nicht geben. Das hat folgenden Grund: Den bisherigen Ermittlungen zufolge gibt es keinen Hinweis auf ein Verbrechen. Der 51-Jährige habe nach aktuellem Kenntnisstand keine gesundheitlichen Einschränkungen und sei auch nicht dringend auf Medikamente angewiesen. Es gebe keine Anzeichen für eine Notlage oder eine Eigengefährdung.

Bestimmte Indizien sprächen dafür, dass Herr L. aus freien Stücken gegangen ist. Das sei oft hart für die Angehörigen. Aber es werde durch das Recht auf Selbstbestimmung gedeckt. Wie die Polizei mitteilt, kommt es vor, dass Menschen alles hinter sich lassen, um anderswo ein neues Leben zu beginnen. Tatsächlich habe sich vor einigen Jahren im Landkreis Börde ein ähnlicher Fall ereignet.

Selbst wenn Polizisten Kontakt zu der betreffenden Person hätten, seien sie gegen deren Willen nicht berechtigt, Informationen über den Aufenthaltsort an die Angehörigen weiterzuleiten.

Name darf nicht genannt werden

Tatsächlich darf auch die Volksstimme aus rechtlichen Gründen nicht den Namen und auch kein Foto von Herrn L. veröffentlichen. Nicht einmal die Namen von Schwester, Bruder oder Vater dürfen abgedruckt werden. Genauso wenig wie der Wohnort. Denn sonst ließe sich dadurch auf die Identität des Vermissten schließen.

Am Ende bleibt daher folgender Aufruf: Wenn Herr L. von diesem Artikel erfährt oder falls es jemanden gibt, der Näheres weiß, wird er gebeten, sich an die örtliche Polizei oder eine andere Polizeidienststelle zu wenden. Auf diese Weise könnten Schwester, Bruder und Vater zumindest erfahren, dass es ihm gut geht und er nicht das Opfer eines Verbrechens wurde.

Hinweis: Nach einem Hinweis an die Redaktion bestätigte die Polizei gegenüber der Volksstimme am 18. Februar den Tod des Mannes. Er wurde von einem Spaziergänger im Landkreis Börde aufgefunden.  Genauere Angaben machten die Beamten nicht. Nach Angaben der Polizei kann keine Fremdeinwirkung festgestellt werden.