Oschersleben l Beim Bummel über den Weihnachtsmarkt, beim Kauf einer Fahrkarte oder im gut gefüllten Kaufhaus in der Vorweihnachtszeit denken die wenigsten Menschen daran, dass sie gerade jetzt Opfer eines Taschendiebes werden könnten. Diese Gedanken aber haben Polizeiobermeister Peter Hartling und Polizeihauptmeister Ingo Kühl sehr wohl im Kopf. Denn im Jahr 2014 mussten über 157 000 Taschendiebstähle registriert werden. Dabei entstand deutschlandweit ein Schaden von 45,9 Millionen Euro. Im Vergleich zum Jahr 2013 war dies eine Steigerung von 16,5 Prozent. „Und es gibt gerade bei Taschendiebstählen tatsächlich nur eine geringe Aufklärungsquote. Sie liegt gerade mal bei 5,7 Prozent“, erklärt Ingo Kühl. Um so wichtiger erscheint es ihm und seinem Kollegen Peter Hartling, die Bürger zu sensibilisieren, großen Wert auf die Präventionsarbeit zu legen.

Unter dieser Prämisse machten sich die beiden Polizisten gestern auf den Weg durch Oschersleben. Ihren gemeinsamen Streifengang begannen sie am Oschersleber Bahnhof. „Auch in den Zügen werden wir gerade in der Vorweihnachtszeit mehr Präsenz zeigen. Auch wollen wir so die Reisenden über die Vorgehensweise von Taschendieben informieren“, erklärt Ingo Kühl.

Ausweispapiere gesondert verwahren

Auf ihrem Weg durch die Oschersleber Fußgängerzone trafen die Polizisten auch auf Ina Wenzel aus Hötensleben. Sie wurde von den Männern darauf aufmerksam gemacht, ihre Handtasche mehr vor dem Körper als am Rücken zu tragen. So könnten Langfinger zugreifen, ohne dass es Ina Wenzel merkt. Die Hötensleberin bekommt gleich noch einige Hinweise mit auf den Weg, die alle Bürger beherzigen sollten, wollten sie sich vor Taschendieben schützen. So sollten Handtaschen immer mit der Verschlussseite zum Körper getragen werden. Geld-, Scheck- und Kreditkarten sowie Ausweispapiere gehören in verschlossene Innentaschen der Kleidung. Bargeld und Ausweispapiere sollten nicht in einer Geldbörse aufbewahrt werden.

„Wird diese gestohlen, ist nicht nur das Geld futsch. Das Beschaffen von neuen Papieren ist gerade für ältere Bürger, und sie werden häufiger Opfer von Taschendieben, eine Katastrophe“, meinten Ingo Kühl und Peter Hartling.

Sie empfehlen beim Besuch von Weihnachtsmärkten auf die Mitnahme von EC- oder Kreditkarten zu verzichten. „Allein in den letzten 14 Tagen hatten wir drei Fälle, in denen mit gestohlenen EC-Karten in den jetzt vollen Einkaufsmärkten bezahlt wurde“, erzählt Peter Hartling.

Tasche nicht auf den Tisch legen

Nie sollte die Handtasche, die Geldbörse oder das Handy in einem Restaurant auf den Tisch gelegt werden, „Und lassen Sie sich keine Zeitung oder Stadtpläne über die Wertsachen legen, ruckzuck sind die Sachen gestohlen“, machen die Männer auf bekannte Tricks der Diebe aufmerksam. Dazu gehöre auch der Drängeltrick. In vollen Zügen oder Bussen rücken Langfinger dicht an die Opfer heran. Diese würden in der Regel dem Drängler den Rücken zudrehen und bieten ihm somit „griffbereit“ die Schultertasche. Beliebt sei bei den Betrügern auch der Beschmutzer-Trick. Dabei werde das Opfer mit Eis, Flüssigkeit oder Senf bekleckert. Beim Versuch, die Verschmutzung zu reinigen, verschwindet das Geld aus der Jackeninnentasche.

„Wir wünschen uns, dass die Bürger unsere Ratschläge beherzigen, damit Taschendiebe die Freude auf das Weihnachtsfest nicht vermiesen“, so die Polizeibeamten.